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Vom Footballer zum Cheerleader

Cheerleading : Vom Footballer zum Cheerleader

Football und Cheerleading gehören für viele zusammen wie Sommer und Sonne – nacheinander sind sie schwer vorstellbar. Kai Neiderek liefert den Beweis, dass beide Sportarten auch hintereinander problemlos funktionieren.

Er war erst Footballer, aktuell ist er äußert erfolgreich im Cheerleading.

Aber der Reihe nach: Seine sportliche Karriere beginnt der gebürtige Krefelder beim SV Bayer 08 Uerdingen. „Bis zum Alter von zwölf, 13 Jahren habe ich beim SV Bayer Leistungsschwimmen gemacht“, erinnert sich Neiderek und sagt weiter: „Das Schwimmen habe ich damals aufgegeben, weil es trainingstechnisch zu viel Aufwand wurde.“ Es folgten drei Jahre Karate auf Hobbyniveau. Mit 16 Jahren nimmt ein Freund Neiderek mit zum Training der Krefeld Chiefs. Die Chiefs sind zu dem Zeitpunkt der einzige Footballclub in der Umgebung. Neiderek trainiert einige Zeit im Herrenteam mit. Spiele absolviert er für die U19 der Uerdinger Tomahawks.

Footballkarriere endet vor Übergang in Herrenbereich

Seine kurze, aber durchaus erfolgreiche Karriere als Footballer – Neiderek darf beim Junioren-Nationalteam vorspielen – endet vor dem Übergang in den Herrenbereich. Neiderek: „Die Tomahawks hatten keine Seniorenmannschaft. Für ein Team hätte ich damals bis nach Düsseldorf fahren müssen. Das wollte ich nicht.“

Beim SC Bayer 05 jagt Neiderek nicht nur dem Ei aus Leder hinterher, sondern startet nach dem Abitur am Fabritianum auch ins Berufsleben. Erst ein Jahr als Freiwilligendienstler, dann als Auszubildender im Bereich Sport- und Fitnesskaufmann. So lernt er die Sportart Parkour kennen und übt diese beim Uerdinger Sportclub in der Halle fünf aus. Parallel zum Parkour-Training trainieren in der Nachbar-Halle die Dolphins-Cheerleader. Die ersten Berührungspunkte zur für Neiderek bis dato inhaltlich unbekannten Sportart Cheerleading. Bei seiner muskulösen Statur von knapp über 100 Kilogramm verteilt auf 1,91 Meter lassen Einladungen zum Probetraining nicht lange auf sich warten. Neiderek gibt zu: „Zu Beginn habe ich schon gedacht, dass Cheerleading eine Mädchen-Sportart ist.“

„Der große Junge, der
keine Ahnung hatte“

Nach etwas Überredungskunst steht der damals 20-Jährige im Sommer 2013 zum ersten Mal bei den Dolphins auf der Matte. „Am Anfang war ich der große Junge, der keine Ahnung hatte. Ich hatte keine Vorstellung von der Sportart, kannte sie nur vom Sommerfest, und da waren dann ausschließlich Mädchenteams“, erinnert sich Neiderek, der schnell gefallen am Cheerleading findet. Im ersten Jahr nimmt der Neueinsteiger an keinen Wettkämpfen teil. „Ich war quasi passiv, habe trainiert, ohne an Auftritten teilzunehmen, und vor allem turnerische Elemente geübt, weil das nicht mein Steckenpferd war“, so Neiderek.

Danach folgt der Aufstieg. Neiderek findet als Base – untere Position bei Hebefiguren – seine Position im Team. 2016 folgt der erste große internationale Auftritt bei den Allstar Games. Ein Jahr später der Deutsche Meistertitel sowie die Nominierung für das Nationalteam, mit dem er Vierter bei der Weltmeisterschaft wird. 2018 bestätigt er seinen Erfolg mit dem Nationalteam, erneut Platz vier bei der Weltmeisterschaften, verteidigt den nationalen Meistertitel und holt Bronze bei den Europameisterschaften. „Den Erfolg mit dem Nationalteam hat mir vor allem Lisa Stöcker ermöglicht. Sie suchte eine neue Base, und die wurde ich. Damit hatte ich einen sehr erfahren Partner an meiner Seite“, erzählt Neiderek und sagt weiter: „Ich habe noch nie so viel aus eigenem Antrieb gemacht wie beim Cheerleading und habe sportlich schon jetzt alles erreicht, was ich wollte.“ Aber: „Ein Treppchenplatz bei der Weltmeisterschaft fehlt noch.“