Warum die Uerdinger Wasserball-Damen wieder erfolgreich sind

Umbruch : Warum die Uerdinger Wasserball-Damen wieder erfolgreich sind

Uerdingerinnen kämpfen zwei Jahre nach dem Umbruch um die Meisterschaft — die WZ erklärt den Erfolg.

Sie waren das Maß aller Dinge im deutschen Wasserball. Das Trainerduo Pia Schledorn und Sybille Kaisers am Beckenrand, im Wasser zauberten Claudia Blomenkamp, die Seyfert-Schwestern Anja und Bianca oder Torfrau Bianca Ahrens. Über Jahre waren die Damen des SV Bayer Uerdingen 08 nicht zu schlagen, fuhren eine Meisterschaft nach der anderen ein und krönten die Saison regelmäßig mit dem Gewinn des DSV-Pokals. Im Jahr 2017 war damit plötzlich Schluss. Die alte Garde sagte Adieu und machte Platz für den Nachwuchs. Der Umbruch wurde eingeleitet — und das erfolgreich.

Zwei Jahre später ist wieder alles beim Alten. Die Damen kämpfen um die nationale Wasserball-Meisterschaft, am Sonntag (16 Uhr) geht es mit dem Spiel bei Spandau Berlin los. Gespielt wird im „best-of-three“-Modus. Zwei Siege brauchen die Bayer-Damen für die Rückkehr auf den nationalen Thron. Zu verdanken ist das unter anderem George Triantafyllou. Der Grieche trat das schwere Trainererbe an und stellte das Uerdinger-System bewusst auf den Kopf. Mit einer Vollzeitstelle betreut er neben der ersten Damenmannschaft weitreichende Strukturen im Verein, kooperiert mit Schulen, arbeitet in der Schwimmausbildung sowie in vielen Teilen der Wasserball-Jugend.

Statt drei Trainingseinheiten geht es bis zu elfmal ins Wasser

Triantafyllou setzt dabei vor allem auf eins: harte Arbeit. Statt drei Trainingseinheiten pro Woche gingen die Bayer-Damen unter seiner Leitung acht- bis elfmal in der Woche ins Wasser, Früheinheiten von sechs bis sieben Uhr morgens inklusive. Und das zahlt sich aus: Die Mannschaft wurde besser und besser, klopft nach einer Übergangssaison mit Platz sechs im Jahr 2017/18 nun wieder oben an. Für Traintafyllou ist die Sache klar, er sagt: „Wir sind stärker geworden, weil die Mädels im Training alles geben. Ich bin sehr dankbar für den Willen und Einsatz, den sie Tag für Tag zeigen.“ Mit den Schwestern Gesa und Ira Deike sowie der Rückkehr von Jamie Verebelyi kamen vor der Saison externe Neuzugänge, die zum neuen Spielstil des Griechen passen. „Ich habe am Anfang der Saison gesagt, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen, ganz egal wer der Gegner ist, diese Einstellung hat sich nicht geändert. Nach der letzten Saison haben wir gesagt, dass wir stärker zurückkommen“, sagt Triantafyllou. In Nationalspielerin Aylin Fry haben die Uerdingerinnen zudem eine der besten nationalen Torjägerinnen in ihrem Kader. In der regulären Saison erzielte sie in zwölf Spielen 44 Tore, im Playoff-Halbfinale gegen Heidelberg folgten in zwei Spielen weitere zwölf Treffer.

Doch Fry ist vor allem Teil einer homogenen Mannschaft geworden. Spielerinnen wie die beiden Eggert-Schwestern Sophia und Julia, Helena Kammermeier oder Torfrau Jannika Schmidt bilden nun das neue Gesicht des Uerdinger-Wasserballs. Ob der erfolgreiche Umbruch bereits im zweiten Jahr mit einem ersten Titel gekrönt wird, bleibt abzuwarten. Noch in der Hinrunde schien keiner den Uerdingerinnen das Wasser rechen zu können, doch Finalgegner Spandau Berlin rüstete im Winter auf.

Mit der Brasilianerin Victoria Chamorro zwischen den Pfosten und der Japanerin Hosoya Kana kamen zwei internationale Top-Stars in die Hauptstadt. Zusammen mit der ehemaligen Uerdingerin Belen Vosseberg bilden sich das wohl beste Trio der Liga. Bayer verlor in der regulären Saison nur zwei Spiele, beide gegen Spandau. Auch im Pokal setzte es eine Liga. „Wir müssen noch eine Schippe drauflegen“, sagt Triantafyllou daher und kennt den Schlüssel zum Erfolg: „In unserem Umkehrspiel müssen wir mit einer 100-prozentigen Konzentration in das Spiel gehen. Wir wissen, dass wir es mit einem sehr starken Gegner zu tun bekommen, aber das ganze Team ist entschlossen, diese Chance zu nutzen und bis zur letzten Sekunde zu kämpfen.“

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