Mit neuer Regisseurin probt die Bayer-Laienspielgruppe in neuen Räumen

Laientheater: Theater spielen mit Leidenschaft

Vor 60 Jahren gründeten Bayer-Azubis eine Laienspielgruppe. Carina Mischke hat jetzt die Regie übernommen.

Es war einmal: Wir schreiben das Jahr 1956, als die Laienspielgruppe der Bayer AG Uerdingen am 14. Dezember gegründet wird. Vor allem Auszubildende des Bayer-Werkes versammelten sich. Heute, nach mehr als 60 Jahren, kommen die rund 60 aktiven und passiven Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen. Im Jahr 2018 war es ruhig um die Gruppe — dafür wurde die Zeit genutzt, um in neue Räumlichkeiten zu ziehen und den Zusammenhalt zu stärken — ob durch den Stammtisch oder Radtouren.

Wolfram Viehweg war der erste schauspielerische Leiter

Wolfram Viehweg war der erste Leiter der Laienspielgruppe. Damals hatte er gerade sein Theaterstudium beendet. Schon zwei Jahre später trat Alfred Melchior in seine Fußstapfen. Von 1974 bis 2001 übernahm schließlich Margarete Rehfeld die Regie. Seit 1994 blieb die Regisseurin und Schauspielerin dem Theater auch aus ihrer Heimatstadt Darmstadt erhalten. Ihre Nachfolge trat Bernd Hoffmann an. Er war Schauspieler an den Städtischen Bühnen in Krefeld und Mönchengladbach. Zusammen mit ihm konnte die Truppe den Choreografen Frank Crossey dazugewinnen. Seit dem Tode von Hoffmann im Jahr 2010 stand Matthias Oelrich an der Spitze der Laienspielgruppe. Auch mit ihm hatte das Theater einen bekannten und regieerfahrenen Schauspieler gewonnen.

Im Februar ist die Regie an die 22-Jährige Carina Mischke übergeben worden. Zuvor leitete sie die Lebenshilfe-Theatergruppe „Hier ist was los“. Seit 2017 studiert die Krefelderin Schauspiel in Köln — und das nach ihren Worten mit jeder Menge Spaß: „Mir gefällt, dass man sich keine Gedanken darum machen muss, ob man komisch aussieht. Im Theater kann man sich ausprobieren und ist völlig frei.“

Schon damals gefielen ihr die Krefelder Weihnachtsmärchen und das Niveau der Schauspieler. Einer davon ist Roland Lipski (21) — zweiter Vorsitzender der Laienspielgruppe. Seit über zehn Jahren begeistert ihn die Bühne: „Man entkommt dem Alltagstrott. Im Theater wird man zu einer ganz anderen Person.“

Märchen bringen das Herz
der Truppe zum Schlagen

Der Spaß am Theaterspielen ist der ganzen Gruppe anzumerken. Bei den Aufwärmübungen, mit denen Mischke die Schauspieler dazu bringt, bestimmte Situationen darzustellen, wird es kreativ. Doch auch gemeinsame Aufführungselemente entstehen, als sie beispielsweise darstellen sollen, dass sie von reißendem Wasser fortgerissen werden. Auf einmal bildet sich eine Menschenkette und sie halten sich aneinander fest.

Märchen und Komödien, damit fing es an. Es brauchte jedoch nicht lange, bis sich die Theaterspieler ausschließlich auf kindgerechte Darstellungen von Märchenerzählungen fokussierte. Aschenputtel, Der Zauberer von Oz, Schneeweißchen und Rosenrot — die Liste der Stücke ist über die Jahre gewachsen. Bei solchen Stücken soll es auch bleiben: „Bei Kindergeschichten ist es leichter Spaß zu haben“, so Mischke, „man muss nicht immer etwas Neues erfinden — Altes ist auch gut.“

Eine weitere Veränderung brachte 1995 die Eigenständigkeit des Vereins mit sich: „Laienspielgruppe Bayer Uerdingen e.V.“, weiterhin gefördert von der Bayer AG. 60 Mitglieder zählt er heute. Vor und hinter der Bühne: Neben dem Theater spielen, organisieren die Mitglieder die Technik, Bühnenbild, Kostüme und Requisiten ebenfalls selbst.

Bis 1993 war die Theaterspielgruppe im Betriebsrestaurant des Bayer-Werkes, ab 1994 im Baytreff und seit kurzem zum Proben im Gemeindehaus Uerdingen und zum Aufführen in Rumeln-Kaldenhausen. Im Gegensatz zu vorher, bieten die neuen Räume nur noch Platz für 130 Zuschauer. Dennoch wird das Publikum den Krefelder Märchen vermutlich die Treue halten; schon jetzt haben sie ihre Vorfreude der Laienspielgruppe mitgeteilt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung