Mit einem Start-Stipendium zum Traumberuf Chirurgin

Mit einem Start-Stipendium zum Traumberuf Chirurgin

Schülerin mit Migrationshintergrund: Miray Türker bekommt Hilfe auf dem Weg zum Abitur.

Krefeld. Sie ist die Jüngste aus NRW, die einzige im Jahrgang 2000 und die erste vom Gymnasium am Moltkeplatz: Miray Türker, deren Eltern aus der Türkei stammen, ist Stipendiatin der Start-Stiftung. Und das bedeutet, dass sie bis zum Abitur materiell und ideell unterstützt wird.

So hat sie jetzt einen eigenen Laptop und Drucker, ein erstes Seminar besucht und Freunde unter ihren Mitstipendiaten gefunden. Deren Familien stammen aus dem Irak oder Iran, aus Albanien oder Afrika, aus Vietnam oder der Türkei — das Start-Stipendium geht ausdrücklich an Schüler mit Migrationshintergrund.

In der Gruppe der Stipendiaten fühlte Miray sich gleich wohl: „Jeder versteht die Probleme der anderen, und zwischen uns gab es sofort Zusammenhalt“, sagt die 14-Jährige. Sie spricht ausgezeichnetes Deutsch, ist anfangs scheu und am Ende des Gesprächs lacht sie sogar. „Meine Eltern haben sehr viel Wert darauf gelegt, dass mein Bruder und ich die Sprache beherrschen“, sagt sie, „und auch meine Patentante hat sich darum gekümmert.“

Ihr erstes Seminar bei der Start-Stiftung trug den Titel „Die Kraft der Sprache“. Miray: „Das hat mir bei meinen Referaten sehr geholfen, ich kann jetzt besser strukturieren.“ Alle Stipendiaten der Klasse 9 besuchen dieses Seminar; in Stufe 10, 11 und 12 wird es ein anderes Pflichtseminar pro Halbjahr sein. Außerdem können die Stipendiaten Wahlveranstaltungen besuchen. „Den ,Umgang mit dem Laptop’ brauche ich nicht“, sagt sie lächelnd, „ich würde gerne etwas Naturwissenschaftliches auswählen. Oder Theater.“ Mirays Lieblingsfächer am Moltke sind Englisch und Biologie, und einen klaren Berufswunsch hat sie längst: Sie möchte Chirurgin werden. Für das nächste Schuljahr erhofft sie sich einen Praktikumsplatz bei einem Internisten.

Krefeld. Mirays Klassenlehrer hat sie auf das Stipendium hingewiesen. Zusammen mit 600 anderen Schülern hat sie eine Kurzbewerbung abgegeben. Mit hundert anderen kam sie in die engere Auswahl und gehörte nach einem persönlichen Gespräch zu den 43 Neuen in NRW.

Aus allen Bundesländern hat die Stiftung in diesem Jahr etwa 150 Stipendiaten in ihr Programm aufgenommen. In Naumburg an der Saale haben sich alle Neuen getroffen, die NRW-Stipendiaten kommen regelmäßig in Neuss zusammen. Miray hat es geschafft, weil sie die Voraussetzungen erfüllt. „Sie hat sehr gute Noten“, sagt Schuldirektor Udo Rademacher. Sie ist fleißig und sie engagiert sich. Miray ist Baby-Sitterin, sie gibt Nachhilfe-Unterricht — „die meisten sind Grundschüler“ und sie ist ehrenamtliche Trainerin in der Handballgruppe ihrer Mathelehrerin.

Anfangs hat sie nur engen Freunden von dem Stipendium erzählt, mittlerweile wissen es viele Menschen: „Es gab nur positive Reaktionen“, sagt Miray Türker.

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