Naturschutz: Bei Krefelder Landwirt können Paten Heimat für Insekten schaffen

NATURSCHUTZ : Eine grüne Heimat für Insekten zwischen Sellerie und Salat

Statt selber dort anzubauen, bieten die Landwirte Thomas und Ruth Vennekel Patenschaften für Ackerstreifen an.

Auf dem großen Feld in Hüls wächst rechts bald Sellerie heran und links Salat. In der Mitte entsteht allerdings ein breiter Blühstreifen. Aufgeweckt durch die Erkenntnisse des Entomologischen Vereins in Krefeld, der herausgefunden hat, dass die Insekten-Population in den vergangenen 27 Jahren um knapp 80 Prozent zurückgegangen ist, stellen die Landwirte Thomas und Ruth Vennekel der Bevölkerung ab sofort einige Hektar ihres Landes für Blühstreifen und somit Nahrung für Insekten zur Verfügung. Das Interesse an der Aktion „Krefeld-blüht“ ist groß.

„Die ersten 23 Paten haben bereits Interesse, ein Stück zu übernehmen“, berichten die Landwirte und freuen sich. „10 000 Quadratmeter sind schon so gut wie vergeben, um einen Lebensraum für Bienen und Insekten zu schaffen. Und die weitere Anfrage ist groß.“

Für 100 bis 1000 Quadratmeter liegt die Miete runtergestaffelt bei 50  bis 30 Cent im Jahr. Die Patenschaft kann ein, zwei oder fünf Jahre betragen. „Der Ertrag entspricht dem aus der Kultur, die wir sonst dort anpflanzen würden. Das passt“, sagt Vennekel.

Es gibt verschiedene Blühmischungen. In einjährig bepflanzte Stücke wird die Krefelder Bienenweide ausgesät. Ein Jahr länger wächst der Krefelder Blütentraum und wer sich für fünf Jahre zur Pacht verpflichtet, bekommt die Krefelder Insektenheimat in den Boden. Alle bleiben über ihren Zeitraum hinweg unberührt.

Schon jetzt leben Insekten
in Gras und verholzten Stängeln

Noch sieht der genannte brach liegende Streifen winterlich grau-braun und ein wenig trostlos aus. Doch selbst jetzt ist Leben darin. Ruth Vennekel: „Die Bereiche sind gut für Flora und Fauna. In den dicken Grasbüscheln und den verholzten Stängeln, in denen einige grüne Triebe auszumachen sind, überwintern schon jetzt Insekten. Daneben sind Mauselöcher zu sehen. Dies ist auch ein Rückzugsgebiet für Hasen, die hier ihre Jungen aufziehen, und Kiebitze, die zwar auf dem freien Feld brüten, aber später mit dem Nachwuchs in die Blühstreifen zu den Insekten ziehen.“

Vennekel freut sich: „Auch Imker stehen bereits parat, um ihre Völker an den Rand der Blühstreifen zu platzieren.“ Wenn alles schön grünt und blüht, werden dort die gelben, blauen und weißen Köpfe von Löwenzahn, Tagetes, Kornblume, Malve, Kamille, Klee oder Büschelschön leuchten. Bei der Auswahl der Saatmischung wird Wert auf unterschiedliche Blühzeitpunkte gelegt. Rund 40 verschiedene Arten der Feld-, Wald- und Wiesenblumen blühen abwechselnd, damit die fleißigen Bienen Arbeit haben. „Die Leute können dann kommen und ,ihre’ Blühfläche wachsen sehen.“

Außerdem soll es jährlich einen Blütentag für die Paten geben – voraussichtlich im Juni oder Juli – damit alle vom Rand aus gucken können, wie weit die Natur „bei ihnen“ schon gediehen ist. Außerdem wollen die Bauern an diesem Tag den Gedankenaustausch pflegen: „Wir gehen den Schritt auf die Bevölkerung zu und möchten mit ihr in Dialog treten. Landwirte werden doch immer für alles verantwortlich gemacht“, meint Vennikel. „Wir bringen Pflanzenschutzmittel aus, fahren Gülle, sind an Insektensterben oder Feinstaub schuld, und die Kühe mit ihren Ausdünstungen für Kohlendioxid-Ausstoß. Wie man jetzt sieht, können wir auch Insekten produzieren.“

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