Naturbad: Emotionen kochen hoch

Naturbad: Emotionen kochen hoch

Die Emotionen kochten hoch bei der Bürger-Debatte von WZ und Sparkasse in der Ökumenischen Begegnungsstätte. 80 Besucher stellten die Probleme des Stadtteils auf den Prüfstand.

Die Hülser diskutieren für ihr Leben gern. So kam es am Dienstagabend bei der WZ-Reihe Krefeld hautnah — in Kooperation mit der Sparkasse Krefeld - in der Ökumenischen Begegnungsstätte „Ö“ bei hochsommerlichen Temperaturen zu einem heißblütigen wie leidenschaftlichen Meinungsaustausch der Bürger untereinander. Und zu teils heftigen Vorwürfen gegenüber den Experten aus Politik und Verwaltung. Letztere blieben hingegen recht gelassen, beantworteten sachlich alle Fragen, gestanden auch Fehler ein und waren um Ausgleich und Lösung bemüht.

Der Diskussion stellten sich Dezernent Markus Schön, Stadtplaner Norbert Hudde, Bezirksvorsteher Hans Butzen und Bürgervereinsvorsitzender Daniel Franzen. Die zuvor mit dem Bürgerverein ausgewählten brisanten Themen waren die Zukunft des Hülser Naturfreibades, der Streit um den Bebauungsplan 550 für Fette Henn/Hinter der Papenburg, der befürchtete Verkehrsstau während der Sanierung der Venloer Straße und die Ruhestörung durch Jugendliche im Hülser Park. Redaktionsleiter Michael Passon und Redakteur Steffen Hoss moderierten.

"Krefeld Hautnah" in Hüls

Gleich zu Beginn kochten die Emotionen hoch, als es um die Frage ging, warum im gerade für 90 000 Euro sanierten Hülser Naturfreibad der Badebetrieb immer wieder wegen Wassereintrübung stillgelegt werden müsse. Jetzt habe man schon einmal einen Jahrhundertsommer und müsse auf den Badespaß verzichten, lautete die Kritik aus dem Publikum. Dezernent Schön erklärte den Grund für die Stilllegungen. Der bestehe darin, dass das Naturbad als normales Freibad klassifiziert sei, deren Richtlinie aus Sicherheitsgründen für die Badegäste besage, dass im Wasser eine Sichttiefe bis 1,20 Meter für den Bademeister sichergestellt sein muss. Deshalb müsse nun regelmäßig geprüft werden, ob das Wasser nicht zu trüb sei, was aber bei einem aus Grundwasser gespeisten Naturfreibad vorkomme. Dann müsse das getrübte Wasser gegen frisches ausgetauscht werden.

Schön versprach Abhilfe. „Wir wollen bei der Unteren Wasserbehörde beantragen, dass das Bad als Naturbad klassifiziert wird, damit die Vorgabe der Sichttiefe entfällt.“

Wie denn dann die Sicherheit für die Badegäste gewährleistet werden könne, fragte eine Besucherin.

Markus Schön auf die Frage, ob das Naturbad ab der Saison 2019 uneingeschränkt zur Verfügung stehe

Der Dezernent erläuterte, dass die Sicherheit dann mehr in Eigenverantwortung der Badegäste liege, wie das beim Schwimmen in einem Badesee in noch größerem Maß der Fall sei. Ob das Naturbad wenigstens ab der Saison 2019 wieder uneingeschränkt zur Verfügung stehe? Schön: „Wenn wir es im Herbst angehen, sollte uns das gelingen.“ Terminlich festnageln lassen wolle er sich aber nicht, weil das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren nicht in seiner Hand liege. Passen musste er bei der Frage von Beatrix Waldt, warum das Problem erst jetzt geklärt werde und von Rosi Kraus, warum die Eintrübung lange Jahre keine Rolle spielte. Er sei neu im Amt, wolle aber die früheren Vorgänge prüfen und aufarbeiten - allerdings intern statt öffentlich. Besucher Dietmar Schörner kritisierte hart das Vorgehen der Verwaltung als reine Bürokratie, weshalb die Bürger auch so aufgebracht und sauer seien. Erst als eine Besucherin die Sorge äußerte, dass das Bad wegen des Aufwandes möglicherweise ganz geschlossen werde, führte die klare Positionierung von Schön zur Entspannung und zu befreiendem Applaus: „Nein, wir brauchen dieses Bad.“