„Merkel weint Grokodilstränen“

„Merkel weint Grokodilstränen“

Politiker bekommen beim traditionellen „Kabarettistischen Aschermittwoch“ ihr Fett weg.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ gilt nicht für Frohsinn und Satire. Das stellt das Podio beim traditionellen „Kabarettistischen Aschermittwoch“ im Saal Gietz in Fischeln nun schon zum fünften Mal unter Beweis. Während bei den Veranstaltungen der Parteien zum politischen Aschermittwoch die konkurrierenden Parteien angegriffen werden, bekommt von den Kabarettisten die gesamte Politik ihr Fett weg oder, mit Andrea Nahles zu sprechen, „was in die Fresse“.

Rüdiger Höfken bedauert in seiner Begrüßung, dass die eingeladenen Prominenten verhindert sind: Christian Lindner sei in Jamaika, Angela Merkel weine Grokodilstränen in der Uckermark, und Peter Altmeier sei geplatzt. Zunächst nimmt Helmut Höffken (Doctor Humoris Causa 2013) als Advokat Krefelds Innenstadt liebevoll kritisch und witzig unter die Lupe: „Krefeld bewirbt sich als Schlagloch- Weltkulturerbe“ und das alte Stadtbad als „Swingerclub“.

Benjamin Eisenberg holt in Ausschnitten aus seinem neuen Programm „Pointen aus Stahl“ dann zum kabarettistischen Rundumschlag aus. Medien, Politik, Wirtschaft, Demokratiefeinde oder ganz banale Alltagsidioten — der Bottroper Polit-Kabarettist versetzt allen einen Hieb, die es verdient haben. Dabei hält Eisenberg jedoch die Waage zwischen subtilen Spitzen und hammerharten Gags. Seine Analyse des Zeitgeschehens ist kritisch, aber trotzdem witzig, und auch Parodien bekannter Persönlichkeiten befinden sich in seinem satirischen Werkzeugkasten. Trump, Erdogan, Schulz, Merkel und die AfD müssen unter seinen komödiantisch-kabarettistischen Pointen leiden, sehr zum Vergnügen des Publikums im wieder einmal ausverkauften Saal Gietz.

Philipp Weber aus Tübingen, der Kabarettist, Autor und Verbraucherschützer — wie er sich selbst nennt —, nimmt das Thema Marketing aufs Korn. Für ihn vernebelt Marketing den Verstand des Menschen und regt seine wichtigsten Sinne an: den Blödsinn, den Wahnsinn und den Irrsinn. Dabei werden ziemlich miese Tricks ausgepackt, ohne dass wir es merken. In seiner „Bedürfnispyramide geht die Unzufriedenheit los, sobald die Bedürfnisse auf einer unteren Ebene befriedigt sind“. Die Frage ist: Wer schützt uns davor? Ganz klar: Philipp Weber. Sein neues Kabarettprogramm „Weber N 5: Ich liebe ihn!“ ist ein feuriger Schutzwall gegen jegliche Versuche der Manipulation. Das Publikum hat Tränen in den Augen vor Lachen bei seinem mit viel Wortwitz vorgetragen Nonsens.

Bewaffnet mit losem Mundwerk und Gitarre ist den Hengstmann-Brüdern aus Magdeburg alles heilig, worüber man sich lustig machen kann, vor allem in den oberen Niederungen der Politik. Für sie ist „Schulz als Tiger losgegangen und als Bettvorleger gelandet“, und „Merkel hat noch nie jemanden enttäuscht, weil ihr noch nie jemand was zugetraut hat“. Ihr Loblied auf die Groko zu „You’re My Heart, You’re My Soul“ von Modern Talking setzt den Schlusspunkt unter eine kabarettistische Revue der Extraklasse.

Mehr von Westdeutsche Zeitung