Krefelder Martin Brieden nimmt an WM im Feuerwehrsport teil

Vor WM : „Beim Feuerwehrsport wird jeder Fehler bestraft“

Interview Martin Brieden startet bei der Weltmeisterschaft der Feuerwehrsportler in Kanada. Hier spricht er über seine Ziele und das harte Training.

Am Mittwoch starten in Kanada die „FireFit Worlds Championships“, also die Weltmeisterschaft der Feuerwehrsportler. Krefelds Sportler des Jahres, Martin Brieden, ist bei den Wettkämpfen in der Nähe von Toronto dabei. Auf Zeit werden er und seine Konkurrenten Feuerwehreinsätze simulieren. Der 36-Jährige erzählt, worauf es ankommt und warum die Starter aus Nordamerika so stark sind.

Sie sind Seriensieger bei nationalen Meisterschaften und haben schon sechs Weltmeisterschaften absolviert. Sind die kommenden Tage in Kanada trotzdem noch etwas Besonderes?

Martin Brieden: Eine WM ist immer etwas Besonderes. Schließlich musste ich gute Vorleistungen erbringen, um teilzunehmen. Zudem habe ich den Anreiz, mein Bestes zu geben und nicht der Schlechteste zu sein. Für manche geht es nur um die Teilnahme. Ich sehe das anders. Da treffen sich die Besten der Welt, da will ich mich nicht schlecht verkaufen.

So hart ist das Training mit einem Feuerwehrsport-Meister

Wie läuft der anstehende Wettkampf ab?

Brieden: Alle Aufgaben absolvieren wir in Feuerwehrmontur – mit angeschlossenem Atemschutz. Wir starten am Fuß eines dreigeschossigen Turms. Dann laufen wir mit einem 20 Kilo schweren Schlauchpaket auf die dritte Etage. Das legen wir oben ab und ziehen noch mal 20 Kilo am Turm hoch. Danach geht es wieder runter. Dort simulieren wir an einer Schlagmaschine das Eindringen durch eine Tür. Danach geht es durch einen Slalom-Parcours und dahinter schießen wir nach dem Ausziehen eines Feuerwehrschlauchs ein Hindernis mit einem Wasserstrahl ab. Zum Abschluss ziehen wir einen 80 Kilo schweren Dummy 30 Meter ins Ziel.

Puh und das Ganze geht noch auf Zeit.

Brieden: Genau. Wenn es gut läuft, brauche ich 1:35 Minuten oder 1:36 Minuten. Das war die Zeit aus dem letzten Jahr. Am liebsten würde ich noch darunterbleiben.

Wie sieht der Wettkampftag aus?

Brieden: Eigentlich sind es mehrere Tage. Ich habe mich für die sogenannten Wildcard-Days in Kanada qualifiziert. Das sind die ersten drei Tage, an denen man die Möglichkeit hat, vor Ort noch mal eine schnelle Zeit abzuliefern. Gelingt das, nehme ich am Hauptwettkampf am Samstag teil. Der Tag ist fast wie jeder andere. Ich stehe auf, frühstücke – na gut, vielleicht bin ich etwas nervöser. Dann kommt die normale Routine vor dem Wettkampf: Warm machen und fokussieren. Und endlich das Programm abspulen, das ich lange vorbereitet habe.

Welcher Platz soll damit rausspringen?

Brieden: Das ist schwer zu sagen. Die Konkurrenz ist enorm. Der Sport wird in den USA und Kanada ganz anders gefördert als in Deutschland. Da hat fast jede Feuerwehrwache einen originalen Turm und die originalen Gerätschaften zum Trainieren. Das muss ich mir alles selber improvisiert zusammenschrauben.

Wie haben Sie sich auf die WM vorbereitet?

Brieden: Ich habe die Übungen simuliert und dabei das Gewicht gesteigert. So fallen die Gewichte, die ich beim Wettkampf vorfinde, leichter. Das macht sich über die Monate bemerkbar.

In Kanada würden die meisten Urlaub machen. Können Sie vor Ort auch genießen?

Brieden: Der große Fokus liegt auf dem Sport. Meine Freundin und ich sind aber ein paar Tage eher gekommen und bleiben etwas länger. Wir haben Toronto gesehen. Danach fahren wir zu den Niagara-Fällen.

Selbst Sie können also etwas Ruhe vertragen?

Brieden: Das muss sein. Wie oft kommt man nach Kanada? Es wird wohl nicht mehr so oft vorkommen. Da muss man manches mitnehmen. Nur aus Sport besteht nicht das ganze Leben.

Dennoch brauchen Sie dafür viel Zeit. Was fasziniert Sie nach mehr als zehn Jahren noch an Ihrem Hobby?

Brieden: Ursprünglich komme ich vom Lang- und Mittelstreckenlauf. Da war es irgendwann so, dass das Kribbeln fehlte. Beim Feuerwehrsport wird jeder Fehler bestraft. Wenn du beim Runterlaufen eine Stufe auslässt, gibt es direkt zwei Sekunden Strafe. Oder der Schlauch, der muss bei einer Aufgabe voll ausgezogen werden. Unter Volllast müssen wir also auf viele Details achten. Das fehlt in der Leichtathletik.

Macht Sie der Sport zum einem besseren Feuerwehrmann als die Kollegen?

Brieden: Das sehe ich nicht so. Ich verlange auch nicht von jedem das gleiche Engagement. Alle Kollegen sind fit. Viele machen einen anderen Sport, teilweise auf hohen Leistungsebenen. Die anderen bekommen unsere Aufgaben also auch hin. Aber natürlich fällt mir die Arbeit weniger schwer.

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