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Nach dem Ausmisten: Die Krefelder Kleidercontainer quellen über

Wirtschaft : Nach dem Ausmisten: Die Kleidercontainer quellen über

Viele Menschen spenden Kleidung, gleichzeitig brechen Absatzmärkte ob der Corona-Folgen zusammen.

„Schwierig“, so nennt Heinz Backes die momentane Situation auf dem Altkleidermarkt. Backes ist Diözesanvorsitzender der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Aachen und somit auch für Krefeld zuständig. Auch am Niederrhein sammelt der gemeinnützige KAB Altkleider – meist in Containern. Das System ist über Jahre bewährt. Doch nun gibt es gewaltige Probleme. Der Grund ist Corona, sagt Backes. Auf der einen Seite kommt deutlich mehr Kleidung an, auf der anderen Seite brechen Absatzmärkte zusammen. Backes erklärt die Problemkette.

Tatsächlich habe sich die Menge der gespendeten Kleidung zuletzt stark erhöht. Genaue Zahlen hat er nicht. Doch gefühlt seien es schon 25 Prozent mehr als sonst, sagt Backes. Seine Erklärung: „Vom Lockdown an bis heute haben die Menschen zu Hause Zeit und räumen den Kleiderschrank aus.“ Die Sammelcontainer an den Straßen quellen daher immer wieder über.

Kleidung neben dem
Container wird weggeworfen

„Teilweise liegen die Sachen sogar daneben“, sagt Backes. „Dann müssen wir sie wegschmeißen.“ Daran würden viele nicht denken, wenn sie ihre Kleidung neben den Container legen. Besonders ärgerlich: Auch anderer Unrat wie alte Bettgestelle und Matratzen stehen öfter an den Containern, so Backes. Dass das ein Problem ist, liegt auf der Hand.

Aber mehr Kleidung? Da müssten sich gemeinnützige Organisationen wie die KAB eigentlich freuen, oder? Backes widerspricht – zumindestens für Zeiten, die alles andere als normal seien.

Liefer- und Verwertungsketten sind ins Stocken geraten. Sortierbetriebe, die gespendete Kleidung sichten, hätten zwischenzeitlich nicht gearbeitet und seien nun teils in Kurzarbeit, so Backes. Dort stauen sich die Textilien aus den Containern. Auch auf den Märkten, auf denen die gebrauchte Kleidung normalerweise abgesetzt wird, gibt es ebenso Einschränkungen. Vieles geht normalerweise ins Ausland. Afrika, Polen, aber auch Russland zählt Backes auf. „Diese Märkte waren oder sind zu“, sagt Backes. Das liegt an geschlossenen Grenzen in Folge von Corona. In Kenia galt ab Ende März beispielsweise ein Importverbot von Second-Hand-Kleidung. Die Altkleider aus Deutschland kommen also nicht über die Grenze. Die kenianische Regierung begründet das Verbot mit gesundheitlichen Bedenken. Die Angst: Das Virus könnte über gebrauchte Kleidung ins Land kommen.

Kleidung in besonders gutem Zustand kommt meist von den Sortieranlagen in Second-Hand-Läden in Deutschland. Auch die mussten während des Lockdowns schließen, sodass einige von ihnen noch zu viel auf Lager haben, berichtet Backes. Zumindest läuft der Betrieb in diesen Geschäften langsam wieder an. Das berichtet auch die Caritas, die ebenso Altkleider in Krefeld sammelt. Sie vertreibt die abgegebenen Stücke im eigenen Laden an der Weyerhofstraße. Dort nehme die Zahl der gespendeten Teile wieder ab, teilt die Caritas mit. Daher nehme man gerne Kleidung an.

Backes hat eine Tipp für alle, die den Kleiderschrank noch ausmisten wollen. Er rät, zu differenzieren und bittet: „Geben Sie die beste Qualität an gemeinnützige Second-Hand-Läden hier.“ Damit gemeint seien Sachen, die man eigentlich noch ein paar Jahre tragen könnte, die modisch aber nicht mehr gefallen. Andere Teile sollten erstmal daheim aufbewahrt werden. Da bleibe abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt. Mit ein wenig Geduld könne man dann wieder viel Gutes bewirken, so Backes.