Nach der Eishockey-Karriere: Das neue Leben des Christian Ehrhoff

Eishockey : Das neue Leben des Christian Ehrhoff

Ein Besuch bei dem ehemaligen Eishockey-Profi in seinem Trainingszentrum, in dem es auch Talkrunden mit bekannten Gästen gibt.

Das Gesundheits- und Athletikzentrum „CE10.Fit“ im Moerser Zentrum ist ein großer Komplex. Im vergangenen Oktober hat Christian Ehrhoff hier seine zweite Karriere gestartet. Er ist nun eine Art Dienstleister und einer von drei Gesellschaftern. Er möchte den Menschen etwas zurückgeben als ehemaliger Eishockey-Profi in Krefeld, Köln und Nordamerika. Training, Therapie und Tipps für Sportler aller Couleur, ausdrücklich nicht nur für gestählte Profis. Dafür hat der 36-Jährige in seiner Heimatstadt Moers dem Trainingszentrum auch eine Akademie angeschlossen, wo in Seminaren und Workshops über die richten Übungen, Körper, Ernährung und Gesundheit informiert wird. Außerdem lädt Ehrhoff nun auch regelmäßig zu Talkrunden ein. Am Mittwochabend plauderte er mit KFC-Legende Friedhelm Funkel über den Profisport und die damit verbundenen Herausforderungen und Risiken. „Wir können die Zukunft selbst gestalten“, lässt sich Ehrhoff in einer Broschüre zitieren.

Soziale Netzwerke erhöhen
den Stress

Teamgeist, Stressbewältigung, Motivation, Trainingssteuerung, Zielfokussierung sowie der Umgang mit Erfolg und Misserfolg waren Themen der Runde. Bei einem Gespräch mit unserer Redaktion im Vorfeld der Talkrunde hob Ehrhoff schon auf die psychischen Belastungen als Person der Öffentlichkeit ab. Der Leistungsdruck, die Erwartungshaltung, die Kritik von außen: „Man muss einen Weg finden, damit umzugehen, das nicht zu sehr auf einen kommen zu lassen. Man sollte sich nur auf seine Aufgabe konzentrieren“, sagte der langjährige NHL-Profi, der auf 862 Einsätze kam.

Viel Stress entstehe vor allem heute durch die sozialen Netzwerke. Dort, wo jedermann seine Meinung sagen kann, beleidigt und auch mal mit draufhaut auf die Stars da unten auf dem Eis. „Damit muss ein Sportler klar kommen. Ich rate dazu, diesen Foren oder Chats fern zu bleiben, gar nicht da zu lesen. Man kann es eben nicht allen rechtmachen.“

Ehrhoff hat es erlebt, was psychische Krankheiten im Sport für Folgen haben können. Sein früherer Mitspieler Rick Rypien hat sich umgebracht – er litt unter Depressionen.  „Man sah es ihm nicht an. Das hat mich sehr schockiert.“ Der 36-Jährige plädiert für einen anderen Umgang: „Für Vereine sollte so etwas immer ein Thema sein. Es wird im Sport noch vernachlässigt.“ Das betreffe auch den Umgang mit Erfolg und Niederlagen. Ehrhoff verlor mit den Vancouver Canucks das entscheidende Spiel im Finale um den Stanley-Cup in der NHL: „Aus Niederlagen lernt man oft mehr. Es macht einen stärker.“

Für junge Sportler hat der frühere deutsche Nationalspieler auch Tipps zur Fokussierung: „Man muss sich Ziele setzen und diese nicht aus dem Auge verlieren. Ohne Ziel ist man planlos.“ Vor allem auch der Glaube an sich selbst sei ein wichtiger Pfeiler: „Rückschläge gehören dazu. Die Zweifler werden einem immer wieder begegnen. Man sollte immer weiter an seinen Zielen arbeiten.“

Seine Zukunft sieht Erhoff derzeit nicht im Eishockey. An eine Rückkehr ins operative Geschäft bei den Krefeld Pinguinen oder beim Deutschen Eishockey Bund denke er nicht: „Es gibt keine Pläne in diese Richtung.“ Seine Aufmerksamkeit gilt seinem Sport- und Gesundheitszentrum. „Ich habe in dem einen Jahr hier noch keine Langeweile gehabt.“

Der Meister-Pinguin von 2003 hat immer noch ein Auge für seinen früheren Klub, wenn auch aus der Entfernung: „Ich sehe die Entwicklung kritisch. Sportlich lief es nicht gut. Man fragt sich auch immer: was passiert neben dem Eis? Für Matthias Roos (Sportdirektor, Anm. d. Red.) ist es bestimmt keine einfache Situation.“

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