Miss Happy Curvy - Bianca Hoffmann ist dabei

Gesellschaft: Kilos, Kurven und total happy

Bianca Hoffmann macht Frauen mit Übergröße Mut – und bei einer Model-Wahl mit.

Kleidergröße 46 bis 48 und Kompressionsstrümpfe. Bianca Hoffmann hat keine Lust sich deswegen zu verstecken – und auch gar keinen Grund dazu. „Ich trage gerne Röcke und Kleider.“ Und das mit ganz viel Selbstbewusstsein. Ihr Stil? „Eine Mischung aus leger und chic, farbenfroh und frech, pfiffig – obwohl ich das Wort eigentlich nicht so mag.“ Die Uerdingerin studiert im Master Textile Produkte mit Schwerpunkt Design an der Hochschule Niederrhein und macht im Mai bei der Wahl zur „Miss Happy Curvy“ in Stuttgart mit.

Das Wort happy ist Bianca Hoffmann besonders wichtig. Ihren Körper musste die 25-Jährige erstmal selbst lieben lernen, um glücklich zu sein. Die Studentin leidet an Lipödem, einer schmerzhaften Fettverteilungsstörung, von der Arme und Beine betroffen sind, die aber als Krankheit noch immer kaum bekannt ist. Jede zehnte Frau sei betroffen, etwa vier Millionen in Deutschland, viele ohne Diagnose, sagt Hoffmann. Auch bei ihr sei die Krankheit erst vor vier oder fünf Jahren erkannt worden, dabei habe sie schon als Neunjährige Druckschmerzen an den Armen und Beinen gehabt, erinnert sie sich. „Schlimm wurde es in der Pubertät, man vermutet, weil sich dann hormonell so viel im Körper verändert.“

Vier OPs, 23,5 Liter Fettgewebe und weniger Schmerzen

Vier Operationen hat die junge Frau bereits hinter sich, zahlen musste sie selbst dafür, da die Krankenkassen die Kosten dafür bisher nicht übernehmen. 23,5 Liter Fettgewebe hat sie dabei verloren – und damit auch jede Menge Gewicht. „Mir war es wichtig, weniger Schmerzen zu haben, das sehen viele Leute gar nicht. Die denken nur, man futtert zu viel“, darüber ärgert sich die 25-Jährige. Völlig schmerzfrei sei sie auch trotz der Operationen nicht, die Kompressionsstrümpfe helfen aber dabei, den Druck in den Beinen zu lindern. „Es gibt ja inzwischen nicht nur bloß hautfarbene, sondern auch welche in modischen Farben, oder schwarz.“

Generell sei es nicht immer so leicht, im Alltag etwas Schönes in Übergröße zu finden, ist Bianca Hoffmanns Erfahrung. „Man sucht doch schon länger, es wird zwar schon langsam etwas modischer für große Größen, aber da ist noch viel Luft nach oben – gerade auch für mich als Designerin in der Bekleidungsindustrie.“ Auch deshalb hat sie im Rahmen ihrer Bachelorarbeit eine Kollektion für Frauen mit Lipödem entworfen. „Ich sehe es als meine Aufgabe, von meiner Krankheit zu erzählen und anderen Frauen Mut zu machen.“

Authentizität als erster Schritt
zur Selbstliebe

Auch deshalb war für Bianca Hoffmann sofort klar, dass sie bei der Wahl zur „Miss Happy Curvy“ dabei sein will: „Dieser Gedanke, anderen Body-Positivity zu vermitteln, aber auch andere kurvige Frauen kennenzulernen, die sich in ihrem Körper wohlfühlen, darauf freue ich mich.“ Dabei, mit ihrem Körper zufrieden zu sein und ihn so, mit allen Kilos und Kurven zu akzeptieren, wie er ist, habe ihr auch der Gedanke geholfen, „nur bedingt Einfluss auf Dinge zu haben“. Selbstliebe sei viel wichtiger, als ein paar Kilos. „Ich bin heute authentischer, positiver und glücklicher. Und so wirke ich auch auf andere“, sagt die 25-Jährige.

Und schlechte Tage? Die gibt es auch, dazu steht Bianca Hoffmann, genauso wie zu ihren Rundungen. „Dann stelle ich mich vor den Spiegel und versuche mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich besonders gut an mir finde: meine Augen und ich bin ein großer Fan meiner Haare.“ Selbstliebe zu empfinden, das gehe nicht von heute auf morgen – aber letztlich müsse man ein ganzes Leben mit seinem Körper verbringen. In einer Medienwelt, in der vielen jungen Menschen durch Sende-Formate wie „Germany’s next Topmodel“ vermeintliche Schönheitsideale suggeriert werden, empfindet die 25-Jährige heute keinen Neid: „Hauptsache man ist gesund, da darf jeder sein wie er will“, sagt sie. „Man sollte sich auf das Besinnen, was man hat und sich nicht verstellen. Wenn man sich selbst liebt, so wie man ist, dann kann man auch anderen viel mehr gönnen.“

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