Die Rache bleibt aus: Felix Sturm verliert seinen WM-Titel

Die Rache bleibt aus: Felix Sturm verliert seinen WM-Titel

Krefeld. Felix Sturm weiß beim Gong der 12. Runde im Boxkampf gegen Sam Soliman bereits, dass dies nicht der Tag der Titelverteidigung für ihn sein wird. Während der Australier jubelnd die Faust Richtung Hallendach im König-Palast streckt, sinkt Sturms Kopf auf die eigene Brust.

Und Sekunden später wird Sam Soliman als neuer IBF-Champion im Mittelgewicht von Ringrichter Jimmy Lennon Junior ausgerufen.

Die Freude in der blauen Ecke ist nach Verkündigung des klaren Urteils (118:110, 117:111, 118:110) riesengroß. Enttäuschung und Frust hingegen in der roten Ecke bei Felix Sturm. „Ich habe taktisch nicht das umgesetzt, was mir mein Trainer Fritz Sdunek mit auf den Weg gegeben hatte“, sagte Sturm.

Als um 23.17 Uhr der Auftakt zu einem wilden Boxkampf beginnt, ist schnell zu sehen, dass Sturm es mit der Brechstange versucht. Soliman ist bestens eingestellt, bewegt sich gut und schlägt viel häufiger als sein Kontrahent. „Sein Tempo war stark“, gibt Sturm nachher unverhohlen zu. Der „Australian King“ boxt nicht immer fair. Mal rauscht sein Kopf gegen den Kiefer von Sturm, mal schleudert Soliman seinen 35-jährigen Gegner in die Seile. Doch die unorthodoxe Kampfweise hinterlässt Spuren bei Sturm.

In Runde fünf droht der Kölner sogar auf die Bretter zu gehen. „Dann habe ich meinen Stil aber umgestellt. So ging es nicht weiter“, sagte Sturm in der Analyse. Mehr Distanz, mehr Treffer mit der Führhand sowie Kinn- und Leberhaken, die Eindruck hinterlasse. „Er hat gut getroffen, doch ich hatte immer eine Antwort parat“, sagte Soliman, der den Kampf hindurch immer wieder sein Lächeln zur Schau trägt.

Die Gewissheit, dass der Pflichtherausforderer uneinholbar vorne liegt, kommt spätestens zwei Runden vor Schluss. Soliman kann sein hohes Tempo vom Anfang wieder aufnehmen und lässt Sturm keine Chance, noch einmal in den Kampf zu kommen. „Ich habe gedacht, er knickt irgendwann ein“, sagte Sturm. Doch das tat Soliman nicht. Ganz im Gegenteil, der neue IBF-Champion im Mittelgewicht gibt in der letzten Runde noch einmal Vollgas und setzt Wirkungstreffer.

Als das Spektakel, das als „Rache des Champions“ verkauft wurde, sein Ende findet, leert sich die mit 8000 Besuchern gefüllte Halle schnell. Der im ersten Aufeinandertreffen der beiden Boxer des Dopings überführte Australier macht auch in der Neuauflage deutlich, dass er der flexiblere Boxer ist, der sich besser auf den Gegner einstellen kann. „Man muss auch sehen, dass es in der Karriere immer Gegner gibt, die einem nicht liegen“, sagte Sturm. Soliman ist für Sturm offenbar einer davon.

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