Ruder-Weltmeister Laurits Follert: "Ich will wieder im Achter sitzen"

Rudern : „Ich will wieder im Achter sitzen“

Interview Der Krefelder Laurits Follert hat sich mit dem Sieg bei der Ruder-WM einen Traum erfüllt. Jetzt heißt sein Ziel Olympia 2020.

Seit knapp drei Wochen ist Ruderer Laurits Follert Weltmeister. Der 23-jährige Sportler vom Crefelder Ruderclub gewann mit dem Deutschland-Achter die WM im österreichischen Linz. Anfang Juli feierte das Kraftpaket bereits in Luzern den Europameistertitel. Follert, der erst seit April in Deutschlands Paradeboot sitzt, verrät unserer Redaktion im Interview, wie hart der Weg zum Titel ist und welche Ziele er für 2020 hat.

Herr Follert, wie fühlt es sich an Weltmeister zu sein? Haben Sie das Erreichte und Erlebte schon verinnerlicht?

Laurits Follert: Es fühlt sich toll an. Beim Zieleinlauf wusste ich erst nicht, ob die Niederlande oder wir gewonnen haben. Ich musste erst Johannes (Weissenfeld, Anm. d. Red.) hinter mir fragen, wer gewonnen hat, bevor ich gejubelt habe. Im Urlaub habe ich mir das Video von unserem Rennen sehr oft angeschaut. Jedes Mal bekam ich dabei wieder Gänsehaut und habe mich gefreut.

Ist der WM-Titel das bisherige Highlight Ihrer Karriere?

Follert: Das war der beste Moment bisher. Jeder kleine Ruderer hat das Ziel Deutschland-Achter. Das ist in unserem Sport das allergrößte.

Ihre Berufung in den Achter erfolgte in diesem Jahr erstmalig. Was hat sich dadurch verändert?

Follert: Wenn man im Deutschland-Achter sitzt, zählt nur der Sieg. Dementsprechend steht man auch unter Druck. Als „Neuer“ wird man zudem immer etwas kritischer beäugt. Ich habe meine Zeit gebraucht, um mit der neuen Situation klar zu kommen. Mit dem EM-Titel ist direkt etwas Druck abgefallen.

Wie sieht Ihr Trainingsalltag aus?

Follert: Ich wohne in Dortmund in einer WG mit zwei Ruderern in der Nähe vom Landesleistungsstützpunkt. Dort trainiere ich zweimal täglich, morgens und nachmittags. Zweimal die Woche geht es in den Kraftraum, ansonsten geht es so lange es das Wetter zulässt aufs Wasser. Die Alternative zum Wasser heißt dann Ergometer. Das ist nicht so beliebt (lacht).

Bleibt dann noch Zeit, auch mal in Krefeld zu sein?

Follert: Um die Winterzeit versuche ich regelmäßig auch beim Verein (CRC, Anm. d. Red.) vorbeizuschauen. In Ausnahmefällen nehme ich auch an Bundesliga-Rennen teil. Zudem wohnen meine Eltern an der Grenze zwischen Duisburg und Krefeld. Doch durch die zahlreichen Trainingseinheiten in Dortmund bin ich während der Saison nicht mehr so oft in Krefeld.

Wie sind Sie zum Rudern gekommen?

Follert: Vorbild war in diesem Fall mein älterer Bruder. Eigentlich haben wir beide Handball gespielt, doch dann hat sich die Mannschaft von ihm aufgelöst und er hat mit dem Rudern begonnen. Wenige Zeit später löste sich mein Team ebenfalls auf und ich folgte meinem Bruder. Ich war erst beim Uerdinger Ruderclub aktiv und bis heute für den Crefelder Ruderclub.

Wie kam der Wechsel innerhalb Krefelds zustande?

Follert: Meine damalige Trainerin beim Uerdinger Ruderclub wurde schwanger und konnte ihr Traineramt nicht mehr ausüben. Da der Verein keinen adäquaten Ersatz verpflichtete und ich weiter Rudern als Leistungssport betreiben wollte, bin ich zum Crefelder Ruderclub gewechselt. Die Bedingungen sind perfekt und die Trainer super.

Welche Ziele setzen Sie sich für 2020?

Follert: Beim Rudern muss man sich jedes Jahr aufs Neue für den Achter qualifizieren. Die Qualifikation findet im Frühjahr im „Zweier“ statt. Die Konkurrenz ist groß, aber ich will wieder im Achter sitzen, um bei Olympia zu starten.

Wie lange haben Sie jetzt Pause bis die heiße Phase wieder beginnt?

Follert: Im Oktober geht es wieder los und dann sind wir viel unterwegs. Im November und über Neujahr geht es ins Trainingslager. Alles ist ausgelegt auf Olympia. Die Pause seit dem WM-Titel habe ich auch für Urlaub genutzt. Ich kann aber in sportlicher Hinsicht nicht nichts tun. Ich habe so viel Energie, sonst gehe ich meiner Freundin auf den Keks.

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