Netzwerk Schulpsychologie: Damit sich Winnenden nicht wiederholt

Netzwerk Schulpsychologie: Damit sich Winnenden nicht wiederholt

Melanie Neubauer arbeitet beim psychologischen Dienst. Eingestellt wurde sie nach dem Amoklauf in Emsdetten.

Krefeld. Nach dem schrecklichen Amoklauf in Emsdetten im November 2006 hat das Schulministerium reagiert und das "Netzwerk schulpsychologische Krisenintervention" aufgebaut. 54 zusätzliche Fachleute stehen seither in NRW zur Krisenintervention bereit. Diplom-Psychologin Melanie Neubauer aus Gartenstadt gehört dazu. Sie ergänzt das Team des zwölf Köpfe zählenden psychologischen Dienstes in Krefeld. Die 34-Jährige ist eine Landesbedienstete, arbeitet seit knapp einem Jahr hier und sagt: "Der Beratungsbedarf ist groß. Ich werde in den nächsten Jahren nicht arbeitslos."

"Es sind die kleinen, alltäglichen Dinge, die sich zu großen Vorfällen summieren, die sich potenzieren oder hochschaukeln können", beschreibt Andreas Hamerski, Leiter des psychologischen Dienstes in Krefeld. Melanie Neubauer ergänzt: "Wir müssen von Grund auf entgegenwirken; bei auffälligem Verhalten intervenieren."

Ein Beispiel: Eine Mutter klagt, dass ihr Sohn nicht mehr schlafen kann. Hamerski: "Es kann viele Gründe für die Schlaflosigkeit geben. Wird der Junge in der Schule gemobbt oder gehänselt? Kommt er mit dem Unterrichtsstoff nicht klar? Leidet er vielleicht unter den stetigen Streitereien der Eltern?"

Auch die jugendlichen Amokläufer in Emsdetten und Winnenden galten vorher als unauffällig. "Unsere Arbeit liegt in der Prävention. Wir gehen davon aus, dass solche Vorkommnisse hier nie stattfinden." 70 Prozent ihrer Tätigkeit verbringt Melanie Neubauer vor Ort in den Schulen. "Ich besuche nacheinander alle, von der Grundschule bis zum Berufskolleg."

Eine umfassende schulische Beratungskultur soll aufgebaut werden. Konkrete Arbeitsbereiche sind die Individualberatung, bei der es darum geht, herauszufinden, ob die Kinder beispielsweise mit den Mitschülern nicht klar kommen, unter- oder überfordert sind. Die Systemberatung für die Pädagogen wird angeboten und schließlich die Krisenintervention.

Fragen nach dem Schulkonzept stehen bei den Besuchen obenan. "Gibt es Streitschlichter-Programme? Sind Beratungslehrer tätig? Wie geht die Schule mit Mobbing um? Es sind Einzelteile, die zum Gesamtbild zusammengefügt werden", erläutert Neubauer. "Wir sind immer ansprechbar, um frühzeitig zu vermitteln und gehen - nachdem die Polizei tätig war - Hinweisen direkt nach." Dreh- und Angelpunkt sei die Freiwilligkeit der Erziehungsberechtigten, Hilfe auch anzunehmen. Neubauer: "Bei der Beratung ist es wichtig, den Weg nach vorne aufzuzeigen, nicht nach hinten zu wühlen."

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