Das Krefelder Sportjahr 2010

Das Krefelder Sportjahr 2010

Das Auf und Ab der Pinguine. Die Erfolge im Rudern setzen sich fort. Viele Krefelder haben Olympia 2012 im Hinterkopf.

Krefeld. Sein Name ist länger als sein Atem: Aílton Gonçalves da Silva. Kurz: Ailton. Bekannt als Kugelblitz, am Ende nur noch ein Stehgeiger und letztlich ein großes Missverständnis. Immerhin zog er den mittlerweile sechstklassigen KFC Uerdingen noch einmal zurück ins Rampenlicht der deutschen Fußball-Bühne, doch im Blitzgewitter der Kameras fühlte sich der Brasilianer wohler als auf dem Fußballplatz. Ein Torjäger, der in die Jahre gekommen ist, sportlich ohne Wert und so schnell weg, wie er gekommen war — letztlich nicht mehr als ein peinliches Kapitel in der KFC-Vereinschronik.

Sport-Geschichte schrieben andere. Im Rudern, Ringen, Badminton, Eishockey, in der Leichtathtletik. Es begann mit einem Weltrekord. Fast 78 000 Zuschauer in der Schalke-Arena verfolgten das Auftaktspiel der Eishockey-Weltmeisterschaft zwischen dem deutschen Nationalteam und den USA (2:1 n.V.).

Der Startschuss zu einem weiteren Sommermärchen, bei dem das deutsche Team erstmals nach 57 Jahren den Halbfinal-Einzug schaffen sollte. Mittendrin: Patrick Hager, Stürmer der Pinguine, und Christian Ehrhoff, Meisterpinguin von 2003, derzeit in der NHL für die Vancouver Canucks aktiv. Pech für Hager: Beim Viertelfinalsieg gegen die Schweiz (1:0) in Mannheim erlitt er einen Mittelhandbruch, konnte so im Halbfinale gegen Russland und im Spiel um Platz drei, das gegen Schweden 1:3 verloren ging, nur zuschauen.

Gefeiert wurden die Eishockey-Helden trotzdem, die Euphorie sollte in die DEL getragen werden. Daraus wurde nichts. Denn dem Sommermärchen folgte das Sommertheater: Frankfurt und Kassel flogen aus der Liga. Auch die Pinguine mussten bangen, sie standen vor dem Aus und kamen wiedererstarkt zurück. Der Lohn: ein Platz unter den Topteams der Liga, die Play-offs vor Augen. So soll es 2011 weitergehen.

2011 — das vorolympische Jahr, das Jahr in dem die Weichen für London gestellt werden. Der kleine schwarze Flitzer mit der Aufschrift Olympiateam 2012 steht fast täglich am Uerdinger Löschenhofweg. Dort trainiert Zehnkämpfer Michael Schrader mit Trainer Torsten Voss. Mit dem Deutschen Meistertitel im Zehnkampf meldete sich Schrader im September in Potsdam nach langer Verletzungspause zurück. In Götzis hofft der 23-Jährige im Mai zunächst einmal auf die Rückkehr in die Weltelite.

London — das ist auch das Ziel von Juliane Schenk. 2010 war für die 28-jährige Badminton-Spielerin Bein gutes Jahr. Sie wurde Vize-Europameisterin, hat bei den Dutch Open und Belgian International ihre Titelsammlung aufgestockt, erstmals das Halbfinale bei einem Super-Series-Turnier erreicht und den Sprung auf Platz sechs der Weltrangliste geschafft.

Erfolge feierten auch die Ruderer. Bei der U 23-WM gewann Lisa Schmidla im Doppelzweier mit Partnerin Julia Lepke (Rostock) Gold. Klubkollegin Mona Benger sicherte sich mit dem DRV-Vierer die Bronzemedaille. Bei den Ruder-EM in Portugal schlug Jochen Urban zu. Im Vierer ohne Steuermann sicherte er sich die Goldmedaille. Marlene Sinnig erkämpfte sich im Zweier ohne mit Kerstin Hartmann die Silbermedaille. Bei der WM lief es nicht ganz so rund. Sinnig/Hartmann kamen auf Platz sechs, Urban im Vierer auf Rang acht. WM-Bronze ging auch an Ringerin Aline Focken. Auch sie hat London im Visier. Genau wie Surferin Moana Delle (WM-Achte), Ringerin Aline Focken (WM-Dritte der Juniorinnen) und die Hockey-Asse Oskar Deecke und Linus Butt (Crefelder HTC). Für alle wird das neue Jahr richtungsweisend.

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