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Mit 100 mitten im Geschehen

Mit 100 mitten im Geschehen

Anna Kretschmer ist auch im hohen Alter vielseitig interessiert.

Anna Kretschmer hat gestern ihr 100. Lebensjahr vollendet. Sie wurde in Oppum geboren und verbrachte dort mit ihrem Bruder eine glückliche Kindheit. Nach der Volksschule begann Kretschmer eine Lehre als Einzelhandelskauffrau bei der Firma C. F. Beck am Schinkenplatz. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie von Februar 1941 bis August 1945 als Nachrichtenhelferin des Heeres notdienstverpflichtet und kam in Polen und Italien zum Einsatz. In dieser prägenden wie auch schmerzvollen Zeit schloss Anna Kretschmer sehr langwährende Freundschaften. Im Jahr 1943 heiratete sie Wilhelm Hölters, der jedoch 1944 im Krieg fiel.

Zum Kriegsende geriet Kretschmer für drei Monate in amerikanische Gefangenschaft in Modena und wurde von dort in die englische Zone zu den Eltern nach Oppum entlassen. Wieder in Krefeld arbeitete Anna Kretschmer in Heimarbeit unter anderem als Schneiderin und Büglerin. Im Oktober 1947 heiratete sie Kurt Kretschmer, der im September 1957 durch einen Motorradunfall ums Leben kam. Von 1955 bis 1960 arbeitete sie als Schaffnerin bei der damaligen Krevag und anschließend als Bürokraft im Ersatzteildepot der Bundeswehr in der Fabrik Heeder. Von 1967 bis 1987 war Kretschmer als Verwaltungsangestellte beim Finanzamt Krefeld beschäftigt.

In ihrer Freizeit hat sich Anna Kretschmer besonders mit Seidenmalerei und Patchwork beschäftigt. Sie ging gerne zum Kegeln und verreiste oft. Bis Juni 2009 lebte sie noch in der eigenen Wohnung, zog dann in eine Wohnanlage mit Betreuung. Seit April 2013 lebt sie im Altenheim, wo sie ihr Adoptivsohn mit betreut. Die Seniorin interessiert sich sehr für das Tagesgeschehen auch in der Politik und studiert seit vielen Jahren täglich ausgiebig die Tageszeitung.

Trotz vieler Schicksalsschläge ist sie lebensbejahend, aufgeschlossen, kontaktfreudig und weltoffen. Ihr hohes Alter führt sie zurück auf die seit 1965 regelmäßigen Kur-Aufenthalte in Senftenberg/Österreich — oder auf die Gene des Vaters, der 96 Jahre geworden war. Die Glückwünsche für die Stadt Krefeld überbrachte Bürgermeisterin Karin Meincke. Red