Nicole Anyomi: Krefelds größte Fußballhoffnung im Interview

Nationalspielerin : Krefelder Fußballerin Nicole Anyomi: „Besser kann es gerade nicht sein“

Im Interview spricht Nicole Anyomi spricht über ihre Anfänge bei SuS Krefeld, ihr Verhältnis zu Lea Schüller und den Traum vom A-Nationalteam.

Im Juli hätte Nicole Anyomi fast ihren zweiten internationalen Titel in die Luft gestemmt. Mit ihren Treffern schoss die Angreiferin die deutsche U19-Nationalmannschaft bis ins Finale der Europameisterschaft. Am Ende jubelten aber die Damen aus Frankreich. Anyomi wurde dennoch in das Team des Turniers gewählt und feierte nach dem Sieg bei der U17-EM im Jahr 2017 mit dem Finaleinzug bei der diesjährigen Europameisterschaft ihren vorläufigen Karrierehöhepunkt. Die Krefelderin durchlief alle deutschen Nachwuchsmannschaften und gehört seit drei Jahren fest dem Bundesliga-Kader der SGS Essen an.

Frau Anyomi, Sie spielen mit Ihren 19 Jahren regelmäßig in der Bundesliga. Ist das schon zur Routine geworden?

Nicole Anyomi: Nach drei Jahren wird es schon zur Routine. Man denkt sich: heute Training, morgen Training und am Wochenende dann das Spiel. Das ist normal geworden. Aber manchmal muss ich schon kurz realisieren, dass man Bundesliga spielt. Und klar freut man sich dann darüber.

Wie sieht Ihr Trainingsalltag aus?

Anyomi: Ich gehe hier in Essen noch zur Schule. Mit der Mannschaft trainieren wir viermal die Woche, zusätzlich haben wir noch ein Frühtraining, das dienstags oder donnerstags angesetzt wird. Normalerweise trainiere ich dann fünf, sechsmal die Woche plus Krafttraining.

Schaffen Sie es dabei überhaupt noch, bei der Familie in Krefeld vorbeizuschauen?

Anyomi: Doch. Und das ist auch das Gute daran, dass ich in Essen spiele. Am Wochenende bin ich nach unserem Spiel immer schnell zu Hause in Krefeld, um meine Familie und meine engen Freunde zusehen. Ich habe mit 16 das Angebot bekommen in Essen ins Internat zu gehen. Das habe ich dann auch angenommen, weil ich damals immer mit dem Zug pendeln musste und lange unterwegs war. Im Internat wurde es dann besser. Ich brauchte nur 20 Minuten mit dem Bus, jetzt kann ich sogar mit dem Auto zum Training fahren.

Das heißt, Sie fühlen sich wohl in Essen?

Anyomi: Ja absolut. Ich fühle mich in der Mannschaft und in Essen sehr wohl. Ich gehe gerade noch zur Schule und sehe hier auch jeden Tag meine Freunde, bin trotzdem schnell zu Hause in Krefeld. Besser kann es gerade nicht sein.

Wie sind Sie damals überhaupt zum Fußball gekommen?

Anyomi: Wenn man zwei Brüder hat und die anfangen Fußball zu spielen, dann will man als Mädchen auch gerne mitspielen. Und so hat es im Garten angefangen. Mein Vater hat die Jungs im Verein angemeldet, mich aber zunächst nicht. Meine Eltern haben aber gemerkt, dass ich das eigentlich ganz gut kann und haben mich dann auch bei Spiel und Sport angemeldet.

Und dort haben Sie erst einmal mit Jungs zusammengespielt?

Anyomi: Genau, wir hatten damals keine Frauenmannschaft. Aber im Nachhinein kann ich wie viele andere sagen, dass mir das sehr geholfen hat. Die Jungs sind viel schneller, haben einen unglaublichen Körpereinsatz und die spielen einfach Fußball. Die Passschärfe, das Dribbling – das ist einfach anders. Man konnte sich damals wie auch heute einiges von ihnen abgucken und lernen.

Mit zwölf Jahren sind Sie dann nach Gladbach gewechselt und später zur SGS Essen. Wie kam das zustande?

Anyomi: Bis zur D-Jugend habe ich noch bei SuS gespielt aber irgendwann ging es dann nicht mehr. Gladbach hatte eine gute Frauenmannschaft hier in der näheren Umgebung, Leverkusen war mir damals zu weit weg. Dann habe ich irgendwann ein Angebot von Essen bekommen und habe das dann auch schnell angenommen.

In Essen spielen Sie mit Lea Schüller zusammen. Wie gut verstehen Sie sich und wie oft kommt das Thema Krefeld ins Gespräch?

Anyomi: Wir verstehen uns gut. Bevor ich nach Essen gewechselt bin, hatten wir Kontakt und haben uns auch in Krefeld gesehen. Da haben wir dann auch über das Ganze gesprochen. Sie kennt auch meinen Bruder, weil Sie damals noch gegen Ihn gespielt hat. Unsere Beziehung ist daher echt gut.

Lea Schüller hat es bereits geschafft und für die A-Nationalmannschaft gespielt. Ist das jetzt auch Ihr großes Ziel?

Anyomi: Ja natürlich, das ist klar. Man kann es gar nicht in Worte fassen, wie viel Spaß es macht für die Nationalmannschaft zu spielen. Das muss man genau so sehr genießen, wie auch in der Bundesliga spielen zu dürfen. Ich bin immer wieder stolz für Deutschland spielen zu dürfen, vor allem wenn man wie ich von der U15 an bis zur möglichen U20-WM im nächsten Sommer alles mitmachen durfte.

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