Die HSG Krefeld plant für die 2. Handball-Bundesliga

Handball : Wirtz: „Der Spirit in einer Mannschaft ist unvorstellbar wichtig“

Die HSG Krefeld geht die Planung für die 2. Liga an – was sich dann alles ändern wird, erzählt der Geschäftsführer im Interview.

Thomas Wirtz, Geschäftsführer des Handball-Drilligisten HSG Krefeld skizziert, was und wie sich der Club bei einem möglichen Aufstieg in die 2. Liga verändern wird.

Herr Wirtz, mit Gerrit Kuhfuß und Tim Gentges sind noch zwei Spieler aus dem Gründungskader vor sechs Jahren dabei. Wie viele Spieler benötigt die HSG im Falle eines Aufstiegs in die 2. Bundesliga?

Thomas Wirtz: Wir haben ein Mannschaftsprofil für die Positionen erstellt, wollen einen möglichst sinnvollen und großen Teil des Teams in die 2. Liga mitnehmen. Es wäre grundfalsch, bei einem Aufstieg alle auszutauschen, um alles ganz anders zu machen. Wir switchen keinen Halbprofikader in einen Vollprofikader um, dafür haben wir nicht die finanziellen Mittel.

Was ist bei einem Aufstieg sportlich wichtig?

Wirtz: Der Spirit in einer Mannschaft ist unvorstellbar wichtig. Beim Handball ist das noch viel intensiver als beim Fußball. Wir brauchen Charaktere, die was wollen, die bereit sind, das, was sie an Talent haben, hinein zu werfen.

Können sie konkreter werden?

Wirtz: Natürlich werden wir uns von Spielern trennen müssen, oder es wird Spieler geben, die den neuen Weg nicht mitgehen können oder wollen. Aus dieser Schnittmenge müssen wir entscheiden.

Marcel Görden ist so ein Kandidat?

Wirtz: Ja, er ist selbstständig, wird Vater, ist verheiratet, hat ein Haus gebaut. Gerrit Kuhfuß ist ein weiterer Kandidat, vor allem wegen seiner starken beruflichen Belastung. Stefan Nippes steht vor dem Ende seiner Karriere, hat dies uns vor zwei Jahren bei der Vertragsunterzeichnung so angekündigt. Für uns also keine Überraschung.

Bleibt denn der Polizist Tim Gentges?

Wirtz: Tim spielt die beste Saison seines Lebens, ist hochgradig motiviert, und der wird den Teufel tun, jetzt aufzuhören. Ihn sehe ich in der Mannschaft ganz weit vorn. Alle genannten Kandidaten, die unter Umständen aus dem Kader ausscheiden, tun dies nicht, weil sie uns verlassen wollen oder uns nicht mehr mögen oder zur Konkurrenz gehen. Sie gehen in Freundschaft oder bleiben im Hintergrund erhalten. Es gibt sogar Überlegungen, das einer von ihnen bei uns im Klub Aufgaben übernehmen soll.

Wäre das eine Aufgabe für Görden?

Wirtz: Da sage ich jetzt nichts zu. Marcel Görden ist das Gesicht der Mannschaft, er ist ein toller Typ, ein Topspieler. Wir haben damit einige Edeljoker im Verletzungsfall in der Hinterhand, ein unschätzbarer Wert.

Wie überzeugen Sie neue, zweitligataugliche Spieler, zur HSG zu kommen, wenn der Aufstieg erst nach der Relegation feststeht?

Wirtz: Wir müssen Spieler suchen, die wirtschaftlich bescheiden sind und zu uns passen. Die Lust am Projekt HSG haben und sportlich in die 2. Liga gehören. Wir müssen zweigleisig planen, und das macht unsere Arbeit nicht einfach. Topprofis in der 2. Liga sprechen von Gehältern zwischen 3000 und 5000 Euro netto plus Nebenkosten. Das ist absurd. Das wollen wir nicht. Die Aufgabenstellung für uns besteht darin, Spieler zu finden, die hoch talentiert sind und gut ausgebildet wurden und an der Aufgabe wachsen können und die dann vielleicht sogar noch aus der Region kommen. Wir müssen bemüht sein, unser Geld im besten Fall aufs Spielfeld zu bringen und nicht in Wohnung und Autos der Spieler stecken.

Liegen denn Angebote auf dem Tisch?

Wirtz: Wir haben ein Profil für Spieler entwickelt, die zu uns passen würden. Am liebsten hätten wir Erfahrung, der Spieler sollte jung sein und zweite Liga spielen können, aus der Region kommen und preiswert sein. Das wäre die Krönung, ist aber unrealistisch. Wir brauchen Leute, die uns helfen und uns qualitativ weiterbringen oder es in sehr kurzer Zeit schaffen werden.

Für die 3. Liga braucht es einen sechsstelligen Betrag mit einer zwei oder drei davor. Wie hoch wird der Zweitligaetat liegen?

Wirtz: Wir rechnen mit einem Etat von 600 000 Euro, als unterstem Einstieg. Das ist viel Geld, aber im Vergleich zum Fußball gar nichts.

Hat die HSG das Geld schon zusammen?

Wirtz: Ich habe keine Uhr im Wohnzimmer, die ständig läuft und anzeigt, wie viel Geld wir zusammen haben. Aber wir haben Etatplanungen und die Kosten geschätzt. Der Kader braucht eine Mindestgröße von 17 bis 18 Spielern. Ich habe ein komplettes Wunschteam im Kopf. Wir haben viele Partner, einige werden mehr geben, aber wir müssen uns noch strecken.

Wie unterstützt die Stadt Krefeld die HSG?

Wirtz: Wir hatten kurz vor Weihnachten gute Gespräche mit dem OB. Doch die Reaktionen sind dünn. Antworten und Feedbacks kommen sehr gemächlich. Wir haben keine unrealistischen Ansprüche. Wenn ich sehe, wie andere Sportarten unterstützt werden, kann ich nur sagen, ein bisschen mehr Interesse wäre schick.

Es kann ja nicht um finanzielle Zuwendungen gehen?

Wirtz: Nein, um erweiterte Hallenzeiten, um technische Themen. Um Dinge, die in der Halle anders zur Verfügung stehen müssen. Wir müssen professioneller werden. Dabei geht es natürlich ums Geld, aber bei der Stadt stehen Netzwerke dahinter. Wir brauchen Türöffner zu lokalen Geldgebern und eben Knowhow, das die Stadt zur Verfügung hat.

Wo sollen denn die fehlenden Gelder herkommen?

Wirtz: Wir reden von einem Bereich rund um Krefeld. Wir sind regional aufgestellt und haben was zu bieten. Ich sehe die Möglichkeit,, Lokalpatrioten zu finden, die bereit sind zu unterstützen.

Wie groß ist die Sponsorenzahl?

Wirtz: Wir haben 70 bis 80 Sponsoren. Das sind kleinere, mittelständige Unternehmen. Wir haben Spaß daran, Unternehmen zu finden und ihnen die Angst vor dem Sponsoring zu nehmen. Da sind nicht gleich fünfstellige Beträge fällig.

Gibt es Planungen für eine Geschäftsstelle?

Wirtz: In der Bundesliga ist eine Geschäftsstelle Pflicht, für die 2. Liga wird sie empfohlen. Fakt ist, dass wir zunächst die Gesellschaftsform ändern werden. Im Moment sind wir eine OHG, wir müssen aber eine GmbH werden, das fordert die Handball Liga. Eine Geschäftsstelle haben wir indirekt, müssen diese aber erweitern.

Ist nicht ein Unterbau mit Jugend und zweiter Mannschaft in der 2. Liga notwendig?

Wirtz: Ja, da gibt es diese Vorgaben, und wer das nicht erfüllt, muss Strafgelder bezahlen. Das kann aber auf Dauer nicht unser Ziel sein.

Wenn das erste Spitzenspiel gegen Essen oder im Fall des Abstiegs von Gummersbach anstünde, spielt die HSG dann in der Yayla-Arena?

Wirtz: Ich sage nicht, das wird auf keinen Fall passieren. In der Glockenspitzhalle können wir 3000 Zuschauer abdecken, was für die 2. Liga sehr viel ist. Natürlich fiebern wir auf solche Spiele hin. Ob wir in die Situation kommen, wo mehr als 3000 Zuschauer kommen, das wage ich jetzt einmal zu bezweifeln. Da bleibe ich demütig und bescheiden.

Mehr von Westdeutsche Zeitung