Wie Hammerwerfer Overmeyer zum Geher wurde

Wie Hammerwerfer Overmeyer zum Geher wurde

Der Athlet des SC Bayer Uerdingen muss auf ungewohntes Terrain, um an deutschen Meisterschaften teilzunehmen.

Luca Overmeyer ist 15 Jahre. Er wirft einen Hammer in seiner Freizeit. Und das so gut, dass sich der Athlet des SC Bayer Uerdingen mit 56,86 Metern für die deutschen U 16-Meisterschaften am Samstag und Sonntag in Wattenscheid qualifiziert hat. Mehr als zwölf Meter warf das Talent weiter, als es die Norm vorsieht. Er steht auf Platz vier der deutschen Bestenliste.

Doch damit war Overmeyer noch längst nicht in Wattenscheid. Denn der deutsche Leichtathletik Verband hält seit vier Jahren eine weitere Qualifikations-Hürde bereit, verlangt von seinen U 16-Talenten eine Zusatzleistung in einer weiteren Einzeldisziplin oder im Mehrkampf, um an den Titelkämpfen teilnehmen zu dürfen. Das war für den 1,80 Meter großen und 60 Kilogramm schweren Luca Overmeyer eine echte Herausforderung.

Overmeyer versuchte sich in etlichen Lauf- und Sprungdisziplinen — ohne Erfolg. Sein Trainer Helmut Penert sagt: „Der DLV will mit dieser Zusatzleistung eine zu frühe Spezialisierung in jungen Jahren verhindern. Mit mehr als 30-jähriger Erfahrung als Trainer halte ich die Regel für einen fatalen Trugschluss.“ Overmeyer sah seine DM-Teilnahme im Hammerwerfen in weiter Ferne — Resignation machte sich breit.

Bayer-Cheftrainer Peter Quasten wusste den Ausweg: Über das 3000-Meter-Bahn-Gehen, der Randdisziplin in der Leichtathletik schlechthin, sah Quasten für seinen Werfer eine reelle Chance die geforderte Zusatzleistung zu erbringen. Overmeyer war schnell einverstanden, heuerte mangels geeigneter Trainer in Uerdingen bei Düsseldorfer Geher-Spezialisten zum Vorgehen an. Nach einigen Trainingseinheiten hatte er den speziellen Geh-Stil verinnerlicht.

Einen Wettkampf gab es vier Tage vor Meldeschluss der Meisterschaft nur noch im fernen Oldenburg. Mit 20:15,08 Minuten unterbot der Wurfspezialist die geforderte Zusatzleistung um 45 Sekunden. Overmeyer sagt: „Gehen ist doch anstrengender, als ich vermutet hatte. Ich hatte zwar sechs Wochen trainiert, doch im Wettkampf war es schon anders. Bis Oldenburg habe ich im Training nie die geforderten 21 Minuten geschafft.“ Die Erleichterung im Uerdinger Lager war allenthalben spürbar — zumal auch bei Luca Overmeyer, der nun seinen Medaillentraum umsetzen kann. Overmeyer erinnert sich: „Während des Wettkampfes hatte ich Seitenstiche, doch immer einen Konkurrenten vor mir, der mich beruhigt hat. Nach vier Runden wusste ich, die Zeit ist zu schaffen. Im Ziel konnte ich mich zunächst aber gar nicht freuen, weil ich so kaputt war.“ Den Gehern habe er versprochen nicht aufzuhören, sondern noch zwei, drei Wettkämpfe folgen zu lassen. „Das werde ich einlösen.“

Sechs weitere Nachwuchstalente des SC Bayer Uerdingen qualifizierten sich ohne Probleme ebenfalls für die deutschen U 16-Meisterschaften: Anna Keyserlingk (Weit-, Hochsprung, Staffel), Amelie Modes (300 Meter, Staffel), Kai Muty (800 Meter), Tessa Srumf (Weitsprung/800 Meter), Pia Szymanowski (3000 Meter), Lara Rheims (Staffel).

Mehr von Westdeutsche Zeitung