Mechatroniker: Ohne Schrauben geht’s nicht

Mechatroniker: Ohne Schrauben geht’s nicht

Bei Siempelkamp lernt Dennis Winnebald, Anlagen für die Industrie zu bauen. Das gefällt ihm besser als Businessmanagement.

Krefeld. Die riesige Halle macht mächtig Eindruck. Stahl- und Gussteile, die einige hundert Tonnen wiegen, werden mit Hilfe haushoher Anlagen in Form gebracht. "Es fasziniert mich sehr, hier zu arbeiten", sagt Dennis Winnebald. Der 23-Jährige ist Lehrling beim Krefelder Maschinen- und Anlagenbauer Siempelkamp. Im September 2009 hat seine Ausbildung zum Mechatroniker begonnen, nach dreieinhalb Jahren wird er fertig sein - wenn alles glatt läuft.

Eigentlich wollte Winnebald einen ganz anderen Weg gehen. Nach Abitur und Zivildienst zog es den Krefelder zum Studium nach Venlo. Internationales Businessmanagement stand auf dem Lehrplan. Nach einem Jahr brach der junge Mann das Studium ab. "Das war einfach nicht mein Ding."

Ein Freund brachte ihn auf die Idee mit dem Mechatroniker. Das Handwerkliche habe ihn schon immer interessiert. "Der Wechsel war das Beste, was mir passieren konnte", so Winnebald.

Rudolf Gall bestätigt die Einschätzung seines Lehrlings. "Mechtroniker sind vor allem Schrauber", urteilt der Leiter der gewerblichen Ausbildung bei Siempelkamp. Natürlich habe er bei Bewerbungen vor allem die Mathe- und Physik-Noten im Blick. "Aber noch wichtiger als das Zeugnis ist für mich der persönliche Eindruck im Gespräch", erzählt Gall. Wer nur deshalb vor ihm sitze, weil Papa ihn geschickt habe, bleibe chancenlos.

Probleme in der Berufsschule hat Winnebald nicht. Das können nicht alle Azubis von sich behaupten. "Ohne berufsbegleitenden Unterricht würden es viele nicht schaffen", weiß Gall. Die Anforderungen seien hoch, insbesondere in den Bereichen Elektronik und Informationsverarbeitung.

"Wer bei uns ist, wird erstklassig ausgebildet", wirbt Personalleiter Stefan Ziemes in eigener Sache. Er verweist darauf, dass Siempelkamp-Azubis eine virtuelle Firma gründen, um spielerisch zu lernen, Aufträge selbstständig abzuarbeiten. "Da erfahren Techniker sehr viel über die Zwänge der Kaufleute - und umgekehrt", so Ziemes.

Sorgen um seinen Arbeitsplatz muss Winnebald sich nicht machen. Die Chancen stehen prima, nach der Lehre übernommen zu werden. Siempelkamp investiert am Standort Krefeld in den Ausbau des Maschinen- und Anlagenbaus. Ob auch die vor allem wegen der Luftbelastung umstrittene Erweiterung der Gießerei kommt, ist noch offen.

Gegründet wurde die Firma 1883. Bis heute ist Krefeld der Hauptsitz. Als Systemlieferant von Pressenstraßen und Anlagen für die Holzwerkstoffindustrie, die Metallumformung und die Gummiindustrie sieht sich Siempelkamp in weltweit führender Marktposition.

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