SWK: "Made in Krefeld" - Kraftwerk im Keller wärmt 48 Wohnungen

SWK : "Made in Krefeld" - Kraftwerk im Keller wärmt 48 Wohnungen

Zwei kleine Kraftwerke, intelligent gesteuert, versorgen ein großes Mietshaus und das Stadtbad Fischeln mit Strom und Wärme.

Krefeld. Es ist ein Modell made in Krefeld, und wenn es nach den Stadtwerken Krefeld (SWK) geht, wird es im besten Fall ein Exportschlager werden. Im Keller eines 48-Parteien-Hauses und im Fischelner Stadtbad an der Kölner Straße steht je ein Miniatur-Blockheizkraftwerk (BHKW), das die Gebäude mit Wärme versorgt. Ein Novum, für das Experten der Hochschule Niederrhein, die Stadtwerke und die Stadt Krefeld an einem Strang gezogen haben. Das erklärt aber nicht, weshalb bei der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage in dem Mehrparteienhaus am Donnerstag auch Landesumweltminister Remmel vor Ort ist. Der grüne Minister lobt das Projekt — das vom Land mit immerhin 2,5 Millionen Euro gefördert wird — unter anderem, weil damit endlich auch Mieter konkrete Nutznießer der Energiewende seien.

SWK-Vorstand Carsten Liedtke stellt die Eckdaten dar: Ein Mini-BHKW im Heizungskeller des Hauses versorge die 48 Wohnungen mit Wärme und Strom. „Die Anlage läuft, wenn der Gaspreis niedrig oder der Strompreis hoch ist. Dann wird der Strom an der Börse gehandelt.“

Das System ist flexibel und intelligent, eine ausgetüftelte Software optimiert die Prozesse so, dass immer auf dem wirtschaftlich günstigsten Weg produziert wird. Bis zu 100 beziehungsweise knapp 150 Euro sparten die Mieter im Jahr — je nachdem, welchen Stromtarif sie bisher hatten, erläutert Carsten Liedtke. Für den SWK-Vorstand ist der Ansatz vielversprechend: „Wir wollen, dass das Produkt Standard wird. Die Botschaft muss sein: Energiewende kann funktionieren.“

Landesumweltminister Johannes Remmel überzeugt das Konzept: In einem Industrieland wie NRW gebe es viele Mietwohnungen, „viele Menschen auf einem Fleck“, viele Energiequellen durch die Industrie und gute Netze: Ein Konzept zu entwickeln, dieses Potenzial ressourcenschonend und lokal zu nutzen, sei förderungswürdig. Die beiden Mini-BHKW in Krefeld seien „kein riesiger Leuchtturm“ in finanzieller Hinsicht, aber in Sachen Kraft-Wärme-Kopplung gewiss. Die Krefelder, von Natur aus nicht schüchtern, wollten zwar nicht die Welt retten, aber mit dem dezentralen BHKW-Konzept ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, sagt der städtische Umweltdezernent Thomas Visser. SWK und Hochschule hätten sich „mit Heißhunger“ auf das Projekt gestürzt.

Professor Jörg Meyer, Leiter des SWK-Energiezentrums E² an der Hochschule Niederrhein, hat im Krefelder Stadtgebiet noch mehrere Stellen gefunden, die für den Einsatz einer dezentralen Energieversorgung und den Einsatz erneuerbarer Energien „sehr geeignet“ sind. Schließlich sei das Mini-Kraftwerk mit Erdgas, Bio- und Klärgas oder auch synthetisch hergestelltem Methangas zu betreiben. „Hier in Krefeld ist die Keimzelle. Zurzeit prüfen wir noch weitere Kommunen.“ Das Modell der „Energiewende vor Ort“ überzeuge, weil es für den Investor, den Betreiber und die Mieter attraktiv sei. Das bestätigt der Geschäftsführer der Wohnstätte, Thomas Siegert: „Die Reduzierung der Nebenkosten, dieser zweiten Miete, ist ein wichtiges Thema.“