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Niederrheinische Sinfoniker spielen Konzert zum Mitträumen

Sinfonikonzert als Stream : Sinfoniker spielen Konzert zum Mitträumen

Am Samstag bot das niederrheinische Ensemble Werke von Astor Piazolla und Sergej Prokofjew als Stream an. Das Video ist noch bis 27. Juni abrufbar.

Konzertbesuche sind seit Monaten nicht mehr möglich. Glücklicherweise bieten inzwischen viele Musiker ihre Konzerte als Stream an. So auch die Niederrheinischen Sinfoniker, die auf diese Weise schon mehrfach ihre Konzerte ins heimische Wohnzimmer schickten. Mit einem ausgesprochen schönen Programm wurde jetzt das 5. Sinfoniekonzert auf der niederländischen Plattform classic.nl/konzertzuhause hochgeladen und ist bis Ende Juni verfügbar.

Mit Werken von Astor Piazzolla und Sergej Prokofjew standen zwei Komponisten im Fokus, die für ihre sehr leidenschaftliche und bildhafte Tonsprache bekannt sind. Das erste Drittel des einstündigen Konzerts war Piazzolla, dem Vater des „Tango nuevo“, gewidmet. Sein Bandoneon-Konzert von 1979 zeigt den Meister auf dem Gipfel seines Schaffens. Darauf weist auch der Titel des Stücks, „Aconcagua“, hin. Der Name des höchsten Berges in Südamerika steht stellvertretend für Piazzollas großartiges Schaffen.

Mit Akkordeonistin Mie Miki spielt eine Meisterin ihres Fachs

Großartig war auch die Besetzung des Soloparts im Konzert. Die japanische Akkordeonistin Mie Miki ist ebenfalls eine Meisterin ihres Fachs. Mit ihrem gleichermaßen virtuosen und feinfühligen Spiel machte sie das Konzert zu einem ganz besonderen Erlebnis. Drei Sätze in der Abfolge schnell-langsam-schnell hat das Werk. Gleich zu Beginn führt das „allegro mercato“ mit seiner mitreißenden Rhythmik und den melancholischen Klangfarben mitten in die Welt des Tangos hinein. Unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Mihkel Kütson erwiesen sich die Musiker als souveräne und umsichtige Partner der Solistin. Vor allem im Mittelsatz „moderato“ entfalteten sich wunderbare Dialoge zwischen dem Akkordeon und anderen Soloinstrumenten, darunter Violine und Cello.

Die verschiedenen Kameraeinstellungen führten den Zuschauer anders als im Konzertsaal ganz nah an einzelne Musiker heran. So konnte man auch ohne das Live-Erlebnis das eindrucksvolle Spiel der Solistin nachempfinden, wie sie teilweise mit geschlossenen Augen und doch höchster Konzentration ihr Instrument förmlich zum Singen brachte. Musik zum Mitträumen vom Feinsten.

Im zweiten Teil geht es
ebenfalls traumhaft weiter

Anders traumhaft ging es im zweiten Teil weiter. Das Ballett „Cinderella“ von Sergej Prokofjew zählt neben seinem anderen Ballett „Romeo und Julia“ und Tschaikowskys „Schwanensee“ und „Nussknacker“ zu den populärsten Werken dieser Gattung. 1944 vollendet, gehört es einer ganz anderen Zeit an als Tschaikowskys Klassiker. Doch die gefühlsbetonte, sehr romantisch anmutende Musik führte sofort zum großen Erfolg dieses Stücks. So legte der Komponist zwei Jahre später noch eine reine Orchesterversion in Form von drei Suiten vor. Aus diesen stellte Mihkel Kütson für das Konzert eine individuelle Abfolge zusammen, die die unterschiedlichen Facetten des Werks sehr schön hervorheben. So kommt neben den verträumten Passagen, wie dem traurig-zarten Cinderella-Motiv zu Beginn und dem schwärmerischen Amoroso am Schluss, auch der Humor nicht zu kurz. Dieser wird besonders hörbar, wenn sich die bösen Stiefschwestern in großer Aufregung zum Ball ankleiden und abfahren. Graziös-verspielte Melodien begleiten das Erscheinen der Winterfee. Zum Höhepunkt der Suite wird der populäre Walzer, den Cinderella mit dem Prinzen tanzt, und das dramatisch gestaltete Schlagen der Uhr um Mitternacht.

Coronabedingt spielten die Niederrheinischen Sinfoniker das Stück in einem besetzungsreduzierten Arrangement von Daryl Griffith. Das tat dem Hör-
erlebnis keinen Abbruch, man konnte ganz im Gegenteil wunderbar in diese musikalisch so bildhaft gestaltetete Märchenwelt eintauchen und das Konzert genießen.