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Mieten in Krefeld steigen nur moderat

Wirtschaft : Mieten in Krefeld steigen nur langsam

Knapp zehn Euro pro Quadratmeter Kaltmiete in Neubauten sind möglich, aber im Wohnungsbestand sind es meist rund sechs Euro.

Wer sich mit Wohnungsmieten beschäftigt, hört seit langem immer nur die gleiche Nachricht: die Mieten steigen und steigen. Tatsächlich bestätigt sich dieser Trend beim Blick auf die Angebote in Zeitungen oder Portalen im Netz.

Seit etwa zehn Jahren klettern zwar die Löhne und Gehälter in Deutschland. Doch die Mieten für neue Verträge wachsen noch schneller. Während die Einkommen im Jahr im Schnitt um 2,5 Prozent zulegen konnten, kletterten die Mieten bei Erst- oder Wiedervermietung um das Doppelte. In Metropolen wie Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, München oder Düsseldorf ging die Schere noch weiter auseinander. Dort muss etwa die Hälfte der Haushalte ein Drittel oder mehr des verfügbaren Einkommens für die Kaltmiete ausgeben.

Eine Analyse des Immobilienportals Immowelt zeigt, dass sich daran durch die Coronakrise im Grundsatz nichts verändert hat. Zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 sind die Mieten in 57 von 81 untersuchten Städten demnach weiter geklettert. In der Spitze um bis zu zwölf Prozent. Mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 17,30 Euro erreichen die Mieten in München einen Höchstwert. So viel kostet das Wohnen in keiner anderen Großstadt der Republik.

Fast 4000 Wohnungen stehen leer, vor allem in der Innenstadt

Krefeld ist von solchen Preisen sehr weit entfernt. Nach Angaben des Eigentümerverbandes Haus & Grund lagen die Mietsteigerungen in den vergangenen Jahren jährlich unter einem Prozent.

Geschäftsführer Michael Heß räumt allerdings ein, dass es bei der Erstvermietung von Wohnungen in Neubauten größere Zuwächse gegeben habe. Kaltmieten von knapp unter zehn Euro je Quadratmeter werden demnach verlangt und auch bezahlt. Zum Vergleich schaut er auf Düsseldorf, wo 18 bis 20 Euro üblich seien.

Bei den Bestandsmieten geht Heß von sechs bis sieben Euro aus. Dort seien die Zuwächse seit Jahren sehr moderat.

Große Sorgen bereitet dem Vertreter von Haus & Grund in Sachen Wohnungsmarkt der unverändert hohe Leerstand in Krefeld. Heß verweist auf die jüngsten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2018: Demnach gibt es in der Seidenstadt zwar 123 541 Wohnungen, aber nur 119 589 Haushalte. Das bedeutet: fast 4000 Wohnungen stehen leer.

„Auch wenn sich nicht alle diese Wohnungen in einem vermietbaren Zustand befinden, so ist diese Reserve doch eindeutig zu hoch“, meint Heß. Die Stadt müsse ihre Bemühungen verstärken, den insbesondere in der Innenstadt großen Leerstand zu verringern.

Wohnstätte-Mieter zahlen im Schnitt 5,70 Euro je Quadratmeter

Er regt eine noch intensivere Quartiersarbeit an. Es gelte, die Eigentümer anzusprechen und ihnen Angebote zu machen, ihnen Perspektiven aufzuzeigen, warum Investitionen in Wohnimmobilien lohnend seien. „Die Stadt braucht an der Stelle Kümmerer“, so Heß.

Einen großen Leerstand gibt es im Bestand der Wohnstätte nicht. Thomas Siegert, Chef der Stadttochter, geht von unter einem Prozent aus. Mit 8869 Wohnungen ist die Wohnstätte der mit Abstand größte Vermieter in Krefeld. Die Durchschnittsmiete lag Ende des vergangenen Jahres bei 5,70 Euro kalt je Quadratmeter. Seit 2015 (5,22 Euro) hat es nur eine geringfügige Steigerung gegeben.

Der Fokus der Wohnstätte liegt auf dem öffentlich geförderten Wohnraum. Nur so ist zu erklären, dass rund 80 Prozent des Bestandes eine Kaltmiete von unter sechs Euro haben. Bei den frei finanzierten Angeboten der Wohnstätte sind es neun Euro je Quadratmeter. „Um unsere Mieter in der Corona-Krise zu entlasten, haben wir seit März auf mögliche Anpassungen an die ortsübliche Vergleichsmiete verzichtet“, so Siegert.

Um den Anstieg bei bestehenden und künftigen Mieten zu dämpfen, hat die große Koalition die Basis für die Mietspiegel der Städte und Gemeinden verändert. Der Betrachtungszeitraum für die ortsübliche Vergleichsmiete wurde von vier auf sechs Jahre erhöht. Diese gesetzliche Grundlage gilt seit Anfang des Jahres.

Ziel des Gesetzes ist, die Auswirkungen kurzfristiger Schwankungen des Mietwohnungsmarktes auf die Vergleichsmiete zu verringern und den Anstieg der Mieten zu verlangsamen. Neben Mieterhöhungen in laufenden Mietverhältnissen ist auch die Mietpreisbremse für neu abgeschlossene Mietverträge an die Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete gekoppelt.