Tennis: Blau-Weiß Krefeld steht vor dem Meister-Coup

Tennis : Blau-Weiß Krefeld steht vor dem Meister-Coup

Der Tabellenführer der Tennis-Bundesliga spielt Samstag beim Zweiten in Mannheim und Sonntag im Derby gegen den Rochusclub.

Ein Stück Zurückhaltung hat sich Olaf Merkel vor dem entscheidenden Wochenende bewahrt. Der Teamchef des Tennis-Bundesligisten und Spitzenreiters Blau-Weiß Krefeld macht keine Kampfansagen vor den beiden letzten Duellen am Samstag beim punktgleichen Verfolger und Titelverteidiger Grün-Weiß Mannheim und daheim mit dem Rochusclub Düsseldorf am Sonntag. „Es ist alles offen. Wir haben an beiden Tagen eine Siegchance von 50 Prozent. Wir gehen es positiv an und sind bereit“, sagt Teamkapitän Merkel, der an diesem Freitag 67 Jahre alt wird. Ein schöneres Geschenk als die erste deutsche Meisterschaft für Blau-Weiß Krefeld könnte seine Mannschaft ihm gar nicht machen.

Die guten Ergebnisse sind das Resultat einer Entwicklung der vergangenen Jahre. Merkel reist im Januar stets zu den Australian Open, sprach die Spieler an, baut sich ein Netzwerk auf. Viele Südeuropäer, in erster Linie Italiener, sowie einige wenige Südamerikaner kamen nach und nach hinzu. Der Klub ist dafür bekannt, eine familiäre Atmosphäre zu pflegen. Die Spieler leben den Zusammenhalt, fühlen sich wohl im Verein. Gesprochen wird teamintern italienisch oder spanisch. Das verbindet

„Es sind die Leute zwischen Rang 120 und 180, die man braucht“

Jahr für Jahr spielte sich Krefeld in der Tabelle zuletzt weiter nach vorne. Topspieler wie der Chilene Cristian Garin (ATP 36) oder der Italiener Marco Cecchinato (ATP 61) gaben in der ersten Saisonhälfte ihre Visitenkarte ab, gewannen wichtige Punkte in den Einzeln. Stefano Travaglia, ein Aufsteiger, spielt ebenfalls eine starke Saison mit drei Einzelsiegen. Oder der Argentinier Andrea Collarini, der ebenfalls schon dreimal gewonnen hat. Dazu auch der Doppel-Spezialist Simone Bolelli. Anders als im Vorjahr, als die Krefelder in den Doppeln Punkte liegen ließen, sind sie diesmal auch in dieser Disziplin stark.

Doch vielmehr seien es die Spieler aus der Mittelklasse, die über die gesamte Saison den Unterschied machten: „Es sind die Leute zwischen Rang 120 und 180, die man braucht. Diese müssen dann zuschlagen“, sagt Merkel. Die Schwierigkeit in der Bundesliga, die sich wegen zahlreicher Top-100-Spieler selbst das Prädikat „Weltklasse im Klub“ auf ihre Fahne geschrieben hat und nicht nur für Merkel die „stärkste Vereinsliga der Welt im Tennis“ ist, besteht darin, zwischen den Turnieren, die für die Spieler nach wie vor die höhere Priorität haben, eine schlagkräftige Mannschaft aufzustellen. Die Bundesliga ist eine Art Schaukampf. „Die Leute sollen sagen: Blau-Weiß spielt, da gehen wir hin“, sagt Teamchef Merkel. Bis zu 1400 Zuschauer dürften am Sonntag wieder auf die kleine Anlage an der Hüttenallee in Krefeld pilgern, wenn der Rochusclub aus Düsseldorf zum Showdown zu Gast ist.

Der Rochusclub hat als Dritter noch eine rechnerische Chance

Ein Wort im Meisterschaftsrennen mitreden möchten die Düsseldorfer. Der dienstälteste Bundesligist hat als Tabellendritter noch eine rechnerische Chance auf Platz eins – doch dazu muss eine Menge passieren. Unter anderem wäre ein Unentschieden im Gipfeltreffen zwischen Mannheim und Krefeld am Samstag vonnöten. Unabhängig von der Ausgangslage wollen Teamchef Detlev Irmler und seine Spieler in den Heimspielen gegen Köln und zum Abschluss in Krefeld noch einmal alles versuchen und ihrer guten Saison einen vernünftigen Abschluss verleihen.

„Wir haben dem einen oder anderen Klub in den vergangenen Wochen bereits die Meisterschaftshoffnungen zunichte gemacht“, sagt Irmler. Möglicherweise spielt der Rochusclub am Sonntag noch einmal das berühmte Zünglein an der Waage. Vielleicht zugunsten Grün-Weiß Mannheims. Oder ist am Ende sogar selbst der lachende Dritte.

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