Mit dickem Maßnahmepaket will Krefeld die Klimaschutzziele erreichen

Klimaschutz : Mit 77 Ideen will die Stadt den Klimawandel in Krefeld mildern

Das umfangreiche Konzept ist im Umweltausschuss vorgestellt worden. Darin fehlt noch der Bereich Mobilität.

77 Maßnahmen beinhaltet bislang das Klimaschutzkonzept, mit dem Krefeld die Bundesregierung bei der Erreichung der Klimaschutzziele 2030 auf kommunaler Ebene unterstützen will. Das reicht von Einführung eines Klimaschutz-Controllings durch einen Klimaschutzmanager über das konsequente Freihalten von Frischluftschneisen vor Bauvorhaben, das Anlegen von „Pocket Parks“, Senkung von CO2-Emmissionen, dem Ausbau der städtischen Grünpflege bis hin zur Erstellung eines Hitzeaktionsplans beziehungsweise Warnsystems zum Erhalt der Gesundheit Krefelds Bewohner. Noch fehlt in dem Entwurf der Bereich Mobilität. Die Verwaltung hat am Dienstagabend im Umweltausschuss über den aktuellen Projektstand informiert und dazu das Eckpunktepapier der Bundesregierung ebenso vorgelegt wie den Entwurf für das kommunale Konzept „KrefeldKlima 2030“.

Treibhausgase reduzieren und Energie sparen. Das Klimaschutzkonzept soll der Stadt als „strategische Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe dienen“, heißt es aus dem Rathaus. Waren zunächst vorwiegend Maßnahmen gefragt, die den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren und die Energieeffizienz steigern, ist die „Anpassung an den Klimawandel“ als Handlungsfeld hinzugekommen. Das ist den inzwischen spürbaren Veränderungen des Klimas und deren Folgen in der Stadt ebenso geschuldet wie der jungen Umweltbewegung „Fridays for future“.

Unter Beteiligung vieler wichtiger Akteure der Verwaltung, der Stadtwerke, der Stadtreinigungsgesellschaft, Krefelder Unternehmen und der Bürger ist durch zwei externe Fachunternehmen unter der Dachmarke „KrefeldKlima 2030“ das Maßnahmenpaket erarbeitet worden. Ende des Jahres soll es fertig sein und dann auch noch das Handlungsfeld Mobilität abdecken. Das Leitbild für das Mobilitätskonzept 2030+ ist in der vergangenen Woche in der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse Bauen, Wohnen und Mobilitiät sowie Stadtplanung und Stadtsanierung mit einer Erweiterung beschlossen worden.

Die Stadt hat den „Klimanotfall“ ausgerufen. Alle aufgezählten Maßnahmen sind wichtig. Es können jedoch nicht alle Projekte gleichzeitig angegangen werden und sie haben unterschiedliche Auswirkungen. Daher wurde eine Priorisierung in Anlehnung an den Ratsbeschluss vom 4. Juli zum „Klimanotfall“ angewandt, die von Eins bis Drei reicht. Der besseren Übersicht wegen sind die Vorschläge in folgende Handlungsfelder aufgeteilt: Übergreifende Maßnahmen, Kommune als Vorbild, Bildung, Mobilität, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, Klimaanpassung sowie Aktivierung und Beteiligung der Krefelder Bevölkerung und Firmen. Was zunächst abstrakt klingt, wird konkret bei der Auflistung der zahlreichen Maßnahmen. Unsere Zeitung stellt einige davon exemplarisch vor.

Straßenbeleuchtung und Gebäude auf LED umstellen.  Durch ein systematisches Energiemanagement kann die Verwaltung durch Sanierung, Energieeffizienz und den Ausbau erneuerbarer Energien in ihren eigenen Liegenschaften mit gutem Beispiel voran gehen. Beispielsweise sollen alle Leuchtmittel in Gebäuden wie auch bei der Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt werden. Verbindliche Richtlinien im Hinblick auf Energiesparen und Klimaschutz sollen für Neubau und Gebäudesanierung festgeschrieben werden. Das wird schon für den Bau des neuen technischen Rathauses gelten. Der kommunale Fuhrpark soll auf emissionsarme Fahrzeuge umgestellt werden, neben Elektroautos sollen auch E-Bikes verstärkt angeschafft werden.

Kältestuben und Pocket Parks gegen Hitze. Die Auswirkungen des Klimawandels sind in Krefeld bereits in vielfacher Hinsicht spür- und sichtbar: absterbende Bäume, Verschwinden der biologischen Vielfalt, das Verlanden der Niepkuhlen – um nur wenige Beispiele aus diesem Sommer zu nennen. Es ist mit einer weiteren Zunahme an Hitze- und Trockenperioden sowie Starkregen- und Hochwasserereignissen in Zukunft zu rechnen. Deshalb ist eine „klimarobuste“ Gestaltung der Stadt ein vorrangiges Ziel des Klimaschutzkonzeptes.

Um Hitzewellen für empfindliche Bevölkerungsgruppen erträglicher zu machen, sollen in der Stadt Anlaufstellen geschaffen werden, die Erholung bieten. Das reicht von Kältestuben und kühlen sogenannten Pocket-Parks, kleine Grünräume in der Stadt (Beispiele im Internet unter https://bit.ly/33nOzrq), Trinkwasserspender am Straßenrand und Verschattung stark frequentierter Straßen durch Laubbäume und Sonnensegel.

Am weitreichendsten wird sich in den nächsten Jahren die Stadtentwicklung, das Bauen und die grüne Infrastruktur in Krefeld verändern. Entsprechend lang ist die Liste der Maßnahmen im Klimaschutzkonzept. Mit Hilfe einer zu erstellenden Klimaanalyse sollen zum Beispiel künftig Frischluftschneisen bei neuen Bauprojekten konsequent freigehalten werden und Klima angepasstes Bauen für Bauträger ebenso wie private Bauherren gefordert und gefördert werden. Vor allem die Versiegelung von Flächen soll eingedämmt werden, so dass wieder stärker Regenwasser im Erdreich versickern kann. Umweltfeindliche Schotterflächen in Vorgärten sollen durch ein Begrünungsgebot in Gestaltungssatzungen künftig verhindert werden. Und Entsiegelungsmaßnahmen sowie Dach- und Fassadenbegrünungen in einem viel stärkerem Maße als bislang gefördert werden. Längst ist wissenschaftlich bewiesen, dass durch Bäume und Grünanlagen die Temperaturen im Sommer in der Stadt gesenkt, Regenwassers aufgefangen und die Luft – und somit das gesamte Stadtklima – verbessert werden. Um die durch zunehmende Trockenheit gefährdeten städtischen Grünflächen, Bäume und das Straßenbegleitgrün zu erhalten, soll der Bereich Grünflächenunterhalt finanziell und personell aufgestockt werden.

Klimaschutzmanager soll Umsetzung gewährleisten. Damit die Klimaschutzmaßmaßnahmen in Krefeld umgesetzt werden könne, sollen finanzielle Mittel in den Haushalt eingestellt werden. Ein Klimaschutzmanager soll hauptverantwortlich die Umsetzung des Konzeptes betreuen und die Projektfortschritte und erreichten Ziele regelmäßig systematisch überprüfen. „Somit werden Öffentlichkeit und Politik kontinuierlich über den Fortschritt informiert und gleichzeitig wird erkennbar, wo noch verstärkter Handlungsbedarf besteht“, formuliert das Büro WertSicht die Aufgabe.

In Krefeld fehlt Wohnraum und in den nächsten Jahren werden etliche Bauvorhaben auf den Weg gebracht. Nach dem Klimaschutzkonzept werden bei der Aufstellung von Bauleitplänen und in Verhandlungen mit Investoren künftig die Themen Energie, Klimaschutz und Mobilität von Anfang stärker miteinbezogen, wie bei den Neubauvorhaben Fischeln-Südwest und Kütterheide mit Gestaltungssatzung bereits begonne. Etliche der Maßnahmen im Klimaschutzkonzept sind kurz- bis mittelfristig umzusetzen, andere erst langfristig. Sicher aber ist, dass das Konzept das Leben in Krefeld spürbar verändern wird.

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