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Krefeld: Lisa Schmidla — dann macht es klick

Krefeld : Lisa Schmidla — dann macht es klick

Ruder-Olympiasiegerin vom Crefelder RC holt bei den deutschen Kleinboot-Meisterschaften auf dem Elfrather See den Titel.

Krefeld. Nach dem Rennen liegen sich zwei Olympia-Siegerinnen auf dem Bootssteg des Elfrather Sees in den Armen. Diesmal haben sie nicht in einem Boot gesessen, wie im Doppelvierer in Rio de Janeiro im August. Jede kämpfte am Sonntag für sich, und die Krefelderin Lisa Schmidla gewann vor Annekatrin Thiele aus Leipzig die deutsche Kleinboot-Meisterschaft. 50 Meter vor dem Ziel brauste der Applaus der heimischen Fans auf. Dann gab es zahllose Gratulations-Küsschen für „unsere“ Lisa.

Die Verantwortlichen des Crefelder Ruder-Clubs (CRC), allen voran Vorsitzender Christoph Lüke, zeigen strahlende Gesichter. Die Meisterschaft läuft wie am Schnürchen. Rund 3000 Besucher — von denen auch einige zufällig beim Joggen oder Fahrradfahren vorbei kommen — stehen im Sonnenschein bei kaltem Wind, feuern die Top-Athleten auf dem Wasser an.

„Wir haben Spitzenruderer aus ganz Deutschland hier“, sagt CRC-Ehrenvorsitzender Walter Jansen. Er freut sich vor allem über die erfolgreichen jungen Sportler des Vereins und solche, die es waren: „Mit Jochen Urban und Sebastian Schmidt haben wir zwei Ärzte an der Strecke, die einst im Deutschland-Achter saßen.“ Trainerin Sabine Tschäge: „Die Mediziner hatten zwei Einsätze bei zwei Ruderinnen, die baden gingen, nach dem anstrengenden Rennen nicht aufpassten und einmal die Rolle ins ziemlich kalte Wasser machten. Das kann passieren.“

A propos kaltes Wasser: „Erst wenn es wärmer wird, ist es möglich, Rekorde zu fahren“, sagt Tschäge. „Badetemperaturen sind da besser geeignet. Die Bedingungen sind hier anspruchsvoll, aber fair.“ Der Wind schiebe von hinten gerade auf die Strecke, so seien die Rennen ziemlich schnell, aber nicht rekordverdächtig.

Rekorde wird es eher bei der Junioren-Europameisterschaft im Mai an gleicher Stelle geben. „Ich war erst skeptisch, ob die große Veranstaltung hier klappt“, erzählt Brigitte Bielig, Bundestrainerin der U 19- und U 23-Sportler aus Dresden. „Jetzt läuft alles toll. Ich sehe mein Vertrauen bestätigt. Deshalb bin ich für die EM sehr zuversichtlich.“

Sabine Grages-Nwajide aus Hannover schaut der rudernden Tochter zu und ist sehr angetan. „Wir haben uns am Wochenende Krefeld angeguckt und sind begeistert von so viel Grün.“ Bei jedem Rennen jubeln und klatschen die Zuschauer. Sportler, die gerade nicht am Start sind, feuern die Vereinskollegen auf den letzten Metern vor dem Ziel lautstark an. Alle starten an der neuen Anlage im nördlichen Bereich der Regattastrecke und sind mit bloßem Auge zuerst nur als kleine Punkte zu sehen. Es sei denn, der Besucher guckt auf die große Videoleinwand.

Am spannendsten ist das Rennen von Lisa Schmidla: Sie fährt auf Bahn vier, ihr Boot hat die Startnummer acht, und sie rudert auf den ersten 500 von 2000 Metern auf der fünften Position. „So hat sie schon als Mädchen begonnen“, stöhnt der Sprecher durchs Mikrofon. Aber auch er weiß, wie alle anderen Zuschauer, dass sich Lisa Schmidla im Verlauf des Rennens stets nach vorne schiebt. 150 Meter vor dem Ziel tritt die Krefelderin aufs „Gas“ und gewinnt. „Ein donnernder Applaus für unsere Olympiasiegerin“, ruft der Sprecher. Die geschlagene Annekatrin Thiele sagt: „Es war unser erster Wettkampf über die 2000 Meter seit Rio. Ich bin zum ersten Mal hier. Die Schiri-Boote machen zu viel Wellen“, findet sie, und die beiden Erstplatzierten nehmen dann von Oberbürgermeister Frank Meyer die Urkunden entgegen.

Ausnahmesportlerin Schmidla hat viel Spaß, vor heimischem Publikum auf dem See zu rudern, den sie so gut kennt. „Es kam mir zum Schluss vor wie eine Sprintmeisterschaft“, erklärt sie und lacht. Zu ihrem Rennverlauf meint sie. „Ich kann nicht anders. Ab 1000 Metern macht es ,klick‘.“