Die bewegende Geschichte des Lehrmeisters auf der Planche

Die bewegende Geschichte des Lehrmeisters auf der Planche

Lajos Csire wird mit dem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Lajos Csire kann etwas davon erzählen — von den großen Themen des Lebens. Von Flucht, Entbehrung, Aufstieg und Erfolg. Er hat das alles persönlich miterlebt. Und so rührt seine Geschichte auch das Publikum, als der heute 73-Jährige für sein Lebenswerk geehrt wird.

„Ich bedanke mich für die Chance, die mir Deutschland gegeben hat“, sagt er. Kein Name ist mit dem Fechtsport in Krefeld so eng verbunden wie der des Ungarn, der während des Aufstandes gegen die Sowjetmacht 1956 mit seiner Familie über Jugoslawien nach Frankreich floh. Dort besuchte er ein Internat in Limoges im Zentralmassiv, spielte so gut Fußball, dass er es wenige Jahre später sogar als Rechtsaußen für ein paar wenige Einsätze bis in die zweite französische Liga schaffte. Dem Ruf seiner Eltern folgte er nach Deutschland.

1967 machte er am Arndt-Gymnasium sein Abitur, 1969 begann er sein Studium in Köln für Sport und Französisch. Die Leidenschaft für den Fechtsport hatte er von seinem Vater, Lajos Csire senior, Fechtmeister und Sportlehrer. Der Junior ist früh aktiv und erfolgreich mit dem Florett. Er kämpft sich vor bis in die deutsche Top zwölf.

Dort trifft er auf der Planche einige Male auch auf einen gewissen Thomas Bach, heute Präsident des IOC, damals einer der besten deutschen Fechter, Olympiasieger mit der Mannschaft von 1976. „Meistens hat aber Bach gewonnen“, sagt Csire heute mit einem Lächeln. Der Mann aus Budapest nimmt drei Jahre am Weltcup teil, dann heiratet er und bildet aus. Seinen ersten Schüler kennt er noch: Thorsten Morheineke, deutscher Jugendmeister 1975. Csire ist Gründer der Schüler-Fechtgemeinschaft Krefeld, heute Fecht Club Krefeld. Fecht-AGs unter seiner Ägide gibt es seit 1970.

Der Ungar bildet zahlreiche Fechter aus, die Titel gewinnen, sich in den deutschen Eliterang vorkämpfen. Das Fechten, das ist auch immer eine Prüfung der Persönlichkeit: „Man wird gezwungen, das Verlieren mit Anstand zu lernen. Für Kinder ist es das A und O. Man muss mitdenken im Gefecht, immer an sich selbst arbeiten.“

Sein Ruf als Trainer ist blendend, das macht ihn auch ein wenig stolz: „Die Trainerelite kennt mich. Die Rückmeldungen sind mir schon wichtig. Meine Fechter sind dankbar für die Erfolge unter meiner Arbeit. Das gibt mir viel“, sagt Csire. Sein aussichtsreichster Schüler heißt heute Paul Veltrup. Csire: „Paul ist eines der größten Talente in Deutschland, das größte in der Clubgeschichte. Ich überlege mir, wie ich ihn zu Olympia bringen kann. Das ist eine neue Herausforderung mich als Trainer.“ Immer noch steht Csire als Cheftrainer in der ersten Reihe: „Ich hoffe, dass der liebe Gott mir noch genügend Zeit gibt, weiterzumachen.“ Da gibt es Applaus im Publikum.

Mehr von Westdeutsche Zeitung