Luftschutzbunker umzubauen, ist aufwendig und teuer.

Wohnraum : Wenig Interesse an Bunkern

An vielen Orten in der Stadt stehen ehemalige Luftschutzbunker. Sie umzubauen ist extrem aufwendig und kostspielig.

Große, zumeist graue Betonklötze, über das gesamte Stadtgebiet verteilt: Wer in Krefeld lebt, kennt die ehemaligen Luftschutzbunker, viele von ihnen fristen heute ein trauriges, ein verlassenes Dasein. So scheint es zumindest. Erbaut wurden sie Anfang der 1940er Jahre, um den Krefeldern während des Zweiten Weltkriegs Schutz vor Bombenangriffen zu bieten. Der Krieg ist vorbei, die Bunker stehen immer noch. Was geschieht mit ihnen und warum werden sie nicht abgerissen, um etwa dringend benötigten Wohnraum zu schaffen?

Nur drei der insgesamt 20 Hochbunker befinden sich in städtischer Hand. In einem davon ist das Museum Burg Linn. Drei Bunker gehören der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Ein Großteil ist mittlerweile in Privatbesitz übergegangen. Doch auch private Eigentümer entschließen sich nur selten dazu, die alten Bauwerke in modernen Wohnraum umzuwandeln.

Kosten für Abriss und Entsorgung sind sehr hoch

Die Erklärung hierfür liegt wohl im ursprünglichen Nutzen der Bunker: Um ein solch massives Bauwerk, das einst Bombenangriffen standhalten musste, abzureißen, bedarf es weit mehr als einer gewöhnlichen Sprengung. „Die Abrisskosten sind enorm, genau wie die Kosten für die Entsorgung der Unmengen an Beton und Stahl, die anfallen“, erklärt Andrea Silberkuhl von der Projektentwicklungsgesellschaft Bahners & Schmitz aus Düsseldorf, die an der Pariser Straße in Düsseldorf-Heerdt bereits erfolgreich einen Bunker zu Wohnraum verwandelt hat. Ähnliches soll auch mit dem Marienbunker in Fischeln passieren.

Möglich ist der Umbau also – aber auch teuer. Das beginnt schon beim Kaufpreis, der nach Angaben der BImA wie bei allen Immobilien von Lage, Zustand sowie weiteren grundstücksspezifischen Merkmalen abhänge. Der Bunker an der Inrather Straße etwa stehe derzeit zum Verkauf. Die Preisvorstellungen der Bundesanstalt, die auf groben Wertermittlungen von unabhängigen Gutachtern basieren und den Interessenten als Richtwert dienen sollen, liegen hier bei 220 000 Euro. Die wirkliche Herausforderung allerdings seien die Bauarbeiten selbst. „So ein Bunker hat bis zu vier Meter dicke Wände. Man kann ausschließlich mit einer Diamantsäge versuchen, sie zu öffnen, was dann Monate dauern kann“, sagt Silberkuhl.

Bei den Investitionen für den Umbau bewege man sich im Millionen-Bereich. Silberkuhl: „So ein Projekt übersteigt ganz schnell das eigene Budget, weil die Kosten kaum kalkulierbar sind. Man muss schon wirklich eine mehr als ausreichende Kapitaldecke vorweisen können.“ Viele Investoren würden sich vor solch einem Projekt scheuen oder letztendlich daran scheitern, weil sie die Investitionen sowie die baulichen Herausforderung unterschätzten, ist sich Silberkuhl sicher.

Miete sollte nicht höher sein als in gewöhnlichem Eigentum

Die Schwierigkeiten um die Umsetzung eines solch außergewöhnlichen Projektes kennt auch Hendrik Hambloch, der mit seinem Planungsbüro das Vorhaben in Fischeln unterstützt. „Es darf nicht teurer werden, als bei anderen Bauprojekten“, sagt er. Die Kosten würden schließlich am Ende die Mieten oder Verkaufspreise für Eigentumswohnungen definieren. Hambloch: „Die Menschen bezahlen nicht mehr für eine Wohnung, nur weil sie sich in einem Bunker befindet.“ Dass der ehemalige Luftschutzbunker am Marienplatz in den Neubau integriert wird, hat also nicht nur ästhetische Gründe, sondern ist vor allem auch praktisch: Vorhandene Bausubstanz muss nicht erst neu geschaffen werden und spart somit Kosten.

Da scheint die Lösung, das Objekt nach dem Erwerb zu vermieten, für so manchen Investor verlockender. So geschehen bei den beiden Bunkern an der Oppumer Straße und am Deutschen Ring. Mieter ist das Bunkergemeinschaftszentrum zur Förderung regionaler Kulturarbeit (BGZ), das die ehemaligen Schutzunterkünfte seit mehr als 35 Jahren als Proberäume an Musiker vermietet. Auch der Bunker an der Friedrich-Ebert-Straße hat einen neuen Zweck. Er dient als Logistikzentrum für die Krefelder Tafel. Hansgeorg Rehbein, Vorsitzender der Tafel, sagt, dass die BImA auch hier gerne einen Investor für Wohnungen und Büros finden würde. Vorausgesetzt, dass die Tafel ein Bleiberecht bekommt. Doch bei allem was nötig ist, um einen Bunker umzubauen, muss sich zunächst mal ein Investor finden, der sich den Umbau zutraut.