McZahn-Gründer erschießt sich

McZahn-Gründer erschießt sich

Der Werbeslogan „Zahnersatz zum Nulltarif“ brachte Werner Brandenbusch bundesweit in die Schlagzeilen. Mit seinen Praktiken kollidierte er mehrfach mit der Justiz.

Krefeld/Wuppertal. Seine zahlreichen Geschäftsideen wusste Werner Brandenbusch aus Krefeld blendend zu verkaufen - jedenfalls vielen Medien. Ob Butlerservice, Limousinendienst oder zuletzt mit der bundesweit in die Schlagzeilen geratenen Dentisten-Kette "McZahn" war dem Unternehmer jedoch kein dauerhafter Erfolg beschieden: Vor zwei Jahren musste die Firma (Sitz in Willich), die im Franchising-System Lizenzen an Zahnärzte verkaufte, Insolvenz anmelden.

Immer wieder musste sich die Justiz mit Brandenbuschs dubiosen Geschäftspraktiken beschäftigen. Jetzt hat sich der 59-jährige Hobby-Jäger auf seinem Grundstück in Krefeld-Hüls mit einer Pistole erschossen.

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge war der frühere Vorstandsvorsitzender der McZahn AG schwer krank. Dies soll der Grund für den Suizid gewesen sein, nicht das bei der Wuppertaler Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen anhängige Ermittlungsverfahren.

Brandenbusch wurde unter anderem vorgeworfen, 900.000 Euro aus der Firmenkasse für sich abgezweigt zu haben und die Kassenärztliche Vereinigung um eine ähnlich hohe Summe betrogen zu haben.

Ein Zahntechniker, der sich 2007 im Streit von "McZahn" getrennt hatte, behauptet seit dem Sommer 2008, Werner Brandenbusch habe mit gefälschten Konformitätserklärungen die Kassen hintergangen. Denn auch für jeden preiswert in China angefertigten Zahnersatz muss eine Bescheinigung vorgelegt werden, dass die Arbeit dem deutschen Qualitätsstandard entspricht - eine EU-Vorgabe und Voraussetzung für die Kassenabrechnung.

Der Zahntechniker, der Brandenbusch angezeigt hatte, erklärte, dass der McZahn-Vorstand noch Bescheinigungen unter seinem Namen ausgestellt hatte, als er schon lange nicht mehr für das Unternehmen tätig war. Weitere Vorwürfe: Bilanzfälschung und Involvenzverschleppung.

Ganz hat sich das Wuppertaler Verfahren in Sachen "McZahn" aber noch nicht erledigt. Oberstaatsanwalt Wolf Baumert: "Gegen ein früheres Vorstandsmitglied von McZahn wird noch ermittelt." Die Vorwürfe gleichen sich: Privatentnahme aus der Firmenkasse, gefälschte Konformitätserklärungen.

"Aber alles in viel kleinerem Umfang", so der Sprecher der Wuppertaler Behörde. Das Verfahren könnte in diesem Jahr mit einem Strafbefehl aus der Welt geschafft werden.

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