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Krefeld: Frauenfußball - das Rezept für den Erfolg

Frauenfußball : Frauenfußball – das Rezept für den Erfolg

Die Akzeptanz ist vielerorts nicht gegeben – in Anrath, Linn und Uerdingen sind die weiblichen Teams allerdings wichtiger Bestandteil der Vereine.

Ob Herren oder Damen – am Wochenende geht es wieder los. Der Start in die neue Amateurfußballsaison steht bevor. Doch während die Herren im Kreispokal traditionell nur die vier Teilnehmer für den Niederrheinpokal ermitteln, wird bei den Frauen bis zuletzt um den Pokal gekämpft. Und dieser geht in diesem Jahr an die Frauen des SC Bayer Uerdingen.

Etwas überraschend setzte sich der Bezirksligist im Finale gegen die Viktoria Anrath mit 2:1 durch. Lisa Arend und Alexandra Goatley trafen für Bayer, Sophie Knöfel gelang in der 67. Minute nur noch der Anschlusstreffer. Damit durchkreutzten die Uerdingerinnen den ranghöheren Landesligisten aus Anrath und Linn den Pokaltraum.

Ungeachtet dessen schreiben aber alle drei Vereine derzeit eine der wenigen Erfolgsgeschichten im Krefelder Frauenfußball. Nur wenige Gesamtvereine besitzen eine Frauen-Abteilung, die Akzeptanz ist vielerorts nicht gegeben. „Der Frauenfußball wird in vielen Vereinen nicht wirklich respektiert“, sagt Wilhelm „Willi“ Wirtz. Der 63-Jährige steht mit der Viktoria Anrath stellvertretend für ein Paradebeispiel, wie die Integration einer Damen-Abteilung in den Gesamtverein gelingen kann. Vor rund 13 Jahren übernahm er zusammen mit Michael Geifes das Kommando bei der Viktoria Anrath. Damals drohte sich die Mannschaft aufzulösen, eine Zukunft war nicht in Sicht. Weil seine Tochter Anna-Helena Wirtz bei der Viktoria spielte, entschied er sich das Training zu übernehmen und stand über zehn Jahre an der Seitenlinie.

Zusammen formten Wirtz und Geifes eine Abteilung, die heute rund 80 Personen und drei Mannschaften zählt. Der vorläufige Höhepunkt folgte im vergangenen Jahr, als die Damen nach einer starken Saison erstmals in die Landesliga aufstiegen. „Das war schon eine Erleichterung“, sagt Wirtz und meint: „Die Mannschaft ist mittlerweile so lange zusammen, dass wir vor der letzten Saison schon auf den Aufstieg hingearbeitet hatten.“

Der Schlüssel zum Erfolg liegt für Wirtz vor allem abseits des Platzes. Denn anders als in vielen anderen Vereinen läuft das Zusammenleben in Anrath perfekt: „Es herrscht einfach ein gutes Miteinander zwischen Damen und Herren. Man schaut sich gegenseitig die Spiele an und feiert zusammen den Saisonabschluss oder die Weihnachtsfeier“, sagt Wirtz, der weiß, dass Anrath damit eine Ausnahme bildet: „Ich bin der Meinung, dass viele Vereine einen Fehler machen, denn die Frauen tragen enorm zu einem guten Vereinsleben bei. Ich würde mir einfach wünschen, dass der Frauenfußball mehr wertgeschätzt wird.“

Anratherinnen als Aushängeschild des Frauenfußballs

Ein Satz, der genauso auch aus dem Mund von Marcel Klüter stammen könnte. Der 37-Jährige trainiert seit drei Jahren die Damen des Linner SV. Gleichbedeutend mit den Anratherinnen sind sie das Aushängeschild des Frauenfußballs im Kreis Kempen/Krefeld. Die Linnerinnen spielen bereits seit der Saison 2017/18 in der Landesliga – in der kommenden Saison kommt es somit erstmals zum Liga-Duell zwischen Linn und Anrath. Auch für Klüter ist der Zusammenhalt im Verein entscheidend: „Ich bin seit fast zwanzig Jahren als Trainer tätig und ich habe noch keinen Verein erlebt, der so frauenfußballaffin ist wie der Linner SV. Hier wird alles für die Mädels gemacht und das spiegelt sich dann auch in der Mannschaft wider, in der so ein gutes Miteinander herrscht.“

Klüter trainierte vor einigen Jahren noch die U15-Juniorinnen beim MSV Duisburg. Dort stimmte die Zusammenarbeit irgendwann nicht mehr, es folgte der Wechsel nach Linn. Über die vergangenen Jahre lernte Klüter viel über den hiesigen Frauenfußball. Die Problematik liegt für ihn vor allem auch an der starken Konkurrenz im Umland: „Es gibt hier einfach extrem viele gute Vereine im Einzugsgebiet. Sei es der MSV Duisburg, die SGS Essen oder Borussia Mönchengladbach. Die guten Spielerinnen sind schnell weg, deswegen tun sich viele Vereine auch schwer, eine Frauenabteilung zu gründen.“

Neben dem Linner SV und der Viktoria Anrath spielen mit den beiden Grenzland-Teams des SC Union Nettetal und des TSV Kaldenkirchen gleich vier Frauen-Teams aus dem Kreis sechs in der Landesliga. Hinzu kommen die ambitionierten Uerdingerinnen, die nach dem Kreispokalsieg den Aufstieg in der Bezirksliga anpeilen. Wenn es am Wochenende dann wieder mit dem Ligabetrieb losgeht, ist Spannung also garantiert.