Interface-Firmenzentrale: Mies’ Enkel zu Gast im Mies-van-der-Rohe-Park

Interface-Firmenzentrale : Mies’ Enkel zu Gast im Mies-van-der-Rohe-Park

Dirk Lohan war Festredner bei der Eröffnung der Interface-Firmenzentrale. Er sah erstmals in Natura das Firmengebäude des Großvaters.

Krefeld. Bis Donnerstag kannte der bekannte amerikanische Architekt Dirk Lohan das einst von Mies van der Rohe gebaute Fabrik- und Verwaltungsgebäude für die Verseidag nur aus Büchern. Das ist schon eine Besonderheit, schließlich war es sein Großvater, der für die Seidenfabrikanten Josef Esters und Hermann Lange von 1931 bis 1935 dieses einmalige Ensemble an der Girmesgath entworfen hat. „Das einzige Industriegebäude, das er je gebaut hat“, erklärt Dirk Lohan. Am Mittag aus Berlin angereist, war er prominenter Gast und Festredner bei der Eröffnung des Interface Living Workplace im Mies-van-der-Rohe-Businesspark.

Interface ist der weltweit führende Hersteller von Teppichfliesen. Die deutsche Tochter des US-Konzerns hat seit 1988 seinen Stammsitz in Krefeld. „Ein klares Bekenntnis zum Textil-Standort Krefeld“, sagt Nils Rödenbeck, deutscher Vertriebsleiter. Vor zwei Jahren fiel die Entscheidung, sich zu verändern und innerhalb Krefelds umziehen zu wollen.

„Für uns war es eine Entdeckung, dass dieser Campus von Mies van der Rohe gebaut worden ist. Ihn und das Bauhaus kennt man auch in den USA. Das war für uns wie ein 6er im Lotto“, sagt Rödenbeck.

Dabei spielt es keine Rolle, dass das neue Domizil, das einstige Pförtner- und Speditionshaus auf dem Gelände, nicht von Mies persönlich, sondern von seinem Schüler Erich Holthoff, gebaut wurde. Es trägt dieselbe Handschrift.

Davon war bis vor einigen Monaten jedoch nicht mehr viel zu sehen. Zuletzt hatte die Betriebskrankenkasse dort ihren Sitz und von der für Mies typischen offenen Architektur war bei eingezogenen Wänden nichts mehr zu sehen. „In Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde haben wir besprochen, wie wir das Gebäude in eine sinnvolle Nutzung zurückbringen können“, erzählt Rödenbeck. Vor allem stellte sich für Interface die Frage, wie man das Erdgeschoss wieder öffnen und das bis dahin fensterlose Untergeschoss nutzen könne. Letztendlich ist das Souterrain zur Südseite hin durch einen Bodenaushub und neue Fenster jetzt taghell.

Nicht nur der Architektur schenkte Lohan seine besondere Aufmerksamkeit. Auch das Konzept des „Aktiven Büros“ fand seine volle Zustimmung. Die neuen Arbeitsplätze werden von allen genutzt, echte Pflanzen und eine Wasserwand sorgen für ein gutes Raumklima. Wandschlag-Polster an den Wänden und Turner-Ringe an den Decken sorgen durch Boxen und Strecken für Entspannung der Mitarbeiter und jeder Tisch ist in seiner Höhe vom Sitzplatz in einen Stehplatz zu verwandeln. Das amerikanische Unternehmen Apple ist Vorbild darin.

Ein großes Kompliment gab es von Lohan auch für den Unternehmergeist von Reiner Leendertz, der das Areal einschließlich der Gebäude gekauft hat und sie Zug um Zug saniert. „Wenn ich mein deutsches Büro aufmache, komme ich hierher“, erklärt Lohan.

Mehr von Westdeutsche Zeitung