KFC Uerdingen: Stefan Krämer fordert Pokalmentalität

KFC Uerdingen: Stefan Krämer fordert Pokalmentalität

Der KFC-Trainer sucht vor dem Auftakt nach Maßnahmen, um seine Spieler 38 Mal zu Höchstleistungen zu motivieren.

Stefan Krämer möchte sich nicht in Floskeln flüchten. Denn der Trainer des KFC Uerdingen ist selbst großer Fußballfan und hat keine Lust auf Plattitüden à la „Wir schauen nur von Spiel zu Spiel“.

Doch vor dem Saisonstart am Sonntag in Duisburg gegen die SpVgg Unterhaching (14 Uhr) ist genau das Krämers Idee, vor einer mit 38 Drittligaspielen und dem Niederrheinpokal sehr kräftezehrenden Spielzeit. „Deshalb wünsche ich mir eine Mannschaft, die eine Pokalmentalität entwickelt“, sagt Krämer, „die also jedes Spiel aufs Neue annimmt als wäre es ein Endspiel, als wäre es das wichtigste Spiel des Jahres. Nur so können wir die Spannung hochhalten.“

Stefan Krämer, KFC-Trainer

Aus diesen Gründen wollte Krämer seinen großen Kader auch nicht verkleinern. Auch wenn er jetzt mit 27 fitten Spielern nach der Vorbereitung die Qual der Wahl hat. „Es ist schon schwierig, wenn du neun Spielern mitteilen musst, dass sie zum Auftakt nur auf der Tribüne sitzen“, sagt der 51-Jährige. „Das sind Gespräche, die definitiv nicht vergnügungssteuerpflichtig sind.“ Dabei möchte sich Krämer nicht in die Karten schauen lassen, welche Spieler er zu einer Art Stammelf zählt und welche er eher als Ergänzung sieht.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass im besten Fall ein arriviertes Quartett die Offensivabteilung bildet: Weltmeister Kevin Großkreutz auf links, der Münchner Stefan Aigner auf rechts, zentral Maximilian Beister und ganz vorne Toptorjäger Lucas Musculus. Dabei ist Krämer wichtig, dass seine Spieler nicht auf festen Positionen verharren, sondern flexibel sind, sich im Gegenpressing gegenseitig helfen.

„Für unser aggressives Spiel sind wir körperlich schon in einer sehr guten Verfassung. Und auch taktisch läuft es gut“, sagt Krämer. Dabei ist er erstaunt, dass sein Team in den sechs Vorbereitungsspielen keinen Ausreißer nach unten hatte und dass kein Spieler — außer der langzeitverletzte Maurice Litka — unter Wehwehchen leidet. „Keine Selbstverständlichkeit bei dieser hohen Trainingsbelastung.“

Mit Unterhaching erwartet er einen Gegner, der „im Deckungsschatten namhafter Klubs schlau arbeitet. Die wollen aufsteigen und haben eine richtig gute Mannschaft, die mit tollen Aufbauvarianten viel über die Erde spielt.“ Generell ist Krämer begeistert von der Konkurrenz: „Das ist die beste 3. Liga seit ihrem Bestehen (seit 2008, Anm. d. Red.). Da war noch nie so viel Qualität drin wie dieses Jahr.“

Dabei müsse der KFC sich bis zum Winter so gut wie möglich platzieren, denn „in der Rückrunde passiert hier meist mehr als in anderen Ligen“. Und Krämer muss es wissen. Arminia Bielefeld führte er 2013 aus der 3. in die 2. Liga, mit Energie Cottbus und Rot-Weiß Erfurt spielte er auch drittklassig.

Aus diesem Grund weiß er auch, dass der baubedingte Umzug nach Duisburg durch die Renovierung der Grotenburg sehr wohl ein Nachteil sein kann. „Ich denke schon, dass unsere Spiele gut besucht sein werden. Aber ich finde es nicht gut, dass unsere Fans, die wirklich Stimmung machen, so weit weg sein werden.“ Damit meint er den Stehplatzbereich, der auf den Oberrang in die Ecke verlegt wurde. „Das werden 38 Auswärtsspiele. Natürlich ist das unglücklich, aber auch nicht zu ändern.“

Und deshalb lässt sich Krämer davon nicht beirren. Zu gut ist die Gesamtsituation, zu groß die Vorfreude. „Daher sage ich zu den Spielern: ,Nicht so viel reden, abliefern’.“ Und damit ist wohl alles gesagt.

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