Meinung: Laternenfest? Ja, genau das ist es

St. Martin : Laternenfest? Ja, genau das ist es

Für die Innenstadt ist diese Woche ein Fest angekündigt worden, das für intensive Diskussionen gesorgt hat. Der Versuch einer Klärung.

Unsere Redaktion hat am Anfang der Woche eine E-Mail erhalten, die zu einem guten Austausch geführt hat. Ein Leser schrieb uns, dass er Plakate in der Stadt gesehen hat, die auf ein Laternenfest am 2. und 3. November hinweisen, zu dem auch ein St. Martin kommt. Der Leser schrieb, dass er keiner Religionsgemeinschaft und keiner Partei angehört und Neuem auch immer aufgeschlossen gegenüber stehe. Dennoch bedauerte er, dass die Tradition des Martinszuges eingestellt wurde. Das war eine Meinung, die gut begründet war und die wir absolut respektieren.

Auf der Facebook-Seite zum Laternenfest kamen bis Freitag rund 300 Kommentare zusammen. Ausgangspunkt der Debatte dort waren die Nutzer, die den Titel Laternenfest mit dem Untergang des Abendlandes verknüpften und zum Boykott der Innenstadt an den Tagen des Festes aufriefen. Auch das waren Meinungen, die die Meinungsfreiheit ermöglicht. Sie waren allerdings sehr erkennbar getragen von dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und nach politischem Einfluss — und nicht von dem Gedanken, Meinungen auszutauschen und andere gleichberechtigt zu akzeptieren.

Die dritte Position ist die der Initiatoren, Katholikenrat und Werbegemeinschaft. Sie bedauern, dass der Martinszug in der Innenstadt vor wenigen Jahren eingestellt wurde. Sie starten deshalb einen ersten Versuch, wieder ein Fest in diesem Sinne zu organisieren. Sie fangen bewusst klein an, weil sie nach der erwähnten Absage nicht wissen, ob es ein Interesse gibt und wie groß es ist. Sie haben für Samstag alle auf den Dionysiusplatz eingeladen, auf den auch ein St. Martin kommt. Und sie haben für den Sonntag eine Laternenprämierung geplant. Da an dem Sonntag auch die Geschäfte geöffnet sind, haben sie bewusst darauf verzichtet, den Handel mit St. Martin zu verknüpfen und haben das Fest Laternenfest genannt, weil es genau das ist.

Der Versuch einer Klärung: Es ist schön, dass es Menschen in Krefeld gibt, die versuchen, für den 2. und 3. November etwas Nettes in der Innenstadt auf die Beine zu stellen. Wenn die Idee aufgeht, erleben wir einen Platz, der vom Licht der Laternen erfüllt ist und auf dem viele Krefelder Familien zusammenkommen, sowie am nächsten Tag eine Prämierung mit vielen schönen Laternen.

Es ist absolut nachvollziehbar, dass sich Krefelder sorgen, wenn liebgewonnene Traditionen verschwinden. Es ist allerdings bedauerlich, wenn andere diese Sorge instrumentalisieren, um Stimmung zu machen und davon politisch zu profitieren. Die Argumentation dieser Stimmungsmacher geht auch nicht auf. Wenn man etwas für die Tradition tun möchte, sollte man die Innenstadt nicht boykottieren, sondern die Idee unterstützen. Denn dann kann daraus
wieder mehr erwachsen, zum Beispiel ein Martinszug in der Innenstadt.

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