1. NRW
  2. Krefeld

Nach dem Krefelder Zug: Wenn der Spaß vorbei ist, fängt die Arbeit an

Der Müll des Feierns : Das Ende: Wenn der Spaß vorbei ist, fängt für sie die Arbeit an

Zu Fuß oder mit kleinen und großen Kehrmaschinen: Rund 50 Mitarbeiter der Straßenreinigung bildeten die Nachhut des Rosenmontagszuges. In den Saugern verschwindet alles: Glasmüll, Papier, Plastik, Pferdeäpfel – und auch tonnenweise Süßigkeiten und anderes Wurfmaterial.

Wenn der Prinz kütt – und wieder geht -, wer achtet dann groß auf die dienstbaren Geister, die hinter ihm aufräumen? Mit der Aufmerksamkeit der Karnevalsfans wie für Tollitäten, Fußgruppen, Musiker und Fest- und Mottowagen kann die Nachhut des Krefelder Zugs nicht rechnen. Dabei ist sie keineswegs unauffällig, diese orangefarbene Truppe. Rund 50 Männer in leuchtenden Jacken, zu Fuß oder in Müll-, Pritschenwagen, Groß- und Kleinkehrmaschinen folgen ihrem eigenen Zugprogramm. Ist für die einen der Spaß vorbei, geht es für sie erst los.

Ihr Einsatz ist wie ein Fahrzeugballett – in immer neuen Formationen. Mal hintereinander weg, leicht versetzt, so dass die ganze Breite des Ostwalls sauber wird, mal gleichzeitig Kreise drehend auf dem Theaterplatz oder in drei Reihen auf den beiden Gehwegen und der Fahrbahn der Rheinstraße: Wie ein eingespieltes Tanzensemble bewegen sich die Wagen und ihre „Läufer“, also die Mitarbeiter der Gesellschaft für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft Krefeld (GSAK), die Kartons und andere große Abfälle per Hand einsammeln, im Zusammenspiel mit den Kehrmaschinen. Davor und drumherum wuseln 24 Handkehrer, die mit Gebläsen alles vom Papierschnipsel oder Bonbonpapier bis zur Glasflasche von Bürgersteigen und aus Grünstreifen auf die Straße „schießen“.

Dort sammelt sie unter anderem die Kehrmaschine von Marco Hindges ein. Mit der linken Hand lenkt der 53-Jährige, mit der rechten bedient er die rotierende Bürste. Sie schiebt wirklich alles vor sein Fahrzeug: Papier, Pappe, Plastiktüten, Pferdeäpfel. Vor allem aber Bonbons, Lutscher, Schokoriegel, Popcorntüten, Äpfel und Möhren, die auf der Straße liegen gelassen wurden, schluckt der nur wenige Zentimeter über dem Asphalt liegende Saugkorb.

Bonbons und Schokolade bleiben liegen, auch wegen des Wetters

Dass zwischen leeren Schnapsfläschchen, Luftschlangen und Konfetti Unmengen Süßigkeiten und anderes Wurfmaterial im Bauch seines Fahrzeugs landen, überrascht den Uerdinger nicht, wundert ihn aber schon. „Die harten Bonbons haben wir als Kinder schon nicht gemocht“, sagt der GSAK-Mitarbeiter lachend, „aber nach der Schokolade zum Beispiel hätten wir uns auf jeden Fall gebückt.“ Dass es mittlerweile anders ist, beobachtet er seit Jahren. „Die Äpfel und Möhren hätte doch wenigstens jemand für Pferde mitnehmen können“, meint Hindges, der in 30 Jahren im Unternehmen rund 20 Rosenmontagszüge begleitet hat.

Das Wetter macht es nicht besser. Von den Wagen ins närrische Volk geworfene Taschentuch-Päckchen oder Toilettenpapierrollen gehören zu den Überbleibseln. Wohl weil sie in Pfützen gelandet sind. Das Wasser saugt Hindges‘ Kehrmaschine an der Spitze der Kolonne komplett mit auf. Rund 800 Liter passen in den Schmutzbehälter und werden bei kleineren Pausen in einen Gully abgelassen.

An der St.-Anton-Straße stockt die Truppe. Eine der großen Kehrmaschinen hat „einen Verstopfer“, sagt Hindges. Der Schlauch an der Seite muss entfernt werden. Mit der Hand oder mit einem Hilfsmittel muss der Fahrer den Störenfried beseitigen. Bei den kleinen Fahrzeugen müssen sich die Fahrer auch schon mal drunterlegen. Der mitlaufende Disponent nimmt Augenkontakt zu Hindges auf, ein Nicken, eine angedeutete Drehung mit der Hand und Hindges holt mit zwei Runden ein paar Meter weiter klebrige Reste von der Fahrbahn.

Permanent hat der 53-Jährige den Bildschirm neben seinem Lenkrad dabei im Blick. „Ich muss sehen, wenn zum Beispiel etwas Großes wie eine Sektflasche nicht durchpasst und den Saugkorb anheben.“ Während er einen Fußgänger durchlässt, ergänzt er: „Das Kehren ist nicht das Problem. Man muss einfach höllisch auf die Leute aufpassen, die laufen von links nach rechts, ohne zu gucken.“ Die Menschen hätten „immer weniger Zeit“, sagt er und berichtet vom Winterdienst, „wenn die mit ihren Autos noch irgendwie die Fahrzeuge mit den Schneepflügen zu überholen versuchen“.

Ein Indianer-Häuptling winkt den Helfern in Orange lächelnd mit einem angedeuteten Helau. Nette Gesten gibt es immer wieder: „Wir werden auch schon mal zu Käsehäppchen oder Würstchen eingeladen. Es gibt sogar Leute, die schon auf uns warten, mit Kaffee und Mettbrötchen. Das ist toll.“