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Nachts in der Marxloher Moschee

Nachts in der Marxloher Moschee

Hunderte Besucher treffen sich nach dem Fastenbrechen zum Gebet.

Auf der Arbeit fällt mir das Fasten bisher nicht schwer. Das Wetter ist glücklicherweise auch nicht so heiß. Denn in sehr heißen Phasen meldete sich in den letzten Jahren das Durstgefühl. Als Psychiater ist mein Werkzeug die Kommunikation mit meinen Patienten. Nach einem Arbeitstag mit meinen Ambulanzpatienten konnte früher die Stimme auch schon einmal versagen. Bisher klappt das aber ganz gut. Ein weiteres Werkzeug ist die Aufmerksamkeit. Meine Patienten dürfen von mir meine volle Aufmerksamkeit erwarten. Es geht schließlich um ihre seelische Gesundheit. Durch das Fasten darf ich meine Profession und somit auch die Gesundheit meiner Patienten nicht gefährden.

Zum Glück bin ich heute ganz dabei, wenn meine Patienten von ihren aktuellen Problemen erzählen. Wenn man auf der Arbeit nicht durch Essen oder Trinken unterbrochen wird, hat man plötzlich mehr Zeit. Man schafft sogar etwas mehr als an anderen Tagen. Der Stau auf der A52 während der Rückfahrt gegen 17 Uhr nach Hause stresst mich nicht wie sonst, auch das gehört zum Ramadan, sich in Geduld zu üben und seine Emotionen zu kontrollieren. Eigentlich ist dies die Königsdisziplin im Ramadan, dagegen fällt die Entbehrung des Essens und des Trinkens eher leicht. Heute Abend sind wir zum Fastenbrechen mit Freunden eingeladen. Wir freuen uns, denn Ramadan heißt auch Geselligkeit, Zusammenkommen und Freude teilen.

So sitzen wir zu 30 Personen im Alter von fünf bis fünfzig im Restaurant in Duisburg, welches brechend voll ist. Die Kellner haben alle Hände voll zu tun, aber Datteln, Linsensuppe und Brot sind pünktlich um 21.28 Uhr zum Fastenbrechen auf dem Tisch. Nach dem Fastenbrechen entscheiden wir uns, in die Marxloher Moschee zu fahren. Es ist das erste Mal für meine Kinder, eine große Moschee in Deutschland zu sehen. Sie sind vom Anblick und der Größe überwältigt.

Ich gehe mit meinem Sohn in den großen und hell beleuchteten Gebetsraum, wo gerade das im Ramadan wichtige Teravih-Gebet von der Gemeinde gebetet wird. Mein sonst so quirliger Sohn (er ist sieben) schaut gebannt auf die Betenden, lauscht der Rezitation des Imams und versucht mitzumachen. Das gelingt ihm gut. Es freut mich, dass er das ganz alleine entdeckt.

Vor der Moschee ist ein Markt aufgebaut. Stände und Zelte mit Süßem, Essen, Kleidung, sogar Möbel werden ausgestellt. Hunderte Besucher ziehen an den Zelten vorbei, es ist schon 23.30 Uhr, die Stimmung ist friedlich, die Atmosphäre einmalig. Viele Besucher werden sicher bis zum Fastenbeginn um 4.03 Uhr bleiben. Für uns ist mit zwei sehr müden Kids aber um Mitternacht Schluss. Beide schlafen auf der Rückfahrt sofort ein.