Mit dem Bahnhof geht’s voran

Mit dem Bahnhof geht’s voran

Die Gesamtschule, der Supermarkt in Oppum und Lärmschutz in Linn — das sind Herausforderungen, die Bezirksvorsteher Hansjürgen Tacken für 2018 sieht.

Oppum/Linn. Hansjürgen Tacken hat sich Stichworte aufgeschrieben: Die neue Gesamtschule in Oppum, der Ausbau der A 57 und Lärmschutz in Linn oder der auf dem Oppumer Festplatz geplante Supermarkt stehen auf seinen Karteikärtchen. Bei zwei Stadtteilen, die so unterschiedlich sind, kann auch einem Bezirksvorsteher schon mal etwas durchgehen. Mit der WZ blickt der „Herr“ über Oppum und Linn auf 2018 und die Herausforderungen in diesem Jahr.

Foto: Dirk Jochmann

Herr Tacken, was ist das Wichtigste, das in 2018 für die Stadtteile ansteht?

Hansjürgen Tacken: Die Linner beschäftigt der Ausbau der A 57 sehr, weil sie mehr Lärm befürchten. Der Streckenabschnitt zwischen Meerbusch und Oppum ist bereits verabschiedet. Der Ausbau wird in diesem Jahr losgehen. Für den Abschnitt von Oppum bis zur Ausfahrt Krefeld-Zentrum gibt es im Sommer ein Planfeststellungsverfahren. Ein Mitarbeiter von Straßen NRW wird bei der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung im März noch mal die Planungen vorstellen — ich fürchte aber, dass es für die Linner keine weiteren Zugeständnisse gibt. Die nächsten Häuser sind mehr als 600 Meter von der Autobahn entfernt, der Gesetzgeber sieht dafür keine Lärmschutzwände vor — das ist Fakt.

Und wo sehen Sie den Schwerpunkt für Oppum?

Tacken: Das ist auch in diesem Jahr wieder der Ausbau der Gesamtschule, der geht ja im Herbst erst richtig los. Die größte Herausforderung sehe ich darin, am Standort aus einer Realschule mit 500 Schülern in kurzer Zeit eine Gesamtschule zu machen, die am Ende mehr als 1000 Schüler besuchen sollen. Erste Schwierigkeiten mit Helikoptereltern, die ihre Kinder am liebsten bis ins Klassenzimmer fahren wollen, gibt es schon jetzt. Da sind die Straßen häufig schon frühmorgens verstopft. Wenn im Herbst der dreigeschossige Neubau mit Aula, Mensa und den Räumen für die musischen Fächer kommt, wird es dort durch Absperrungen und Bauarbeiten sicher noch größere Verkehrsprobleme geben.

Zwei Jahrgänge besuchen inzwischen die neue Gesamtschule. Wie entwickelt sie sich?

Tacken: Sehr gut. Es kommen Schüler nicht nur aus Oppum und Linn, auch aus Fischeln werden immer mehr Kinder angemeldet. Die geplante Zahl von 1200 Schülern werden wir, wenn alle Jahrgänge da sind, sicher erreichen.

Die Aufzüge im Oppumer Bahnhof funktionieren seit einiger Zeit — nach langem Hin und Her. Was muss dort sonst noch gemacht werden?

Tacken: Der Bahnhof ist nach großen zeitlichen Verzögerungen jetzt gut und barrierefrei nutzbar. Die Bahn hat es bislang aber nicht geschafft, dort eine Überwachungsanlage zu installieren. Dass die dringend notwendig ist, zeigen Vandalismus und die Schmierereien an den Wänden. Die Nordseite des Bahnhofs ist fertig, für die südliche Seite steht die Planung für die neue Pflasterung an. Bänke sollen ab Frühjahr für mehr Aufenthaltsqualität sorgen. Die Vergabe für die Arbeiten ist bereits erfolgt.

Wie entwickelt sich der Hafen in Linn als Wirtschaftsstandort?

Tacken: Der Hafen wird gerade in den vergangenen Jahren immer häufiger genutzt und hat auch eine ganze Menge Arbeitsplätze in und für Krefeld geschaffen. Gerade über Logistiker wird ja häufig geschimpft, weil sie auf großer Fläche nur wenig Personal brauchen. Man sollte den Hafen als Wirtschaftsstandort nicht unterschätzen. Auch, weil man dort alternativ zur Autobahn viel Lagerkapazität aufs Wasser verlegen kann. Mit der Ansiedlung von Amazon im vergangenen Jahr wird der Standort sicher noch mal einen Aufschwung erleben.

Wie geht’s mit dem geplanten Supermarkt auf dem Oppumer Festplatz voran?

Tacken: Der Stadt liegen Angebote von sechs Investoren vor, mit denen sie sich derzeit beschäftigt. Ich denke, dass, wenn alles gut läuft, in diesem Jahr zumindest der Vertrag ausgehandelt werden kann. Dass in diesem Jahr noch gebaut wird, halte ich für eher unwahrscheinlich.

Sie waren ja anfangs kein Befürworter der Supermarkt-Pläne auf dem Festplatz.

Tacken: Ich war sehr skeptisch, weil auf dem Festplatz regelmäßig das Schützenfest oder die Oppumer Oldie Night gefeiert werden, er ist Pendler-Parkplatz, das Osterfeuer findet hier statt. Wie dringend Oppum wirklich einen Supermarkt braucht, darüber kann man streiten, aber zumindest für diejenigen Bürger, die zentral leben, ist er sehr wichtig. Nach aktuellem Planungsstand wird der Festplatzcharakter nicht verloren gehen, die Anbindung insbesondere an die Buddestraße wird verbessert. Unter diesen Bedingungen habe ich kein Problem damit, wenn ein Supermarkt näher in Oppums Zentrum rückt.

Lang haben die Linner für ihr Bürgerbüro gekämpft, seit Herbst öffnet es wieder im Textilmuseum. Wann zieht das Bürgerbüro in Oppum um?

Tacken: Die alte Geschäftsstelle an der Hochfelder Straße schließt Ende Februar. Das neue barrierefreie Bürgerbüro im Gebäude der Wohnstätte Ecke Werkstättenstraße/Maibachstraße gegenüber des Bahnhofs soll dann Anfang März an den Start gehen. Noch ein paar Worte zum Bürgerservice in Linn: Endlich! Derzeit wird das Angebot gut angenommen. Mein Appell an die Bürger ist aber, es bitte weiterhin so regelmäßig zu nutzen — sonst bleibt es nicht auf Dauer, das ist meine große Sorge.

Wann kann man mit dem Fahrrad über die Krefelder Promenade von Linn nach Oppum fahren?

Tacken: Bis die Promenade beide Stadtteile verbindet, vergehen noch Jahre. Aber: In Oppum geht es in diesem Jahr los, der Streckenabschnitt zwischen Hauptfeuerwache und Trift wird als erster gebaut, darauf bin ich richtig stolz. Mitte des Jahres soll es losgehen und könnte Mitte, Ende 2019 fertig sein. Der zweite Abschnitt geht dann bis Hausbend an die Ortsgrenze nach Linn, der soll bis 2020 fertig sein. Wenn wir es bis 2025 bis nach Uerdingen schaffen, können wir uns auf die Schulter klopfen.

Viel Ärger, sogar eine Demo gab es wegen der inzwischen aufgestellten Werbetafel an der Untergath. Sie haben an diesem Tag den Linner Weihnachtsmarkt eröffnet — die richtige Entscheidung?

Tacken: Ich bin kein Fan der Werbetafel, für mich hätte sie keiner aufbauen müssen — das habe ich immer so gesagt. Aber ich kann als Chef der BZV keine Entscheidung darüber treffen, das ist nicht unsere Baustelle. Bei der Eröffnung des Linner Weihnachtsmarkts war ich als Bezirksvorsteher gefragt, gegen die Werbetafel kann ich mich nur privat einsetzen.

Wo sehen Sie in Oppum und Linn größere Baustellen?

Tacken: Es gibt in beiden Stadtteilen genug zu tun, etwa im Bereich Sanierung maroder Straßen: die Hauptstraße in Oppum kann nach neuesten Informationen wegen Vollsperrung bei den Bauarbeiten mit weiträumiger Umleitung erst während der Sommerferien in Stand gesetzt werden, die Kurkölner Straße, Korekamp und einige kleinere Straßen, aber auch Radwege und Bürgersteige sind nicht nur durch Frostaufbrüche in schlechtem Zustand und deshalb reparaturbedürftig.

Wie bringen Sie zwei Stadtteile, die so unterschiedlich sind, künftig unter einen Hut?

Tacken: Das ist schwierig: Oppum ist von der Bahn bestimmt und industriell geprägt. Hier passiert durch den Bahnhof und die neue Gesamtschule schon eine Menge. Linn dagegen ist ein museales Städtchen, das im Mittelalter stehengeblieben zu sein scheint. Hier muss man immer wieder schauen, dass die Burg und die Altstadt, die viele Besucher anziehen, ihren mittelalterlichen Charme bewahren. Dazu gehört auch, notwendige Straßensanierungen im Altstadtkern im Auge zu behalten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung