Der KFC in der Rückrunde – das kollektive Versagen

Fußball : KFC – das kollektive Versagen

Das 0:3 gegen Braunschweig ist eine Zäsur – die erste unter Trainer Frank Heinemann.

Dem Gast gehört auf Pressekonferenzen nach einem Spiel immer das erste Wort. Das war auch am Montagabend nicht anders. Der Braunschweiger Fußball-Lehrer André Schubert hob an zu seiner Analyse des 3:0-Sieges und dessen Entstehungsgeschichte und schloss mit einer Überleitung zu seinem Gegenüber, dem KFC-Trainer Frank Heinemann.

Man fragte sich in diesem Moment, ob dem früheren Bundesliga-Coach Schubert dieser Satz da etwas herausgerutscht war, weil er doch seine Sicht auf die seltsame Beschaffenheit der Uerdinger Mannschaft offenlegte und sich damit ja auch ein Stück in die inneren Angelegenheiten seines Kollegen einmischte: „Der KFC ist eine absolut gut besetzte Mannschaft. Wichtig ist aber auch immer, dass jeder für den Anderen alles gibt.“

Trainer Heinemann: „Eine solche Leistung ist kaum zu erklären“

Diese Aussage klang nach, auch als dann Uerdingens Trainer Heinemann seine Analyse vortrug. Der 54-Jährige hatte in den vergangenen Wochen immer wieder seine schützende Hand über das Team gehalten. Er hatte es verteidigt gegen die Kritiker, die dort hinter dem Gebilde nur eine lose Ansammlung von guten Einzelspielern vermuteten. Heinemann hatte sich immer demonstrativ vor seine Mannschaft gestellt.

Am Montagabend aber musste auch er schonungslos berichten: „Es ist kaum zu erklären, so eine Leistung zu bringen. Wir haben in allen Bereichen nicht das gezeigt, um erfolgreich sein zu können.“ Heinemann ging noch weiter: „Ich habe damit nicht gerechnet. Wir haben zuvor ordentlich gespielt. Heute haben wir komplett versagt. So sind wir noch nicht aufgetreten.“

„Es kann nicht jeder seinen eigenen Kampf führen“

Pfiffe des Publikums hatte es schon zur Halbzeit gegeben. Die KFC-Fans wiederholten ihre Schmähungen nach dem Abpfiff dieses schwachen Heimspiels. Die meisten Spieler stapften kommentarlos durch die Mixed Zone der Duisburger Arena. Zu keiner Zeit des Spiels hatte der KFC sein Potenzial gezeigt, weder auf das frühe 0:1, noch das 0:2 oder das 0:3 folgte eine Reaktion der Mannschaft. Kein Aufbäumen. Nicht die Eintracht aus Braunschweig, sondern die Krefelder wirkten wie das Team, das akut in Abstiegsnot steckt. Der KFC fand überhaupt nicht ins Spiel.

Eine Mannschaftsleistung konnte diesmal auch der KFC-Trainer nicht erkennen: „Es kann nicht jeder seinen eigenen Kampf führen, sondern es geht nur im Team. Wir müssen jetzt bis Samstag die Teilchen zusammen kriegen.“ Dann steht das Auswärtsspiel beim Tabellenletzten VfR Aalen an. Sechs Punkte liegen die Krefelder noch vor der Abstiegsregion bei noch vier ausstehenden Spielen. Mit einem Sieg in Aalen würden sich die Uerdinger wohl befreien. Doch mit einer Leistung wie am Montag ist die Mannschaft auch beim Tabellenschlusslicht, das noch um die letzte Chance um den Klassenerhalt kämpft, auf verlorenem Posten. Die Aufgaben gegen Cottbus, Rostock und Wehen Wiesbaden dürften nicht einfacher werden.

Das 0:3 gegen Braunschweig war die zehnte Niederlage der Rückrunde, in der die Uerdinger die schlechteste Mannschaft sind. „Alle müssen mehr investieren. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen und Gas geben“, sagte Alexander Bittroff: „Wenn alle nur 90 Prozent geben, reicht das in der Liga nicht.“ Kapitän Mario Erb sagte: „Wir haben sechs Punkte Vorsprung zu einem Abstiegsplatz, da muss man immer aufpassen.“

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