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Nachhaltigkeit ist ein großes Thema bei der Krefelder Laufmasche

Mode-Ausstellung : Nachhaltigkeit ist das Credo der Jungdesigner

Modedesign und textile Kunst zeigen 22 Hochschulabsolventen in Baucontainern an fünf Standorten in der Innenstadt. Die besten Arbeiten werden prämiert. Der Gewinner erhält am Samstag die „Goldene Seidenschleife“

So nah kommen Mode-Fans den Designern, ihrer Kollektions-Idee und den gefertigten fantasievollen und wunderschönen Modellen nur sehr selten wie seit Mittwoch bei der „Krefelder Laufmasche“. 22 Absolventen renommierter Hochschulen stellen noch bis Sonntag ihre Idee von Mode in von ihnen selbst gestalteten Baucontainern auf verschiedenen Plätzen in der Innenstadt vor. Bei allen Teilnehmern zieht sich das Thema Nachhaltigkeit durch ihre Arbeiten. Sie stehen gerne Rede und Antwort dazu. Wer sie besucht, sollte sich etwas mehr Zeit dafür nehmen.

Um 12 Uhr öffnen die Designer ihre Baucontainer

So wie Barbara Fischer und ihre Schwester Mechthild. Die beiden Schwestern haben die Ankündigung in der WZ gelesen und gehören zu den ersten Besuchern, die sich auf den Rundgang vom Behnisch-Haus über Neumarkt und Evangelischer Kirchplatz zu Dionysiusplatz und Von-der-Leyen-Platz begeben. Um 12 Uhr hatten die 19 Bewerberinnen und drei Bewerber für die Goldene Seidenschleife ihre Containertüren geöffnet. Es dauerte nicht lange, da traten die ersten neugierigen Gäste ein. Barbara und Mechthild Fischer sind von der individuellen Kollektion des Labels Akwaaba von Charlotte Kramer sehr angetan (Behnisch Haus, Container 3). Akwaaba heißt übersetzt „Willkommen in Ghana“, und von dort hat Charlotte Kramer auch ihre Mode-Ideen nach einem sozialen Projekt mitgebracht. Sie kaufte übriggebliebene Kollektionsstoffe von Modefirmen auf (im Sinne der Nachhaltigkeit), fügte natürliche Stoffe wie Hanf und Alpaka/Schurwolle hinzu, ließ sich von den warmen Farben Afrikas inspirieren und fertigte ihre 15 Kollektionsteile innerhalb von vier Wochen bei ihrer zweiten Ghana-Reise mithilfe von drei einheimischen Näherinnen.

Bondo heißt die Kollektion von Damian Ohl (Behnisch-Haus, Container 4). Drei Monate weilte er 2019 auf Einladung eines Pilotprojektes im westafrikanischen Sierra Leone, um Frauen aus den dortigen Geheimbünden, der Bondo Society, mit einer Schneiderinnen-Ausbildung eine Alternative zur dort immer noch von Frauen ausgeführten weiblichen Genitalverstümmlung junger Mädchen zu bieten. Die Einblicke und Geschichten der Frauen dieser Geheimbünde habe er mitgenommen und gestalterisch in Kleidung umgesetzt. Ob ein schwarzer Mantel für die Hierarchie der Frauen in den Bünden oder ein elegantes langes dunkelblaues Abendkleid mit farbenprächtigem Bandeau-Überkleid. „Ursprünglich war das eine Bettdecke, die ich auseinander geschnitten habe und den farbigen Druck digital erarbeitet habe“, erklärt der 30-jährige Designer. Sinnbild für ein schönes Kleid, dass Frauen in den Geheimbünden geschenkt werde.

Die Geschichten hinter all den in Krefeld zu sehenden Kollektionen sind es, die diese Mode neben dem handwerklichen Geschick so spannend machen. So wie beispielsweise die Outfits von Luisa Marie Meissner unter dem „Quipuia“ (Dionysiusplatz, Container 16). Das Schriftsystem Quipu der Inkas aus Fäden und Knoten wird von der 22-Jährigen wiederbelebt. Aus Wollfäden und recycelten Stoffstreifen entsteht neuer handgeknüpfter Stoff und daraus prächtige modische Bekleidung.