Grünes Krefeld Eine strengere Satzung zum Schutz der Krefelder Bäume

Krefeld · Nach 20 Jahren legt die Verwaltung eine dem Klimawandel geschuldete Fortschreibung vor. Danach sind mehr Bäume künftig geschützt, müssen Nachpflanzungen dauerhaft gepflegt werden und Tiefbauunternehmen behutsamer nahe Bäumen arbeiten.

Wie hier an der Hohenzollernstraße hat der KBK gefällte Bäume nachgepflanzt. Doch bei der Anzahl kranker Bäume kommt er kaum nach.

Wie hier an der Hohenzollernstraße hat der KBK gefällte Bäume nachgepflanzt. Doch bei der Anzahl kranker Bäume kommt er kaum nach.

Foto: Jochmann, Dirk (dj)

Eine hohe Bedeutung kommt dem Schutz des hiesigen Baumbestandes zum Erhalt oder gar zur Verbesserung des Mikroklimas im Krefelder Stadtgebiet zu. Zumal durch Klimaveränderung, Temperaturanstieg, zunehmender Trockenheit und der damit einhergehende Schädlings- und Krankheitsbefall in den vergangenen Jahren die auf 79 000 gesunkenen, teils sehr stattlichen Bäume im Stadtgebiet zunehmend gelitten haben. Allein in den letzten fünf Jahren sind etwa 8900 Bäume gefällt worden, wegen Alter, Krankheit, aber auch wegen neuer Bauvorhaben. Um Krefelds „grüne Lunge“ besser zu schützen, hat die Verwaltung eine Neufassung der Satzung zum Schutz des Baumbestandes in der Stadt Krefeld erarbeitet. Die wird am 25. Juni dem Naturschutzbeirat, zwei Tage später dem Klimaausschuss vorgelegt und soll am 29. August vom Rat beschlossen werden.

Heino Thies vom BUND und Mitglied im Naturschutzbeirat begrüßt das sehr. Die Baumschutzsatzung aus dem Jahr 1979 wurde zuletzt 2005 geändert. Aus Sicht der Verwaltung ist nach knapp 20 Jahren eine Anpassung der bestehenden Baumschutzsatzung an die geänderten klimatischen und räumlichen Bedingungen dringend erforderlich. Auch um konkrete Handhabe zu haben bei Verstößen.

Ersatzpflanzungen müssen dauerhaft gepflegt werden

Zuletzt noch hatte das Zentrale Gebäudemanagement ausführende Firmen bei der Sanierung des Musikpavillons im Biergarten des Stadtwaldhauses darauf hinweisen müssen, dass sie nicht auf den Wurzeln der alten Bäume dort parken oder Materialien lagern dürfen. Aber auch vorgeschriebene Nachpflanzungen wie beispielsweise am DHL-Postfrachtzentrum sind nicht vorschriftsgemäß durchgeführt worden. CDU-Ratsherr Heinz-Albert Schmitz hatte sich vor zwei Jahren dafür stark gemacht, dass dort neue Bäume gepflanzt und sie diesmal auch gepflegt und gewässert werden.

Der Entwurf der nun fortgeschriebenen Baumschutzsatzung basiert im Wesentlichen auf der Mustersatzung des Deutschen Städtetages, die auch eindeutige Dokumentationspflichten vorsieht. Neu darin ist beispielsweise der Schutz von Obstbäumen (Kulturobst) ab einem Stammumfang von mindestens 50 Zentimetern. Für Wild- und Zierobst (Kirsche, Apfel und mehr) gilt ebenfalls ein Stammumfang von mindestens 80 Zentimeter. Grundsätzlich geschützt sind alle Bäume mit einem Stammumfang von mindestens 80 Zentimetern gemessen in einer Höhe von 100 Zentimetern über dem Erdboden. Bei Krefelds Baumbestand eine Menge.

Dieser Schutz gilt auch für Bäume, die in Bebauungsplänen fest aufgenommen worden sind. „Das Befahren und Beparken von Baumwurzeln ist künftig in Krefeld verboten“, erläutert Thies. Das begrüßt er vor allem an der Kempener Allee, die per se in NRW als Allee geschützt ist. Und dennoch würden Autos im Wurzelbereich parken. „Das gilt mit der neuen Satzung als glatter Verstoß und kann als Ordnungswidrigkeit endlich geahndet werden“, sagt Thies.

Ein neuer Passus zu kranken Bäumen alarmiert den BUND

Verboten sein werden damit auch alle Handlungen, die Bäume verändern, schädigen oder gar zerstören, wie partielle Kroneneinkürzungen, Anbringen von schädigenden Materialien oder gar Fällungen in der Schonzeit, wenn keine besondere Genehmigung dafür vorliegt. Auch Tiefbau-Unternehmen werden künftig noch sorgfältiger arbeiten müssen. In der Vergangenheit war es beispielsweise bei der Umgestaltung im Stadtgarten, bei der Anlage der Radpromenade Höhe Crönpark und bei Tiefbauarbeiten am Bismarckplatz zu Schädigungen von Bäumen und Wurzelwerk gekommen. Bodenflächen unter dem Traufbereich zuzüglich 1,5 Meter nach allen Seiten wären danach künftig zu schützen.

Doch eine Sache bereitet Thies große Sorgen. Die bislang vorgeschriebenen Nachpflanzungen sollen entfallen, wenn der Baum krank und wegen fehlender Verkehrssicherheit gefällt werden musste, wie die meisten städtischen Bäume in den letzten fünf Jahren. Bis heute sind erst knapp 2000 von den rund 8900 gefällten Bäumen ersetzt worden. Meinung

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort