Leichtathletik: Spanaus hält Krefelder Fahne bei der WM hoch

Leichtathletik: Spanaus hält Krefelder Fahne bei der WM hoch

Der Sportwissenschaftler aus Traar betreut gleich mehrere afrikanische Athleten.

Krefeld. Wenn am Samstag im Berliner Olympiastadion die 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaften eröffnet werden, ist Krefeld als einstige Leichtathletik-Hochburg ohne Aktive vertreten, nachdem Zehnkämpfer Michael Schrader (SC Bayer Uerdingen) absagen musste.

Doch im 47-jährigen Winfried Spanaus wird zumindest ein Krefelder dabei sein. Der promovierte Sportwissenschaftler und Inhaber der Trainer-A-Lizenz ist in Sachen Leichtathletik-Entwicklungshilfe tätig.

Schon drei Wochen vor der WM begann für den Traarer die Arbeit in der Sportschule Wedau. Dort betreut Spanaus im Auftrag des Auswärtigen Amtes gleich sechs WM-Teilnehmer aus Madagaskar, Marokko und dem Kongo.

Im Rahmen der WM leitete die Politik in Berlin ihre Entwicklungshilfegelder für die Leichtathletik einfach um. 13 Trainingsstützpunkte wurden bundesweit für Athleten aus so genannten Schwellenländern eingerichtet. Seitdem wartet auf den Lehrer der Marienschule (Latein, Englisch, Sport) täglich ein Fulltimejob.

"Die größte Überraschung habe ich gleich am Düsseldorfer Flughafen erlebt. Statt der angekündigten 15 Sportler und Trainer kamen gerade einmal sechs an. Einigen Athleten aus dem Kongo wurde einfach die Ausreise verweigert, oder sie erhielten erst gar kein Visum", staunte Spanaus nicht schlecht.

Neben den täglichen Trainingseinheiten im Duisburger Leichtathletik-Stadion ist der ehemalige Marathonläufer des SC Bayer Uerdingen auch für das Rahmenprogramm zuständig. Eine zünftige Drachenbootfahrt, Klettertouren und ein Großeinkauf bei einem Media-Discounter standen auf dem Programm.

Doch den Vogel schoss Spanaus mit einer Kaffeetafel im Garten der Großmutter eines Freundes ab. "So einen Kaffeeplausch kannte keiner der Sportler. Die haben sich alle von den vier Torten noch etliche Stücke einpacken lassen", sagte der dreifache Familienvater.

Kopfzerbrechen bereiteten Spanaus jedoch die drei marokkanischen Sprinter samt Trainer: "Als gläubige Mohammedaner essen alle nur geschächtetes Fleisch. Doch ein Duisburger Metzger konnte helfen, nachdem die Küche der Sportschule überfordert abgewinkt hatte.

Einen Medaillenkandidaten hat Spanaus unter seinen Schützlingen nicht. Der beste 100-m-Sprinter weist eine Bestzeit von 10,1 Sekunden auf. Doch Hilfe ist stets gefragt. So verpasste Spanaus, der ein Fachbuch zum Thema Herzfrequenz im Ausdauersport veröffentlichte, der kreuzunglücklichen kongolesischen 1500 m-Mittelstrecklerin Francine Nlampadi einen völlig neuen Trainingsplan.

"Ich hoffe, sie wird in Berlin im Vorlauf zumindest eine Bestzeit laufen, mehr war in der Kürze der Zeit nicht zu leisten", sieht Spanaus in Zukunft weiterhin viel Arbeit auf sich zukommen. Zuvor war der Krefelder schon als Trainer in der Mongolei und Pakistan tätig.

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