Sarahs Traum von der WM

Sarahs Traum von der WM

Die 18 Jahre alte Sarah Abu Sabbah lebt seit Jahren in Krefeld, spielt Fußball in Leverkusen — und will mit Jordanien zur WM 2019.

Vom FC Tannenhof in Düsseldorf zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2019 nach Frankreich. So stellt sich Sarah Abu Sabbah ihren Karriereweg vor. Es ist mehr als nur ein Traum, vielmehr eine realistische Chance für die 18-jährige gebürtige Düsseldorferin mit jordanischer und deutscher Staatsbürgerschaft, die seit September A-Nationalspielerin für Jordanien ist. Alltags stürmt Sarah, die mit ihren Eltern seit sieben Jahren in Krefeld wohnt, aktuell für Bayer Leverkusens Regionalligateam, liegt mit 17 Toren auf Rang zwei der Torjägerliste. Bis 2015 trug sie das Trikot der SGS Essen in der Bundesliga der B-Juniorinnen, davor auch kurz des FCR (heute MSV) Duisburg.

In Krefeld hat Sarah ihr Abitur gemacht und arbeitet jetzt im Catering-Betrieb des Vaters. Der freut sich bereits über eine spätere Nachfolge aus der Familie, was die Firmenleitung betrifft. Erster Verein von Sarah Abbu Sabbah allerdings war der FC Tannenhof in Düsseldorf an der Vennhauser Allee. Der Weg dorthin war nicht ganz einfach: Vorsichtshalber hatte Sarah als Vierjährige erst einmal ihre Mutter mit diesem Gedanken konfrontiert. Frisch angemeldet erfuhr der Vater davon am Abend. Er wurde schnell zum größten Fan seiner Tochter, als die gleich in ihrem ersten Spiel drei Tore erzielte. Auch Sarahs beide älteren Schwestern Katharina und Tanja haben einst beim FC Tannenhof ihre ersten Schritte im Fußball erlebt. Heute drücken sie mit ihrem Vater der jüngeren Schwester die Daumen, dass das mit der WM wirklich klappt.

Vor 18 Monaten tat Sarah den ersten großen Schritt mit dem U17-Team bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land, als sie beim 1:4 gegen Mexiko das einzige jordanische WM-Tor erzielte. Es war die Führung damals vor 8250 Zuschauern. Im Mittelfeld an den Ball gekommen, umspielte sie mit rechts mehrere Mexikanerinnen, zog aus 20 Metern ab und traf unhaltbar ins obere Eck. Eine echte Sensation in Irbid an jenem 3. Oktober bei 31 Grad Hitze noch um 19 Uhr. „Wir haben das Spiel zwar verloren und sind ausgeschieden, aber fürs Team und für mich persönlich war dieses Tor riesig“, ist Sarah stolz auf den historischen Treffer.

Sarah Abu Sabbah

Den Ball aus jener Partie hat sie geschenkt bekommen. Er ziert heute das Zimmer in Krefeld, gilt jetzt als täglich neue Motivation für den großen Schritt zur WM 2019. Im September 2017 hat die junge Stürmerin ihr erstes von bislang vier A-Länderspielen bestritten.

Das 2:1 über Lettland in Riga ist eines von zahlreichen Vorbereitungsspielen auf den Asien-Cup im April. Acht Nationen sind qualifiziert. Neben Gastgeber Jordanien sind das Japan, Australien, China, die Philippinen, Südkorea, Thailand und Vietnam.

Die besten fünf Nationen lösen ihr Ticket für die WM 2019 in Frankreich. Das Los ist äußerst günstig: China dürfte zwar eine Nummer zu groß sein, aber die Philippinen sind schlagbar — und Thailand ist es auch. Der jüngste Test im Dezember in Bangkok hat das bewiesen. Gerade hat sie Ende Januar in Japan ein Trainingslager mit Spielen gegen Fukushima Academy und Nogima Stella absolviert. „Ich träume jetzt schon oft von der WM. Bei jedem Schritt im Training denke ich: das könnte auch schon ein Move bei der WM sein“, pusht sich Sarah Abu Sabbah selbst. Ohne Druck aufzubauen, aber mit jeder Menge Vorfreude. „Wenn es gut läuft, können wir unser Ziel erstmals erreichen. Ich bin sehr zuversichtlich. Es wäre die Erfüllung eines Traum, nach der U17-WM auch eine Frauen-WM spielen zu dürfen.“

Jordaniens Fußball-Boss Prinz Ali Al Hussein stärkt das Frauenteam. Nach Trainingscamps in Lettland, in Bosnien, auf Zypern, der Türkei und in Thailand folgte gerade das japanische Abenteuer. Der Rufname des Teams „Al Nashmiyat“ (Die Profis), zeugt von der Verschworenheit und dem Selbstverständnis der jordanischen Mädchen mit dem Falken auf dem Trikot.

Mehr von Westdeutsche Zeitung