Neues Parkraumkonzept noch 2018

Neues Parkraumkonzept noch 2018

Parkplätze sind in Uerdingen Mangelware. Die Stadt will Lösungen für Kurzparker und Pendler finden. Bürger sollen mitbestimmen.

Uerdingen. Parken in der Rheinstadt — bisher ist das eher Glücksache. Und ein Ärgernis für viele Uerdinger. Einige haben sich am Donnerstagabend in der Aula des Gymnasiums am Stadtpark versammelt. Stadtplaner Norbert Hudde hatte zur Vorstellung eines möglichen neuen Parkraumkonzepts für Uerdingen geladen. Das befinde sich derzeit noch im Entwurfstadium, die Stimme der Uerdinger sei gefragt, so Hudde. Der Stadtplaner will die Uerdinger motivieren, selbst über die Zukunft des Parkraums zu diskutieren.

Foto: Andreas Bischof

Hudde verweist auf die Beschlusslage, bereits 2016 wurde beschlossen, dass ein neues Parkraumkonzept für den Stadtkern, rund um den Historischen Marktplatz hermüsse, damit die Belastungen durch die vielen Parksucher abnehmen. Im Jahr war unter Hochdruck am Integrierten Handlungskonzept gearbeitet worden. Nun wolle man die Parkraumsituation möglichst zügig in Angriff nehmen, sagt Hudde.

Dazu hat er Andreas Schmitz vom IKS Büro für Mobilitätsplanung aus Kassel eingeladen. Schmitz und seine Kollegen haben in den vergangenen Monaten eine detaillierte Parkraumanalyse, eine Bestandsaufnahme, in Uerdingen durchgeführt, um herauszufinden, welche Maßnahmen zur Optimierung überhaupt sinnvoll sein könnten. Dabei stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie Straßen genutzt werden und wie hoch die Auslastung durch Parker auf den verschiedenen Straßen ist. Die Ergebnisse dieser Bestandsaufnahme stellt Schmitz den Uerdingern am Donnerstagabend vor: 2363 öffentlich zugängliche Parkplätze zählten Schmitz und seine Kollegen im Untersuchungsgebiet. Die Analyse ergab außerdem, dass gerade einmal 200 dieser Parkplätze kostenfrei beziehungsweise mit Parkscheibe nutzbar sind. Eine besonders undurchsichtige Regelung des Parkraums stellte man beim Parkplatz Am Röttgen fest.

Als Schmitz auf das Parkleitsystem zu sprechen kommt, ertönt vereinzelt Gelächter aus den Reihen der Zuhörer. Auch in der Analyse kommt das System nicht gut weg. Es sei wenig hilfreich und lückenhaft aufgebaut. Die Auslastung in Uerdingen sei sehr unterschiedlich, erklärt Schmitz weiter. Parken sei auch immer ein Verteilungsproblem. Sehr hoch ausgelastet sind beispielsweise die Straße Am Oberfeld oder die Bahnhofsstraße. Insbesondere gebietsfremde Parker übten einen hohen Druck auf vorhandene Plätze aus. Die größte Gruppe seien dabei Langzeit- und Dauerparker, vermutlich Berufspendler.

Eine Befragung, die das Büro im Zuge der Analyse in Uerdingen durchgeführt hat, ergab, dass die Anwohner die Parksituation im Stadtteil mit einer Durchschnittsnote von 3,76 bewerten. Dabei ergab die Umfrage auch, dass 77 Prozent der Fahrer innerhalb von fünf Minuten einen Parkplatz gefunden haben, der nicht mehr als fünf Minuten vom Zielort entfernt war. Das sei an sich ein guter Wert, sagt Schmitz. Woraus resultiert also die schlechte Gesamtnote? Hat der Parkraum in Uerdingen vielleicht auch ein Imageproblem?

Schmitz schlägt folgende Lösungen vor, die sein Team auf Grundlage der Analyse als sinnvoll erachtet: Die Situation soll im Kerngebiet des Stadtteils vor allem für Kurzparker verbessert werden. Alle Parkplätze im Kerngebiet bis zum Wallgraben müsste man dazu kostenpflichtig machen, gleichzeitig aber die Bewohner bevorzugen und sie in bestimmten Straßen von den Parkgebühren befreien. Geringere Parkgebühren und eine Aufhebung der Höchstparkdauer hält man hier ebenfalls für sinnvoll.

Laut Schmitz besonders wichtig: neue Parkangebote für Pendler müssen her. Er schlägt dazu den Bau einer Parkpalette am Bahnhof vor. Eine mehrstöckige Stahlkonstruktion auf zwei oder drei Ebenen sei sinnvoll, um die hohe Auslastung im Bahnhofsgebiet durch Berufspendler umzuverteilen. Schmitz empfiehlt 35 Euro für ein Monatsticket und vier Euro Gebühr für ein Tagesticket anzuberaumen. 250 zusätzliche Plätze sollen so geschaffen werden.

Ein weiteres Thema, das in Uerdingen kontrovers diskutiert wird: die Nutzung des Marktplatzes. Laut IKS-Analyse wäre ein autofreier Marktplatz durchaus möglich und dazu schnell umsetzbar.

Die anwesenden Uerdinger sind skeptisch. Es wird diskutiert: „Ist es wirklich so einfach, den Marktplatz autofrei zu machen? Was kommt dann? Wie sinnvoll sind die vorgestellten Lösungen und in welcher Reihenfolge sind sie am besten umsetzbar?“ Ein Uerdinger meldet sich zu Wort: Er möchte wissen, ob andere Lösungen nun mit dem vorgestellten Konzept vom Tisch seien? „Nein“, sagt Hudde.

Am nächsten Montag soll die Präsentation für alle Uerdinger online einsehbar sein. Bis Ende des Monats wolle man Anmerkungen dazu aufnehmen, dann zügig Maßnahmen festmachen. In diesem Jahr will Hudde einen umsetzungsfähigen Beschluss zum Parkraumkonzept in Uerdingen fassen. Nun will er aber erstmal in die Diskussion vor Ort gehen. Zusätzliche Vorschläge stellten zusätzliches Potential dar, sagt der Stadtplaner.