Eishockey: „Ich habe immer versucht, Spaß zu haben“

Eishockey : „Ich habe immer versucht, Spaß zu haben“

18 Monaten nach dem Karriereende lädt Herberts Vasiljevs zum Abschiedsspiel.

Herberts Vasiljevs zählt die Tage. Nicht mehr lange, dann ist es soweit. Am Samstag bekommt der 42-Jährige das, was eine Legende des Krefelder Eishockey verdient. Bei seinem Abschiedsspiel kommen alte Freunde, Fans und alle, die ihn über seine 13 Saisons im Dress der Krefeld Pinguine begleitet haben. 639 DEL-Spiele absolvierte er in dieser Zeit, missen will er heute keines davon. Von schlimmen Verletzungen bis hin zu den schönsten Moment auf und abseits des Eises. Im Gespräch mit der WZ lässt der Deutsch-Lette seine eindrucksvolle Karriere Revue passieren.

Meine Spiele, an die ich mich besonders gerne erinnere

Ziemlich am Anfang meiner Karriere, als ich in Nordamerika gespielt habe, gewann ich in Orlando den Turner Cup. Damals hieß die Liga noch International Hockey League. Wenn man ein Finale gewinnt und dann einen Pokal in die Höhe stemmen kann, bleibt das in Erinnerung. In Krefeld war das Acht-Scorer-Punkte-Spiel im Jahr 2006 einer der schönsten meiner Karriere. Einen DEL-Rekord stellt man schließlich nicht alle Tage auf.

Meine die schönsten Momente neben dem Eis

Ich habe so viele Jahre hier gespielt, jedes Jahr passiert was anderes. Wir hatten so viel Spaß in der Kabine und über die Jahre entwickeln sich viele Geschichten. Ich habe immer versucht, Spaß zu haben, auch in Momenten, in denen es mal nicht so lief. Eishockey muss man genießen.

Meine besten Freunde aus
meiner Zeit in Krefeld

Nach der Karriere sind viele Spieler natürlich in ihre Heimat nach Nordamerika gegangen. Mit Scott Langkow und Chris Herperger habe ich heute noch Kontakt. Eine wirklich dicke Freundschaft hat sich mit Boris Blank entwickelt und auch Richard Pavlikovsky und Dusan Milo sind echte Freunde von mir. Wir sind sozusagen die Europäische Union, die zusammen bleibt.

Meine Gegenspieler, die mich am meisten beeindruckt haben

Die DEL hatte zwar auch ein hohes Niveau, aber mir bleiben da die Duelle gegen die Superstars der NHL in Erinnerung. Gegen Jaromir Jagr oder Alexei Kovalev zu spielen, war der Wahnsinn. Als der Lockout in der NHL war und viele Stars nach Deutschland in die DEL kamen, das war auch ein Highlight. Da denke ich vor allem an Daniel Brière, der in Berlin spielte.

Diese Trainer haben mich
am nachhaltigsten geprägt

Als Spieler wurde ich, wie viele andere auch, besonders in der Jugend geprägt. Mein Vater und mein Onkel haben mich erzogen und zu dem Spieler gemacht, der ich geworden bin. In jungen Jahren habe ich in Orlando unter Peter Horachek gespielt. Er hat mir auch so Einiges beigebracht.

Diese Menschen sind mir
ans Herz gewachsen

Durch das Eishockey lernt man viele Leute kennen. Ich habe noch immer ein gutes Verhältnis zu meinen Nachbarn. Natürlich sind mir auch die Fans ans Herz gewachsen, die wirklich großartig waren.

Meine schlimmsten Verletzungen

Wenn man noch jung ist, macht man sich über die Verletzungen, die einem passieren, noch nicht so große Gedanken. Ich wollte immer so schnell es geht, auf das Eis zurück. Als ich mir 2013 den Knöchel gebrochen hatte, war es besonders schwer zurückzukommen. Aber das gehört zum Eishockey dazu. Man darf nie Angst haben, muss immer durchziehen. Auch heute merkt man die Schmerzen natürlich ab und an. Aber das wusste ich vorher. Wenn du diesen Sport wählst, weißt du, was auf dich zukommt.

Meine schönsten
und wichtigsten Tore

Jedes Tor in der NHL ist ein absolutes Highlight, das man nicht vergisst. In Deutschland waren es die Tore gegen Düsseldorf und Köln. Die sind ja quasi doppelt so wichtig für Mannschaft und Fans. Das Penaltyschießen hat mir immer besonders viel Spaß gemacht. Das Eins-gegen-Eins mit dem Torwart und die Nervosität in der Halle. Das war immer nervenaufreibend.

Meine größten Erfolge in Krefeld

Die Zeit zwischen 2010 und 2013 war die erfolgreichste hier. Da waren wir zweimal in drei Jahren im Play-off-Halbfinale. Das war für unsere Verhältnisse damals echt klasse. Wir hatten hohe Erwartungen und ich glaube, es wäre viel mehr drin gewesen. Schade, dass es mit der Meisterschaft nicht geklappt hat.

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