Mädchenduo (13) nach Angriffen am Geldautomat abgetaucht

Mädchenduo (13) nach Angriffen am Geldautomat abgetaucht

Der zweimalige Aufenthalt im Kinderheim Marianum war jedes Mal Minutensache. Spur führt nach Duisburg.

Krefeld. Die beiden mutmaßlich 13 Jahre alten Mädchen, die von der Polizei am Dienstag gleich zweimal im Kinderheim Marianum abgeliefert worden waren, sind verschwunden. „Sie waren jeweils nur 15 bis 20 Minuten bei uns“, sagt Heimleiter Heinz-Werner Knoop. „Dann sind sie abgehauen.“ Ein leichtes Spiel, denn: „Wir arbeiten nicht mit freiheitsentziehenden Maßnahmen. Bei uns ist keine Tür verschlossen."

Das Haus an der Hubertusstraße ist das einzige in Krefeld für die Aufnahme solcher Früchtchen. Vieles hat Knoop schon erlebt, „aber so etwas wie am Dienstag noch nicht“. In früheren Fällen blieben die erwischten Kids zumindest ein paar Tage. Aber ohne Erfolg. Heinz-Werner Knoop: „Eines dieser Kinder auf die Seite der Jugendhilfe zu ziehen, ist uns noch nie gelungen.“ Die Jugendhilfe bleibt auf ihrem Angebot sitzen.

Knoop ist überzeugt davon, dass auch diese „Klau-Kids ferngesteuert“ waren und von ihren Eltern abgeholt wurden: „Die haben verabredete Treffpunkte.“ Am Vormittag hatten sie auf räuberische Weise versucht, einer Bankkundin (41) in Uerdingen 500 Euro abzunehmen, in dem eines der Mädchen von hinten blitzschnell auf die entsprechende Taste am Geldautomaten drückte. Als das schiefging, wollten sich die 13-Jährigen ungestüm die Geldbörse der Frau aneignen.

Nachmittags, nach dem Intermezzo im Heim, gingen sie ähnlich in der Sparkasse an der Hansastraße vor, obwohl ihre 16-jährige Mittäterin vom Vormittag nicht von der Polizei zurückkehrte und seit Mittwoch in U-Haft ging (die WZ berichtete).

Die Spur der polizeibekannten Mädchen führte in einen Wohnblock in Duisburg. Doch als die Polizei dort auftauchte, war die Wohnung der ebenfalls polizeibekannten Eltern verwaist. Eine andere Spur deutet nach Dortmund, wo Angehörige gleichen Namens gemeldet sind. Aber die Mädchen und ihre Eltern sind abgetaucht.

„Die Entwicklung ist unbefriedigend“, räumt Polizeisprecher Acor Kniely ein. Selbst Am Donnerstag war nicht klar, ob die beiden 13-Jährigen am frühen Dienstag kurz nach 8 Uhr ebenfalls an einem Diebstahl in einer Mönchengladbacher Bank beteiligt waren: Dort hatten ebenfalls drei Mädchen Verwirrung gestiftet. Eines der Kinder war schneller als die Bankkundin und schnappte sich die 400 Euro aus dem Geldautomaten-Schlitz. Die, die ihre Kinder auf Klauen und Rauben abrichten, sind meist gut motorisiert und stehen schon parat.

So aggressiv die Klau-Kinder inzwischen gegenüber Opfern auftreten, so routiniert zahm sind sie während und nach der Festnahme durch die Polizei: Sie lassen sich brav ins Heim kutschieren. Sie sprechen kein Wort Deutsch und verstehen auch nichts. Ob sie eine Schule besuchen, ist auch nicht bekannt.

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