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Von der Kreisliga in die Bundesliga

Fußball-Oberliga : Von der Kreisliga in die Bundesliga

Als Trainer hat Bekim Kastrati mit Teutonia St. Tönis den Sprung in die Oberliga geschafft. Als Spieler war er mit Mönchengladbach mal ganz oben.

Bekim Kastrati arbeitete sich als Spieler von ganz unten ins deutsche Fußballoberhaus. Als Trainer hat er mit Teutonia St. Tönis den Sprung in die Oberliga geschafft. Als Bekim Kastrati am 13. August auf Facebook unterwegs war, erinnerte ihn die Social Media Plattform an eins der prägendsten Ereignisse seines Lebens: sein erstes Bundesligaspiel.

Beim 1:1 von Borussia Mönchengladbach gegen den VfL Wolfsburg wurde der Stürmer am zweiten Spieltag der Saison 2005/06 in der 64. Minute eingewechselt. „Das war eins meiner Karriere-Highlights. Die ganze Saison werde ich nie vergessen. Ich habe in der Zeit viele Bundesliga-Stadien live erlebt, wenn auch nur als Ersatzspieler.“ berichtet Kastrati, der insgesamt viermal für die Gladbacher im Fußballoberhaus auflief.

 Während der 41-Jährige auf eine turbulente Spielerkarriere mit zahlreichen Höhen und Tiefen zurückblickt, ist seine Trainerlaufbahn bisher nahezu eine einzige Erfolgsgeschichte. Nach seinem Karriereende fing der ehemalige Bundesligaspieler 2015 beim DFB-Stützpunkt in Mönchengladbach an, den er bis heute betreut. Seine ersten Stationen bei den Senioren waren die Bezirksligisten SC Rheindahlen und der SV Lürrip, ehe Kastrati im Sommer 2018 zu Teutonia St. Tönis wechselte. „In Lürrip hatte ich ein gutes Jahr. Ich konnte mich als Trainer weiterentwickeln. Als Trainer ist Entwicklung genauso wichtig wie als Spieler und da bin ich als Coach noch lange nicht am Ende“, erzählt Kastrati. „In den unteren Ligen ist die Einstellung immer die wichtigste Komponente. Richtiger Fußball geht für mich aber in der Oberliga los. In der kommenden Saison mit 23 Teams ist es fast kein Hobby mehr.“

Wie als Trainer fing Kastrati auch als Spieler weit unten an. 1996 kam er im Alter von 16 Jahren aus dem heutigen Kosovo nach Deutschland. Sein Vater, der seit den 70er Jahren als Gastarbeiter in der Bundesrepublik tätig war, holte damals seine Familie zu sich. „Das war unsere Familienzusammenführung“, erinnert sich Kastrati und berichtet über seine Anfangszeit in Deutschland: „Das erste halbe Jahr war schwierig, bis ich die Sprache beherrscht habe. Danach habe ich mich schnell in der Schule eingelebt. Dabei hat mir der Sport geholfen.“

Der 1. FC Mönchengladbach
sieht kein Talent in ihm

Seine letzten Juniorenjahre verbringt der heute zweifache Familienvater beim 1. FC Mönchengladbach, die ihn jedoch nicht für talentiert genug für ihre Senioren ansehen. Ein Rückschlag, doch Kastrati kommt beim Kreisligisten SC Wegberg unter. Es ist der Startschuss für eine ungewöhnliche Karriere. Nach einer Saison zieht der Stürmer weiter zum FC Wegberg-Beeck in die Oberliga, die damals viertklassig war.

Im Sommer 2002 wechselt Kastrati zum griechischen Erstligisten Aris Thessaloniki, schlägt ein Angebot von den Amateuren von Borussia Mönchengladbach aus. In Griechenland fasste Kastrati nie richtig Fuß: „Ich kam mit einer schweren Verletzung im Gepäck wieder nach Deutschland und dachte meine Karriere ist vorbei.“ Doch bei Borussia Freialdenhoven schafft er den Neueinsteig in der Oberliga und wechselt im zweiten Anlauf zu den Gladbacher Amateuren.

Kastratis erfolgreichste Zeit als Spieler beginnt. Während er die Zweitvertretung mit 29 Toren zum Aufstieg in die Regionalliga schießt, debütiert er in der Bundesliga und trifft im DFB-Pokal. Getoppt wird die Zeit 2006 mit drei A-Länderspielen für Albanien. Zu diesem Zeitpunkt spielt er bereits in der 2. Bundesliga bei Eintracht Braunschweig.

Über weitere Stationen wie Fortuna Düsseldorf und Dynamo Dresden landete Kastrati beim SC Rheindahlen, erst als Spieler, dann als Trainer. „Ich wollt schon immer Trainer werden, habe früh angefangen mir als Spieler Notizen zu machen über die Trainingsarbeit“, verrät Kastrati und stellt hinsichtlich seines Karriereziels als Trainer klar: „Ich sehe die ganze Sache realistisch und entspannt. Ich habe riesen Spaß am Fußball und möchte mich weiterentwickeln. Wenn es dann höher geht, ist es um so besser. Wobei die Karriere als Trainer schwieriger ist als jene als Spieler.“