Nachwuchs kritisiert Diskussionskultur in der CDU

Nachwuchs kritisiert Diskussionskultur in der CDU

Salih Tahusoglu wünscht sich mehr meinungsstarke Menschen in der Politik — Ortschef Alfes reagiert mit Verständnis.

Der Krefelder CDU-Politiker Salih Tahusoglu hat die Diskussionskultur in seiner Partei sowie in der gesamten Politik kritisiert. „Heutzutage werden viel zu subjektive Positionen eingenommen, statt sich auf einigermaßen objektive Diskussionen einzulassen“, sagte der Bundesvorstand der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) im Gespräch mit der WZ. Vorausgegangen war ein Facebook-Post Tahusoglus, in dem er für mehr Toleranz und Diskussionskultur geworben sowie sich gegen Anschuldigungen gegen seine Person zur Wehr gesetzt hatte.

Vor allem mit den Christdemokraten sei Tahusoglu derzeit nicht zufrieden. „Es ist schade, dass sich die Partei so wenig bewegt. Es entsteht der Eindruck, dass man gezielt Leute haben möchte, die man formen und biegen kann, die nicht unbequem sind“, sagte er weiter: „Allerdings ist dies kein reines CDU-Problem. Das ist leider weit verbreitet in der Politik.“ Tahusoglu betonte, dass die Themen wieder mehr in den Mittelpunkt rücken sollten, auch wenn sie mal aus dem generischen Lager kämen. Konformität hingegen lehnte er in dem Post und im Gespräch ab. Zudem zeigte er sich irritiert, dass nicht als sachkundiger Bürger für den Fachbereich Jugendhilfe gefragt oder in Betracht gezogen worden sei.

Die CDU-Spitze der Stadt reagierte mit Verständnis auf Tahusoglus Kritik, allerdings nicht in der Vehemenz. „Da ist teilweise etwas dran“, gab Kreisgeschäftsführer Georg Alfes zu. Laut Alfes suche die CDU zwar Leute, die sich „gut einbinden lassen“, aber auch niemanden, der „stromlinienförmig“ anderen Meinungen folge. Allerdings gäbe es auch „Einzelkämpfer“, also Leute, „die zu Querulantentum neigen. Mit denen ist es auf Dauer natürlich schwierig.“ Alfes betonte allerdings, dass er damit nicht Tahusoglu meine.

Auch zur Art der Kritik wollte sich Alfes nicht allzu negativ äußern. „Das ist natürlich eine Generationsfrage. Viele jüngere Politiker äußern sich gerne über digitale Plattformen wie Facebook, viele ältere kritisieren diese digitale Öffentlichkeit. Ich denke, das persönliche Gespräch ist die beste Möglichkeit, Standpunkte und Ideen zu klären. Und mit Herrn Tahusoglu führen wir einen regelmäßigen Dialog, das sind sehr gute Gespräche“, sagte Alfes weiter. Der CDU-Ortschef möchte Tahusoglu, aber auch mit allen anderen Mitgliedern auch in Zukunft auf „lebhafte Sachdiskussionen“setzen.

Unabhängig davon, ob sich die Kultur für ihn wunschgemäß ändert, ist Tahusoglu überzeugt, „dass sich Engagement und Qualität am Ende durchsetzen“. ck

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