Musiktalente erforschen Burg Linn

Musiktalente erforschen Burg Linn

Die Teilnehmer des Kawai-Meisterkurses dürfen bei ihrem Rundgang auch auf den historischen Instrumenten im Konzertsaal spielen.

Die sieben Teilnehmer des diesjährigen Kawai-Meisterkurses haben die einmalige Möglichkeit geboten bekommen, auf einigen historischen Instrumenten der Burg Linn zu spielen. Unter der Führung von Gabriele Knoll wurde für die talentierten Musiker ein Sightseeing-Nachmittag durch ganz Linn veranstaltet, bei dem die altertümlichen Instrumente zum ersten Mal ausgestellt wurden. „Das ist eine ganz besondere Sache“, sagt Philipp Potz, der künstlerische Leiter von Kawai Europa, der bereits zum fünften Mal an der Führung teilnimmt.

Mit dabei ist auch Professorin Dina Yoffe, die in diesem Jahr als Dozentin des Kawai-Meisterkurses gewonnen werden konnte. Die jungen Teilnehmer kommen dabei aus Russland, Korea, Japan und der Ukraine, um von der bekannten Pianistin unterrichtet zu werden. Nach einer kurzen Einführung startet die Exkursion am Linner Heimatbrunnen. Den ersten Halt bilden die kräftigen Stadtmauern, die damals zum Schutz der Burg errichtet wurden. Als nächstes geht es weiter die lange Rheinbabenstraße entlang, auf der im Mittelalter noch Kutschen gefahren sind, bis hin zum Farmhaus, wo die Pferde früher gehalten wurden.

Die interessierten Teilnehmer erfahren außerdem, dass die zahlreich vorhandenen Barren an der Straße, die mittlerweile mit Blumen bestückt sind, damals zum Füttern der Tiere genutzt wurden. Nach der Betrachtung einiger Gebäude, die die Musiker aufgrund ihrer sichtbar altertümlichen Baukonstruktion in Erstaunen versetzen, geht es dann ins Innere der Burg Linn. Auch hier staunen die Teilnehmer nicht schlecht, als sie die Kanonenkugeln an der Burg entdecken, die damals noch abgefeuert wurden.

Anschließend wird der Konzertsaal der Burg betreten, den Gabriele Knoll als „schönsten Konzertsaal Krefelds“ vorstellt. Dina Yoffe zeigt sich sofort begeistert und würde am liebsten sofort dort spielen. Zunächst geht es allerdings weiter hinauf, wo der mehrere Meter tiefe Kerker des Turms ein weiteres Highlight der Exkursion darstellt. Oben angekommen kann dann die Aussicht über ganz Linn betrachtet werden. Natürlich muss da auch das eine oder andere Foto her.

Dann ist es aber soweit. Im Jagdhaus warten zahlreiche historische Instrumente auf die Piano-Talente. Nach einer kurzen Vorstellung jedes Instruments dürfen die Musiker ihrer Leidenschaft nachgehen und endlich spielen. „Die dürfen eigentlich nicht gespielt werden“, sagt Philipp Potz über die mehrere Jahrhunderte alten Instrumente, „aber wenn so talentierte Musiker hier sind, kann auch mal eine Ausnahme gemacht werden“. Zu den Instrumenten zählen ein Orchestrion, ein Pianola, eine Schwarzwälder Flötenuhr, Leierkästen, ein Orchestrophone und ein Symphodion.

Auch hier gibt es noch einen kleinen geschichtlichen Exkurs für die Teilnehmer. So hat das Pianola beispielsweise im Mittelalter nur in guten Haushalten gestanden, mit dem Zweck, die Frau an den Mann zu bringen. Das Besondere an dem Instrument: Das Pianola kann von selbst spielen, so dass die Frau nur so tun musste, als würde sie spielen, um den Mann zu beeindrucken. Zum Abschluss steht noch ein weiterer Rundgang durch das Jagdhaus an, wo es ebenfalls noch einige historische Instru-mente zu betrachten gibt. Spielbar sind diese allerdings nicht mehr.

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