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Neuer Test für Schulanfänger

Neuer Test für Schulanfänger

Rund 2.000 angehende i-Dötze wurden in Krefeld nach einem neuen System untersucht.

Krefeld. Kinder brauchen ihre Zeit. "Welchen Nutzen hat es, die Mädchen und Jungen früher einzuschulen und die Kindheit abzukürzen?", fragt Doktor Hans-Peter Wirtz, der Abteilungsleiter Kinder- und Jugendärztlicher Dienst beim Gesundheitsamt.

Er hat mit seinen Kollegen gerade die Schuleingangsuntersuchungen für rund 2.000 angehende Krefelder i-Dötzchen abgeschlossen. "Die Schule verlangt früh viel."

Doch immer mehr Eltern kommen mit dieser Frage und sagen: "Mein Kind kann schon lesen und schreiben." Doch das ist nicht ausschlaggebend. Der Nachwuchs, der früher angemeldet werden soll, muss alle Test-Aufgaben sehr sicher lösen. Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer, Sicherheit und ein gutes Sozialverhalten gehörten zur Schulreife dazu und seien sehr viel wichtiger, fehlten aber häufiger, so der Arzt.

In Krefeld wurden die Kinder seit November bis jetzt erstmals nach einem neuen System, das an der Uni Bremen entwickelt wurde, untersucht. "Es dauert länger, etwa zweimal 20 Minuten, findet bei zwei verschiedenen Personen statt, ist intensiver als sein Vorgänger und deckt Lücken auf.

Förderungsbedarf, wie er beispielsweise vermehrt in Sprache festgestellt wird, kann nun besser erkannt werden. Die Lehrer bekommen entsprechende Hinweise von den Ärzten und können sogleich richtig reagieren." Bisher wurde jedes Kind insgesamt knapp 30 Minuten getestet.

"Wir sind gespannt auf die Vergleiche mit anderen Städten", sagt Wirtz. "Noch verfahren zwar nicht alle nach diesem neuen System. Doch im Herbst/Winter haben wir erste Ergebnisse." Gut findet er es, dass die neuen Tests an 13 000 Kindern genormt wurden. So gibt es weitere Anhaltspunkte für Förderungsbedarf.

Der Entwicklungsbericht aus dem Kindergarten, das Vorsorge-Untersuchungsheft, Seh- und Hörtest sowie ein Check der körperlichen und geistigen Entwicklung machen den Test aus. "Die Infos aus der Kita, ob das Kind gut sitzen und zuhören kann oder Streit zu schlichten vermag, sind wichtig. Das Abhören mit dem Stethoskop spielt nur eine kleine Rolle."

Dann geht es unter anderem ums Zahlen erkennen bis "6". Wirtz: "Wer Würfelspiele kennt, hat damit keine Probleme. Wie gut die Grafomotorik ausgebildet ist, zeigt die Linienführung mit dem Bleistift. Auch hier hapert es oft. Dann müssen Bilder zugeordnet und Formen erkannt werden. "Alles ist altersentsprechend."

Ein Schwerpunkt liegt auf der Sprache. Wörter im Plural zu bilden, macht kaum Probleme, die richtige Präposition zu finden, schon mehr. "Die Sprachkenntnisse werden schlechter, sind nicht zufriedenstellend und stadtteilabhängig. Was wir verlangen, muss bei den künftigen Schulkindern bekannt sein", sagt der Mediziner.

Größe und Gewicht sind auch sehr wichtig. "Insgesamt werden die Kinder schwerer, in diesem Alter jedoch noch nicht so gravierend, da sind es neun Prozent. Die Mädchen und Jungen nehmen erfahrungsgemäß erst im Grundschulalter zu."

Wirtz: "Zurückstellungen erlaubt das Gesetz nicht. Gesundheitliche Gründe, wie etwa eine chronische Krankheit oder ein längerer Krankenhausaufenthalt, können jedoch dazu führen. Alle anderen Kinder werden eingeschult, bei Bedarf auch in Kompetenzzentren."