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Blau-Weiß: Italiener sorgen für Jubel

Tennis : Blau-Weiß: Italiener sorgen für Jubel

Tennis-Bundesligist verbucht das schlechteste Ergebnis seit 2014, freut sich aber über den Klassenerhalt.

Auch für ein paar erhabene Momente hatten sie am Sonntagabend die Zeit und Lust bei Blau-Weiß Krefeld. Neben vereinseigenem Liedgut, dem Triumph-Schlager „Nie mehr 2. Liga“, stimmten Spieler und Funktionäre vor dem Abendessen auch noch die italienische Nationalhymne an. „Fratelli d’italia“, so ihr Name, Brüder Italiens, sangen sie inbrünstig.

Wie Brüder, die an einem Strang ziehen, hatte sich die Mannschaft auch in den Saison-Spielen gezeigt. Das überwiegend aus Männern von der Apennin-Halbinsel bestückte Team zog seine Kraft schließlich auch aus der Eintracht. Es machte sich bezahlt. Hauchdünn gelang am Sonntag noch der Klassenerhalt. Blau-Weiß beendete die Spielzeit auf Rang acht. Es war das schlechteste Abschneiden seit 2014. Damals landete der Club ebenfalls auf Platz acht, holte aber mit sechs Zählern einen Matchpunkt weniger als dieses Jahr.

In den sauren Apfel beißen musste diesmal Rot-Weiß Köln, das punktgleich mit Krefeld, Aachen, Düsseldorf wegen eines Matchpunktes weniger in die 2. Liga absteigt. „Die Saison war nervenaufreibend“, fasste Clubsprecher Jörg Zellen die Stimmungslage nach dem Saisonkehraus zusammen: „Aber wir sind total glücklich jetzt.“ Das kann man wohl sagen, denn beinahe hätte es die Krefelder auch erwischt. Doch mit einem 5:1-Auswärtssieg am Freitag in Rosenheim und dem hart erkämpften 3:3 gegen Absteiger Köln am Sonntag retteten sich die Krefelder ins nächste Jahr. Das letzte verbleibende Gründungsmitglied der Bundesliga wird also auch anno 2022 an den Start gehen dürfen. Die extra entworfenen blauen Hemden in Andenken an den Aufstieg vor 50 Jahren werden also in positiver Erinnerung bleiben. Das war die Saison 2021.

Die Mannschaft Insgesamt kamen über alle neun Spieltage gesehen elf Spieler zum Einsatz. Bis auf den Deutschen Tom Schönenberg und den Norweger Viktor Durasovic stammten alle anderen Akteure aus Italien. Das Match des Peruaners Juan Pablo Varillas wurde annulliert (siehe unten).


Die Gewinner Die besten Bilanzen weisen Federico Gaio und Andrea Arnaboldi in den Einzeln auf. Beide gewannen vier Matches, verloren nur eines. Auch Marco Cecchinato setzte seine Siegesserie in der Bundesliga für Krefeld fort. Mittlerweile hat er elf Einzel gewonnen, nur eines verloren. In diesem Sommer kamen zwei Erfolge dazu. Krefelds Nummer eins, Stefano Travaglia, landete drei Einzelsiege, unterlag aber in zwei Doppeln. Zu den positiven Erscheinungen zählte auch der erst 19-jährige Flavio Cobolli, der durch seine mutige und forsche Spielweise bestach und zwei Einzelsiege bei einer Niederlage verbuchte.


Der Enttäuschende Keine gute Saison spielte dagegen Andrea Collarini. Nur eines seiner fünf Einzel gewann der Mann aus Buenos Aires, der auch einen italienischen Pass hat. Auch in den Doppeln hatte er kein Glück, unterlag drei weitere Male. Zweimal verlor er sogar einen Satz zu Null, was in der ansonsten für ihre Ausgeglichenheit bekannte Bundesliga auffällig ist.

Der Tiefpunkt Der Sonntag, 18. Juli, wird im Gedächtnis des Clubs in Erinnerung bleiben, genauso wie der damit verbundene Name des Norwegers Viktor Durasovic. Dies leider aber wegen eines Patzers, der Blau-Weiß in der Endabrechnung beinahe noch den Klassenerhalt gekostet hätte. Mit seiner Aufstellung war das Heimspiel gegen Blau-Weiß Neuss schon verloren, bevor es überhaupt begann. Man hatte im Bundesliga-Team übersehen, dass Norwegen nicht Teil der Europäischen Union ist. Zwei Nicht-EU-Ausländer waren nicht erlaubt. Juan Pablo Varillas war der andere Mann außerhalb der Union. Alle Partien des Tages wurden annulliert und schließlich für Neuss gewertet.

Die Rettung Sowohl in Düsseldorf als auch in Rosenheim präsentierten sich die Krefelder zweimal bärenstark, siegten 5:1 und legten damit den Grundstein für den Klassenerhalt. Eine eingeschworene Mannschaft, wieder einmal ausschließlich aus Italienern bestehend, die in Rosenheim noch am Abend vor dem Spiel zusammen gespeist hatte, trat als Einheit auf und feuerte sich zu Höchstleistungen an. „Das Team passte super zusammen. Sie sind wie eine Familie“, befand Blau-Weiß-Chef Olaf Stiller.

Kein Heimsieg Vier Heimspiele, kein Sieg, dafür zweimal eine Punkteteilung und das 0:6 am grünen Tisch gegen Neuss. Dazu ein 1:5 gegen den Deutschen Meister aus Mannheim. Spannende Spiele gab es trotzdem zu sehen, die 300 bis 500 Zuschauer, die jedes Heimspiel besucht hatten, kamen auf ihre Kosten. Wegen der Corona-Verordnungen war die Bundesliga dieses Jahr kein Zuschauer-Magnet wie früher. Das glückliche Ende aber überwog. Gegen Köln feuerten die zahlreichen Zuschauer die Mannschaft und ihren Spitzenspieler Stefano Travaglia lautstark zum 3:3-Endstand, boten eine Atmosphäre, die das Team beflügelte.

Die Anschieber Das Team hinter der Mannschaft teilte sich die viele Arbeit in diesem Sommer auf. Neben Teamchef Hajo Ploenes war dies auch vor allem seine Tochter Claudia Ploenes, die viel Organisation übernahm und auch die Kontakte zu den Spielern über die digitalen Kanäle pflegte. Sascha Klör coachte an allen Spieltagen in seiner ersten Bundesliga-Saison für Blau-Weiß. Sportwart Wolfgang Nonn diente als Fahrer für die Spieler, sorgte für den reibungslosen Transport zu den Flughäfen und Hotels. Auch Clubsprecher Jörg Zellen wirkte in erster Reihe mit.