Handball: „Für mich ist die Insolvenz doppelt bitter“

Handball: „Für mich ist die Insolvenz doppelt bitter“

Alexander Feld spielte sich beim Handball-Bundesligisten HSV Hamburg in den Vordergrund — dann ging der Verein pleite.

Der Krefelder Alexander Feld ist Vollprofi. Jeden Tag Training, teilweise mehrere Spiele die Woche — zumindest war dies bis Anfang des Jahres sein Alltag. Denn seit dem 15. Januar ist klar, der Handball-Bundesligist HSV Hamburg ist pleite, die Spielzeit wird nicht fortgesetzt. Für die Spieler bedeutet dies schlichtweg die vorübergehende Arbeitslosigkeit. Der 22 Jahre alte Alexander Feld ist deshalb gerade auf der Suche nach einem neuen Verein. Die Aussichten auf einen Erstligisten sind schlecht. Warum er trotzdem nicht glaubt, dass seine Karriere einen Knick erleiden wird, erklärt Feld, ehemaliger Junioren-Nationalspieler, im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Feld, haben Sie schon verarbeitet, dass Sie derzeit vereinslos sind?

Alexander Feld: Ja, auch wenn die Verkündung der Insolvenz für uns alle ein riesen Schock war. Uns war zuvor mehrfach versichert worden, dass es in Hamburg weitergeht.

Fühlen Sie sich betrogen?

Feld: Wenn man dem Glauben schenkt, was alles geschrieben wurde, dann muss man zumindest auch daran denken, dass wir Spieler hier vorsätzlich betrogen worden sind. Aber das ist nicht meine Sache das Ganze zu beurteilen.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne jetzt aus?

Feld: Ich suche derzeit einen neuen Verein. Da viele Bundesligisten aber kaum noch Budget für die laufende Spielzeit haben, wird es wohl auf einen Zweitligisten oder einen Club im Ausland hinauslaufen.

Wohin es geht, wollen Sie aber noch nicht verraten?

Feld: Das kann ich auch noch gar nicht, da ich zusammen mit meinem Berater noch die Angebote studieren muss und wir aktuell auch schon in Verhandlungen stehen. Möglich sind viele Lösungen. Es muss aber natürlich auch finanziell passen, da ich seit Oktober kein Gehalt mehr bekommen habe und obendrauf noch drei Monate lang die Wohnung in Hamburg zahlen muss.

Spielen die Zweitligisten aus Essen oder Dormagen in Ihren Planungen auch eine Rolle — aufgrund der Nähe zu Ihrem Elternhaus in Traar?

Feld: Ja, auch das fließt in meine Überlegungen mit ein. Aber ich suche mir das beste Angebot raus und dann schauen wir mal.

Ab Sommer soll es dann aber schon wieder die Bundesliga sein?

Feld: Natürlich, das ist mein Anspruch und ich denke, dass ich in den anderthalb Jahren beim HSV bewiesen habe, dass ich auf Top-Niveau spielen kann. Es gibt viele Vereine, die Anfragen für die kommende Saison gestellt haben. Jetzt aber wird es erstmal wichtig sein, für das kommende halbe Jahr die optimale Lösung zu finden.

Sie waren in Hamburg seit dieser Saison immer besser in Form gekommen.

Feld: Ja, für mich ist die ganze Sache mit der Insolvenz doppelt bitter, weil ich unter meinem Trainer Michael Biegler, den ich schon aus meiner Zeit in Leipzig kannte, eine richtig gute Entwicklung genommen habe in Hamburg.

Sind Sie enttäuscht, wenn Sie Ihre ehemaligen Kollegen aus den Junioren -Nationalmannschaften derzeit bei der EM sehen?

Feld: Nein, ich freue mich riesig, dass Jungs wie Fabian Wiede oder Finn Lemke es geschafft haben und derzeit ja auch eine gute Rolle bei der EM spielen.

Haben Sie Kontakt zu den ehemaligen Kollegen?

Feld: Ja, vor allem mit Finn Lemke, dem ich auch nach dem starken Spiel gegen Schweden gratuliert habe. Er hat sich dann auch erkundigt, wie es bei mir weitergeht.

Die Insolvenz des HSV ist auch in der Nationalmannschaft ein großes Thema?

Feld: Klar ist es das. Keiner wünscht sich so etwas. Für ältere Mannschaftskollegen wie Pommes (Pascal Hens, Anm. d. Red.) oder Johannes Bitter geht es ja auch um die Frage, ob sie was Neues finden werden.

Was erwarten Sie von der Nationalmannschaft nach dem 25:21-Erfolg gegen Slowenien bei der EM noch?

Feld: Ich denke, dass man schon jetzt großen Respekt aussprechen sollte. Wir haben gegen Spanien, Slowenien und Schweden gezeigt, dass wir absolut konkurrenzfähig sind. In der Hauptrunde gilt die gleiche Devise wie in der Vorrunde — wir brauchen uns vor keinem Gegner zu verstecken. Aber im schlimmsten Falle drohen drei Niederlagen. Wichtig ist, dass die Abwehr genauso stabil steht wie gegen Schweden und Slowenien. Ich traue den Jungs durchaus den Einzug ins Halbfinale zu.

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